Patrick Donner hebt ab

Der 22 Jahre alte Franke hat sich einen Traum erfüllt und eine Ausbildung zum Piloten gemacht. Nach der ersten Theoriephase, Triebwerkskunde und Navigation verbrachte der Auszubildende 14 Wochen in Florida. Nicht nur der erste Alleinflug bescherte ihm ein atemberaubendes Gefühl.

Die Propellermaschine Piper PA28 steigt höher und entfernt sich immer weiter von den Dächern Haßfurts. Der Nachmittag ist bewölkt. Es dauert eine Weile, bis das Flugzeug die Wolken durchbricht und der strahlend blaue Himmel erscheint. Der Start ist nicht nur bei diesem Flug geschafft. Patrick Donner stehen nun alle Wege offen. Nach der zweijährigen Ausbildung bei der Pilot Training Network GmbH Flugschule in Frankfurt hat er seine Pilotenlizenz und darf nun als First Officer fliegen. Ein Traumberuf, hinter dem sich eine Tätigkeit verbirgt, die auch mit Druck und Anstrengungen verbunden ist.

Der gebürtige Donnersdorfer Patrick Donner ist einer von 300 jungen Frauen und Männern, die jährlich eine Ausbildung zum Piloten absolvieren. Der 22-Jährige ist 1,87 Meter groß, schlank, hat kurze braune Haare und trägt eine Brille. Nach seiner Online-Bewerbung bei der Lufthansa musste er zum Eignungstest bei der Luft- und Raumfahrtpsychologieabteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Hamburg. Die Kandidaten haben nur einmal die Chance, die Prüfung zu absolvieren. Anschließend wartet noch der Fliegerarzt, der die Bewerber gesundheitlich durchcheckt. In Hamburg wurde Donner auf mathematisches, physikalisch-technisches Wissen und Englischkenntnisse geprüft. Seine Mehrfachbelastung, Konzentrations- und Merkfähigkeit wurden ebenso ermittelt. "Von den Bewerbern werden zwar ein gutes Allgemeinwissen und gewisse Grundvoraussetzungen erwartet, aber man muss gewiss kein Genie oder Marathonläufer sein", berichtet er. Geeignete Kandidaten erwerben in einem mehrstufigen Ausbildungsverfahren aus Theorie und Praxis verschiedene Lizenzen. Nach sieben Wochen Theorie in Frankfurt hatte der Unterfranke die erste Phase hinter sich.

Der Unterricht eines Piloten wird größtenteils in der Fliegersprache Englisch abgehalten. Der Lehrplan umfasst zwölf Fächer wie Instrumentation, Luftrecht, Triebwerkskunde, Navigation und Meteorologie. Durch den Wechsel von theoretischem und praktischem Training soll das Erlernte umgesetzt und gefestigt werden. Donner hat an fünf Tagen in der Woche Unterricht. Jeden Tag haben die Auszubildenden ein Fach, und dies acht Stunden lang.

Als er nach der ersten Theoriephase das erste Mal abheben durfte, verbrachte er mit anderen Auszubildenden 14 Wochen in Vero Beach in Florida, wo vor allem der Sichtflug ein besonderes Erlebnis war. "Man kann um sich herum alles beobachten, mal die Landschaft anschauen, mal über sein Wohnhaus fliegen." Neben den Flügen mit Lehrern steuern die Jungpiloten dort auch allein. "Vor dem allerersten Flug hat man großen Respekt. Beim Start des Motors der Piper-Maschine und beim Abflug wusste ich zuerst tatsächlich nicht mehr allzu viel. Der Fluglehrer hilft einem zwar, aber im Großen und Ganzen musste man alles selbst machen." Nach acht Flugstunden und der ersten Flugzwischenprüfung erfolgte der erste Alleinflug. "Es war ein atemberaubendes Gefühl, das man trotzdem nicht so richtig genießen konnte, da so viel um einen passiert und man so unter Stress stand."

Nach den Wochen in den Staaten folgt die zweite große Theoriephase für neun Monate in Frankfurt. Für den abschließenden theoretischen Test des Luftfahrbundesamtes müssen gut 12 000 Seiten durchgearbeitet sein. Mit dieser geistigen Fracht reisen die Auszubildenden dann nach Rostock-Laage. Dort absolviert der fortgeschrittene Flugschüler den zweiten praktischen Teil der Ausbildung: das Instrumentenflug-Training. "Dadurch wird der Umgang mit den Instrumenten beim normalen Fliegen und vor allem für schlechtes Wetter geübt." Den Höhepunkt seiner Ausbildung erlebt Donner, als er während des Multicrewtrainings auf einem Full Flight Simulator der Boeing 737 fliegt. "Nach kurzer Zeit ist man sich nicht mehr bewusst, dass es sich nur um einen Simulator handelt, und man agiert wie in einem echten Flugzeug. Der wesentliche Vorteil eines Simulators liegt darin, dass man schwierigere und gefährlichere Situationen trainieren kann, die man so im Flugzeug nicht üben kann."

Die Schüler erleben verschiedene Flugbedingungen und trainieren für Notsituationen in Teamarbeit. "Es war ein großartiges Gefühl, da man praktisch zum ersten Mal einen Jetflieger in der Hand hat und die Power eines großen Fliegers erlebt. Man hat das erste Mal das Gefühl, zu den Großen zu gehören und es richtig professionell zu machen", erzählt Donner mit Stolz in der Stimme. Danach erhält er seine Multi Crew Pilotenlizenz, die vor allem für den Berufsalltag bei Fluggesellschaften gebraucht wird.

Die Ausbildung kostet viel Geld. Man bezahlt rund 70 000 Euro allein für die Pilotenausbildung. Das Geld erhielt er von seinen Eltern. Hinzu kommen die Kosten für Wohnung und Verpflegung. Ein Einstieg in ein lockeres Luxusleben? "Nein, denn der Pilotenjob umfasst viel mehr, als sich nur in einer schicken Uniform zu präsentieren. Teamfähigkeit und Zusammenarbeit mit Menschen sind sehr wichtig für die Luftfahrt. Die Crew wird bei jeder Route neu zusammengestellt." Ruhig bleiben, auch in schwierigen Situationen, über Funk kommunizieren, Raumorientierung und enorme psychische Belastbarkeit - all das muss ein Pilot beherrschen. "Fliegen heißt, sich im dreidimensionalen Raum zu bewegen", betont er. Unregelmäßige Arbeitszeiten sind sein Alltag. "Schon in der Flugschule werden die Schüler an die unregelmäßigen Arbeitszeiten mit einem wechselnden Stundenplan gewöhnt, ebenso wie an das Tragen der Uniformen.

Die Technik ist kompliziert. "Die Landung kann manchmal sogar anstrengender und stressiger als 90 Minuten Fußball sein, da sie eine enorme psychische Belastung darstellt. Man muss frühzeitig reagieren, auf bestimmte Flugeigenschaften achten und den Flieger auf Kurs halten." Für Privates bleibe wenig Zeit, gerade bei Auslandsaufenthalten. "Jede zweite Beziehung geht in die Brüche. Jedoch knüpft man auch wieder neue Kontakte", sagt er.

Jetzt fehle ihm nur noch ein Platz bei einer Fluggesellschaft an der Seite eines Kapitäns als First Officer. Da dies im Moment nicht so einfach ist, studiert er zurzeit Luftfahrttechnik in Ingolstadt.

Informationen zum Beitrag

Titel
Patrick Donner hebt ab
Autor
Maria Reitwiesner
Schule
Regiomontanus-Gymnasium , Haßfurt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2014, Nr. 190, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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