Die Henneberg 23 wacht auf dem Main

Stromaufwärts mit dem Streckenboot der Wasserschutzpolizei Schweinfurt. Die Polizisten kontrollieren Frachtschiffe und das Ufer.

Der Mann zeigt auf die Bundesflagge mit Adler. "Die ist ganz wichtig", erklärt Adi Schön, der im Gegensatz zu seinem jüngeren Kollegen eher legere Dienstkleidung bevorzugt. Er befestigt die Flagge am Heck des Boots, während sein Kollege die bayerische Flagge am Bug hisst. "Jedes Schiff hat normalerweise die Flagge seines Heimatlands draußen hängen. Das ist so Tradition." Die Beamten gehören zu den "alten Hasen" der Wasserschutzpolizei Schweinfurt und sind mit ihrem "in die Jahre gekommenen" Streckenboot, der Henneberg 23, bestens vertraut.

Schöns Kollege, der einen Dreitagebart und eine Brille trägt, steuert das fast 15 Meter lange Polizeiboot routiniert durch den Hafen. Als es ein Frachtschiff, das gerade mit Getreide befüllt worden ist, passiert, zeigt der Beamte auf die Nummer, die auf dem Schiff zu lesen ist. "Diese Nummer kann man sich vorstellen wie das Nummernschild beim Auto. Jedes Schiff hat seine individuelle Nummer, unter der wir es finden können. Da kann man alle möglichen Daten wie zum Beispiel den Heimathafen oder die letzte Kontrolle einsehen. Wir können aber vor allem auch sehen, ob eine Fahndung vorliegt." Um welche Straftaten handelt es sich dabei? "Da geht es meistens um bestimmte Auflagen, die bemängelt wurden, oder um kleinere Schäden, die irgendwo passiert sind. Ab und zu sind es auch Vorladungen zu Gerichtsterminen, die wir dann überbringen müssen."

Nach 45 Minuten Fahrt stromaufwärts kommt der Henneberg 23 ein Güterschiff entgegen. Mit dem Fernglas hat einer der Beamten die Nummer des Schiffs erspäht und den Heimathafen Frankfurt identifiziert. Er sucht im Verzeichnis auf seinem Laptop nach der Nummer. "Letzte Kontrolle war am dritten Februar. Auf der Fahndungsliste steht er nicht, aber kontrollieren könnten wir schon mal wieder", stellt er pflichtbewusst fest. Freundlich nimmt Schön Funkkontakt zu dem Güterschiff auf und teilt mit, dass sein Kollege "gleich mal rüberkommt und die Papiere checkt". Da das Schiff weiterfährt, drehen auch die Polizisten.

Nach etwa einer Viertelstunde ist das Güterschiff aus Frankfurt eingeholt, und während der Beamte Schön die alte Henneberg 23 geschickt näher an das noch immer fahrende Transportschiff lotst, zieht sich sein Kollege vorschriftsmäßig eine Schwimmweste an. Das Polizeiboot fährt jetzt mit einem Abstand von höchstens 50 Zentimetern neben dem Frachtschiff her, und der Polizist wechselt mit einem großen Schritt auf das Schiff.

"Ich bin seit 1985 dabei", sagt Schön und lässt die Henneberg 23 etwas zurückfallen, während sein Kollege die Kontrolle durchführt. "Ist ein guter Job, bringt auch mal Abwechslung." Mit Blick auf den blauen Himmel lacht er: "Vor allem natürlich bei so herrlichem Wetter wie heute macht das schon Spaß." Er schließt die Türen, da die Luft durch den Fahrtwind kühl nach innen zieht. "Im Winter ist das aber manchmal echt kein Spaß. Dieses Jahr ging es, aber wir hatten auch schon Jahre, da mussten die Jungs von der Wasserstrompolizei mit ihrem Eisbrecher kommen, weil der Main zugefroren war. Ist nämlich auch schon passiert, dass sich Schiffe ein Loch in die Wand gerissen haben, weil die Eisplatten so dick und scharf sein können." Auf die Frage, wie in einer solchen Situation gehandelt wird, sagt er lachend: "Früher haben die ihre Lecks mit Speckschwarte abgedichtet. Man glaubt es kaum, aber das stimmt. Die haben die richtig fest von innen her vor das Leck gekeilt, mit Holzpflöcken zum Abdichten. Heutzutage läuft das natürlich ein bisschen anders. Zuerst muss man mal richtig starke Pumpen da reinstellen, um das permanent eindringende Wasser möglichst schnell wieder abzupumpen. Und dann gibt es spezielle Tauchunternehmen, die reparieren das unter Wasser. Die können sogar unter Wasser schweißen. Ist natürlich im Winter bei minus 20 Grad auch kein Spaß."

Über Funk meldet sich der Beamte vom Frachtschiff. "Alles klar, Adi, ich bin fertig." Als das Frachtschiff eingeholt ist, steigt der Polizist mit zwischen die Zähne geklemmten Unterlagen zurück aufs Polizeiboot. "War alles klar so,weit, meistens ist alles okay. Die wollen ja auch ihre Route abfahren und nicht ständig irgendwelche Komplikationen, deshalb achten die da meistens gut drauf, dass alles passt", erklärt er.

An der nächsten Schleuse wird das Boot mit zwei weiteren Schiffen, der Grassmann, einem starken Arbeitsschiff der Wasserstrompolizei, und einem Frachtschiff weitergeschleust werden. Die Wasserstrompolizei ist am ehesten mit der Straßenmeisterei vergleichbar. Sie sorgt dafür, dass die Wasserstraße schiffbar bleibt. "Die Grassmann ist ein richtiges Kraftpaket. Die hat so einen Watschelgang, damit wird sie im Winter sogar als Eisbrecher eingesetzt."

Die Polizisten verlassen die Schleuse als Letzte und setzen die Fahrt zu Berg fort. Der naturverbundene Kollege Schöns erzählt, dass in letzter Zeit viele große tote Fische im Main gefunden werden. Das liege an der Vermehrung der Kormorane. "Die machen teilweise Riesenfische kaputt, die sie dann gar nicht fressen oder mitnehmen können, und dann treiben sie im Main umher." Er berichtet, dass der Naturschutz, unter dem der Kormoran steht, vor allem bei Anglern höchst umstritten ist.

Für die Einhaltung des Fischereirechts ist die Wasserschutzpolizei ebenso zuständig wie für die Sauberhaltung der Ufer. Die Beamten kennen die Tier- und Pflanzenwelt entlang des Mains. "Wir finden immer noch ab und zu irgendwo Asbest. Die meisten Leute interessiert so was nicht, deshalb sehen sie es auch nicht."

Auf das neu geplante Streckenboot angesprochen, frotzelt Schön: "Dann muss man auf der Bordtoilette nicht mehr pumpen." Sein Kollege erklärt: "Momentan ist es noch so, dass es noch keine Damentoilette an Bord gibt und das natürlich nicht geht. Wir haben schließlich auch weibliche Kolleginnen." Langsam fahren sie Richtung Anlegestelle. "Unsere Schicht geht von 6 bis 19 Uhr. Wer dann als Letzter den Hörer abnimmt, hat halt verloren."

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Henneberg 23 wacht auf dem Main
Autor
Franz Seibt
Schule
Bayernkolleg , Schweinfurt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2014, Nr. 166, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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