Messinas kleiner Fiat wird bestaunt wie ein Ferrari

Sandbestrahlt, Selbstmördertüren und Sitze vom Sattler: Der 1948er Fiat Topolino ist der ganze Stolz von Oldtimerfan Pietro Messina.

Mit meine Oldtimer, da gucken immer alle Leute wie bei eine Ferrari." Die Worte sprudeln in einem sympathischen Gemisch aus italienisch-griechischer Sprachtönung und fränkischem Akzent aus dem Mund des passionierten Autoliebhabers Pietro Messina. Er ist schlank, nicht allzu groß, hat schwarze, volle Haare, trägt ein gepflegtes Knebelbärtchen und Brille. Ein fast zärtlicher Ausdruck liegt auf seinem Gesicht, wenn der Oldtimerfan von seinem 1948er Fiat Topolino erzählt.

Topolino - das steht für kleine Maus. Der historische Kleinwagen, liebevoll hergerichtet und in tadellosem Zustand, ist so charismatisch wie sein Besitzer, der mit seinem karierten, hellen Sakko und der gelben Hose, der grün-rot karierten Weste und dem weißen Hemd mit Fliege darunter einen unverwechselbaren Kleidungsstil pflegt. Kein Wunder, dass Messina bei der alljährlichen Sachs-Franken-Classic - einer dreitägigen, rund 500 Kilometer quer durch Weinfranken führenden Oldtimer-Rallye, in der es um Präzisionsfahren nach Zeitvorgaben geht - immer ein heißer Anwärter auf den Sieg beim Concours d'Élégance ist.

Messina schließt die charakteristischen, hinten angeschlagenen "Selbstmördertüren", lehnt lässig am geputzten, nachtblauen Fiat vor seiner kleinen Garage in Dittelbrunn und berichtet vergnügt von seinen Erlebnissen: "Diese Auto ist so alt wie ich und jetzt seit 38 Jahre in meine Hand. Und diese hab ich von meine Opa bekommen und in Italien restauriert. Das alles is sandgestrahlt da unten und so weiter. Und von diese Tag an hab ich nix mehr dran gemacht. Gut, die Sitze, die hab ich von de Sattler machen lassen, auch in Italien." Messina gefällt der Kontrast aus dem hellen Innenraum und der dunklen Lackierung besonders gut. Nach Deutschland kam er der Liebe wegen. Er lernte ein Mädchen kennen und reiste ihr spontan hinterher. Sie arbeitete bei Fichtel und Sachs, wo er später ebenfalls eine Arbeitsstelle fand.

Er richtet sich den Hut, eines seiner Markenzeichen, und fährt vergnügt fort: "Nur das Getriebe war mal kaputt, grad bei de Oldtimertreffen. Ach Gott, das war a Zieherei. Aber trotzdem bin ich bis zu Ende, bis zum Ziel gefahren." Stolz fügt er hinzu, dass er noch nie eine seiner Rallyes abgebrochen habe. Nur einmal hat ihn sein Sohn, der ihn als Zeitnehmer und Beifahrer begleitet, dazu gebracht, umzusatteln. "Aber als Gag hab ich auch das gemacht, hat Fabio gesagt: Papa, die rasen alle mit die Porsche wie die Narr'n, hab ich gesagt, pass auf, jetzt fahren wir mit'm Maserati, und dann zeigen wir es denen... Und das ham wir gemacht", beteuert der Südländer lachend. Er stammt aus Triest und gehört dort dem Fiat-Club als stellvertretender Vorsitzender an, ist halb Italiener und halb Grieche. Neben dem mittlerweile in Kennerkreisen schon bekannten luftgekühlten Fiat Topolino kann der Autoliebhaber auch einen Maserati Biturbo und eine Lambretta Innocenti E - ohne Sitzbank, aber mit zwei Ledersitzen - zu seinem Garagengold zählen.

Betrachtet man den Kleinwagen genau, so spiegelt sich die noch immer spürbare Verbundenheit mit Italien überall wider. Ein CD-Player ist versteckt unter dem weißen, funktionslosen Radio eingebaut, denn "wenn ich fahre, höre ich immer gern italienische Musik". Der bei ZF Sachs, der Nachfolgefirma von Fichtel und Sachs, bis zu seiner Verrentung 2013 im Verkauf tätige Messina ist auch immer wieder bei Gerichten in Schweinfurt, Bamberg und Würzburg als Dolmetscher eingesetzt. Er verstaut die CDs auf der winzigen Rücksitzbank. "Ja, da hab ich viel Spaß, ich hab schon so viele Leute kennengelernt - Wahnsinn. Von diese Auto heraus kann ich alles machen. Da fotografieren die, und ich mach a mal an Spaß, und die Leute lachen mit: ,Ah, die Mafia kommt' und lauter so Zeug, ne."

Von den zahlreichen Oldtimerrallyes hat Pietro Messina stets ein kleines Andenken mitgebracht: entweder zünftige Metallplaketten, die am Kühlergrill und über der Chromstoßstange des Topolino angebracht sind, oder Aufkleber, die auf dem Lederkoffer am Heck des Kleinwagens kleben. Der Koffer bezeugt, dass der Topolino vom Nordkap bis Sizilien schon einige hunderttausend Kilometer hinter sich gebracht hat. Doch wie viel genau? "Ah, ich weiß net. Ich fahre jeden Tag. Ich fahre viel, ja wirklich viel."

Neben den Weißwandreifen, den glänzenden Chromleisten ist auch die kleine Fahne am vorderen linken Kotflügel ein besonderer Blickfang. "Das ist die venezianische Flagge, von der Yacht. Messina hat diese Flagge aus Familienbesitz, sie war an einem Segelboot der Familie angebracht. Weil die italienische Flagge, die hat nur drei Farben, und hier in der Mitte ist San Marco. Das ist sehr schön", erklärt Messina. Für ihn hat sein Fiat eine ganz besondere Bedeutung erlangt. "Wenn ich in der Firma ein bisschen Stress gehabt habe, da bin ich ab nach Sommerach und nach Volkach, hab was gegessen, einen gute Wein, und dann wieder zurück."

Informationen zum Beitrag

Titel
Messinas kleiner Fiat wird bestaunt wie ein Ferrari
Autor
Franz Seibt
Schule
Bayernkolleg , Schweinfurt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2015, Nr. 3, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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