Auf Messers Schneide

Jetzt ist es heiß genug! Schnell zum Lufthammer!" Der Hammer, auch genannt "Bär", beginnt auf den Eisenrohling zu schlagen. Das Eisen verlängert sich um das Doppelte und kühlt langsam wieder ab. In seiner Werkstatt in Knetzgau schmiedet Fred Schmalz gerade ein Damastmesser. Der Schmiedemeister ist Mitte sechzig und trägt neben einer Elbseglermütze einen Ohrring in der Form eines Ambosses. In einer Halle stehen neben einer Werkbank, ein großer Ofen, ein Amboss und ein schwerer Lufthammer. In der Nähe des Ofens macht sich eine starke Hitze breit.

Unter Damastschmieden versteht man, dass ein Block aus zwei verschiedenen Stahlsorten, der aus mehreren Lagen besteht, so oft halbiert und wieder zusammengeschmiedet wird, dass der Block am Ende bis zu 600 Schichten haben kann. "Das Eisen muss jetzt in der Mitte getrennt und die beiden Stücke müssen wieder zusammengeschweißt werden", erklärt Schmalz.

Mit 17 Jahren hat er seine Facharbeit als Schlosser gemacht und war danach einige Jahre Berufssoldat bei den Gebirgsjägern, bis er Betriebsschlosser wurde. 1982 eröffnete er seine jetzige Bau- und Kunstschlosserei. Ein Jahr später machte er seine Meisterprüfung in Würzburg, und drei Jahre später kam er das erste Mal mit Damaszenerstahl in Kontakt. "Ich hatte schon immer Faszination für diesen Stahl, aber ich habe nie etwas Genaueres darüber erfahren, also habe ich angefangen, selber zu schmieden." Im Jahr 2000 wurde Schmalz Mitglied der Deutschen Messermacher Gilde. "Man muss ziemlich gut sein, und die Kriterien für den Beitritt sind sehr hart, um aufgenommen zu werden." Außerdem erhielt eines seiner Produkte die Auszeichnung "Messer des Jahres 2002" und er von der Handwerkskammer das Handwerkszeichen in Gold.

"Diesen Vorgang wiederholen wir jetzt noch vier- bis fünfmal", kommentiert er sein Tun. Das Gleiche wird mit einem zweiten Rohling gemacht, beide werden dann zusammen feuerverschweißt. Vom Metallblock bis zum fertigen Damastmesser dauert es 14 Stunden. Allerdings schmiede er nur von November bis März, da es im Sommer zu heiß sei. In den wärmeren Monaten fertigt Schmalz die Griffe für die Messer. Die Griffe bestehen meistens aus Holz, aber es gibt auch Messer mit besonderen Griffen, zum Beispiel aus Lapislazuli. "Allein durch Damastmesserschmieden kann man aber nicht in dieser Region überleben. Dafür fehlen die Aufträge, deshalb geht Fred öfters zu größeren Firmen in der Umgebung und macht Schlosserarbeiten", erklärt seine Frau Renate. So fertigt er für Kunden aus der Umgebung Tore oder andere Aufträge.

Das Schmieden verlangt viel Erfahrung und ein gutes Gefühl, so liegt die Kunstfertigkeit vor allem darin, dass man sich mit dem Material, das man bearbeitet, auskennt und sich auf das Auge verlässt, wann der Stahl heiß genug ist, um damit arbeiten zu können. Jedes Messer, das er anfertigt, ist ein Unikat. Die Muster, die nach dem Schmieden entstehen, machen das feingewellte Muster einzigartig. "Jeder Schlag bei der Verarbeitung lässt ein neues Muster entstehen." Bisher hat er nach eigenen Angaben schon etwa knapp eintausend Unikate gefertigt. Obwohl die Messer meist mehr als 500 Euro kosten, sind es keine Messer, die in eine Glasvitrine gehören, sondern man sollte sie benutzen. Die Messer kann man für alles verwenden, sie sind zäh und robust. Auch über die Landesgrenzen hinaus ist Fred Schmalz unter den Sammlern, Kennern und Fans von Messern bekannt. "Auch das japanische Fernsehen hat schon über meine Schmiede berichtet", sagt er. "Wir sind es mittlerweile gewöhnt, dass ab und zu ein Kamerateam meine Arbeit filmt."

Für seinen baldigen Ruhestand hat er sich vorgenommen, wieder auf dem Schulschiff "Alexander von Humboldt" mitzusegeln. Er ist ein fester Bestandteil einer Crew und als Maschinist tätig. Mit dieser Mannschaft ist er schon weit auf dem Atlantik gefahren.

Informationen zum Beitrag

Titel
Auf Messers Schneide
Autor
Manuel Deublein
Schule
Regiomontanus-Gymnasium , Haßfurt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2014, Nr. 285, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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