Mit Flyern die Stimmung anheizen

Ein Pfiff ertönt. Halbzeitpause für die Spieler des FC Bayern Basketball. Doch sobald sich die Spieler für einen Moment vom Spiel erholen können, geht es für andere erst richtig los. Sogleich ertönt aus den Lautsprechern des Audi Dome in München laute Musik. Jubelnd laufen die Cheerleaderinnen der Munich Cheer Allstars aufs Spielfeld und beginnen auf der Stelle mit einer Tanzeinlage zur Musik.

Lorena Cosenza ist seit fast vier Jahren Teil der Truppe. Angefangen hat es bei der 18-Jährigen mit einem Zufall. Sie hat sich aus reiner Neugier das Training mit einer Freundin zusammen angeschaut, und es gefiel ihr sofort. Da sie damals gerade keinen Sport machte, meldete sie sich gleich an. Seitdem trainiert die Münchnerin zwei- bis dreimal die Woche. Denn hinter dem, was so leicht aussieht, steckt in Wahrheit harte Arbeit. Vor allem die Sprünge erfordern viel Geschick und Übung. Nicht umsonst dauert jedes Training zwei bis drei Stunden.

Allein das Aufwärmen nimmt fast eine Stunde in Anspruch. Das ist wichtig, denn vor allem die Akrobatikübungen bergen ein hohes Verletzungsrisiko. "Blaue Flecken gehören da schon dazu", bestätigt Lorena, die die zwölfte Klasse der Fachoberschule besucht. Eine unsaubere Landung oder Unaufmerksamkeit kann zu schweren Unfällen führen.

Ernsthaft verletzt habe sie sich zwar zum Glück noch nie, aber Prellungen und Schrammen kommen immer wieder vor. Einmal war sie dabei, als sich ein Mädchen den Arm gebrochen hat. In solchen Momenten wird ihr klar, wie gefährlich einige Stunts sind und dass ein gebrochener Arm oder ein verstauchtes Bein bei weitem nicht das Schlimmste ist, was passieren könnte. "Aber an so was darf man nicht denken", meint die etwa 1,60 Meter große Italienerin.

Während des Auftritts sind keinerlei Unsicherheiten zu bemerken. Die Cheerleaderinnen lächeln während der gesamten Zeit, fliegen wie schwerelos durch die Luft und bewegen sich synchron und perfekt im Rhythmus der Musik. Eine Pyramide wird aufgebaut. Auf die Schultern von zwei in die Luft gehobenen Mädchen springt eine Dritte und streckt ihr Bein nach oben. Begleitet vom lauten Jubel, fliegt sie regelrecht wieder hinunter und dreht sich im Flug noch einmal um ihre eigene Achse. Unten wird sie sanft von ihren Kameradinnen aufgefangen. Das Publikum applaudiert begeistert. Das ist die Rolle der Cheerleader: die Stimmung der Zuschauer mit ihren spektakulären Stunts anzuheizen, damit diese später wiederum die Mannschaften anfeuern. Lorena macht das Cheerleading viel Spaß. Sie hat es immer als abwechslungsreiche Sportart erlebt. Nicht nur, weil es Akrobatik, Turnen und auch Tanz beinhaltet, sondern vor allem, weil es keine festen Positionen gibt. Das bedeutet, dass jeder mal alles ausprobieren kann.

In der Halle folgt ein weiterer Akrobatikteil. Alle Cheerleaderinnen sind wieder voll konzentriert, zwar lächeln sie immer noch, aber die Anstrengung, die ihnen diese Übungen abverlangen, ist in ihren Gesichtern abzulesen. Die Flyer - so heißen die Mädchen, die in die Luft geworfen werden - müssen sich zu hundert Prozent auf die unteren verlassen können. "Am Anfang haben wir auch mal Vertrauensübungen gemacht, um unseren Zusammenhalt und unser Vertrauen zu stärken", sagt Lorena.

Sie ist auch schon Flyer gewesen. Die ersten Male hatte sie schon Angst, aber mit der Zeit ging es dann besser. "Klar ist man angespannt, wenn man oben ist. Aber das Schwerste ist, die durch die Angst bedingte Anspannung loszuwerden und sich stattdessen auf Körperspannung zu konzentrieren." Anfangs waren ihre Beine nicht immer komplett durchgestreckt; das war ein Problem. Inzwischen gehe es schon ganz gut. Dieses Mal klappt alles wie am Schnürchen, alle landen sicher auf dem Boden. Der Jubel aus dem Publikum ist groß. Euphorisiert blicken die Zuschauer aufs Spielfeld, gespannt, was nun als Nächstes folgt.

Auf die Frage, ob man besondere Voraussetzungen als Cheerleader haben muss, lacht die Schülerin: "Also Gewichtskontrollen oder so etwas gibt es bei uns nicht. Auch die Größe ist nicht entscheidend." Die etwas größeren Mädchen stehen oft außen als Stütze, da sie über die anderen hinübergreifen können und die Pyramide von außen stabilisieren. Die etwas kleineren sind meistens Flyer. "Eine wirklich ideale Größe gibt es gar nicht." Auch beim Alter gibt es keine strenge Grenze, in ihrer Gruppe ist die Jüngste 14, die Älteste 30 Jahre alt. Alle verstünden sich gut, und die Stimmung während des Trainings sei immer ausgelassen und entspannt.

Auf dem Spielfeld folgt eine abschließende Tanzeinlage. Nachdem sie noch einmal alles gegeben haben, laufen die Cheerleaderinnen jubelnd und mit ihren rot-weißen Pompons winkend vom Feld und überlassen es wieder den Spielern des FC Bayern, die mit Beifall in Empfang genommen werden.

Informationen zum Beitrag

Titel
Mit Flyern die Stimmung anheizen
Autor
Melanie Onderscheka
Schule
Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium , München
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2014, Nr. 98, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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