Jedes Mal ertönt ein Knallen des Pucks

Assistenztrainer und Sportmanager Duanne Moeser aus Kanada war früher selbst Eishockey-Profi und unterstützt jetzt die Augsburger Panther.

Hoffnungsvolle Erwartung liegt in der Luft des Curt-Frenzel-Stadions in Augsburg. Das Spiel der Augsburger Panther gegen die Grizzly Adams Wolfsburg beginnt in wenigen Minuten. Die Fans strömen in der Dämmerung ins Stadion, gekleidet in Trikots ihrer Mannschaft sowie Schals und Mützen mit dem Logo des Augsburger EV, wie die Mannschaft offiziell heißt. Insgesamt 3569 Zuschauer freuen sich auf das Spiel. Obwohl das Spielfeld noch leer ist, werden die Panther schon mit lauten Trommelschlägen angefeuert. Fans schreien im Takt "Hey, hey, hey". Auf den Bildschirmen über der Eisfläche läuft Werbung, die Lautsprecher beschallen jeden Winkel mit Chart-Hits und Rockmusik. Dann kündigt eine Männerstimme beide Mannschaften an. Zuerst erscheinen die Eishockey-Spieler aus Wolfsburg, die Rufe der Fans halten sich in Grenzen, da sie zahlenmäßig denen der Panther unterlegen sind. Als die Augsburger Spieler einfahren, hat man das Gefühl, das ganze Stadion jubelt. Mit ihnen tritt auch Duanne Moeser, der Sportmanager und Assistenztrainer der Augsburger Panther, ins Blickfeld. Die Spielerbank befindet sich neben dem Eis, ist durch die Bande abgegrenzt und in der Mitte geteilt, sodass sich auf der einen Seite die Heimmannschaft und auf der anderen die Gastmannschaft aufhalten kann. Zwei Türen führen für die Spieler von der Bank direkt auf das Eis. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die zweigeteilte Strafbank. In der Mitte sitzen der Zeitnehmer sowie der Stadionsprecher.

Während die Fans dicke Winterjacken tragen, hebt Moeser sich in seinem schwarzen Anzug deutlich ab. Die Spieler nehmen ihre Plätze ein, auf dem Feld und außerhalb. In einer Reihe stehen sie nebeneinander und stützen ihre Arme auf der Bande ab, um so das Spiel beobachten zu können und, falls sie eingewechselt werden, so schnell wie möglich die Eisfläche betreten zu können. Duanne Moeser steht direkt hinter ihnen, auf der Seite, die dem eigenen Tor nächstgelegen ist. So hat er einen guten Überblick über die Verteidiger, für die er als Assistenztrainer verantwortlich ist.

Das Spiel beginnt. Die Kufen der Schlittschuhe kratzen auf dem Eis, ein kleiner Knall ertönt jedes Mal, wenn ein Spieler den Puck mit dem Schläger passt, und ein lauterer, wenn ein Spieler den Gegner gegen die Bande checkt. In hohem Tempo schlittert der Puck über das Eis. Konzentriert beobachtet Moeser das Spiel und wendet sich nur ab, um etwas auf einem Block zu notieren oder um einem Spieler aufmunternd auf die Schulter zu klopfen. Durch die Entlassung des Cheftrainers wurde aus dem Assistenzcoach Greg Thomson der neue Coach, und Moeser bekam die Aufgaben des Assistenztrainers übertragen. Er entscheidet während des Spiels, wann ein Wechsel stattfindet und welcher Spieler für welche Situation am besten geeignet ist.

Der ehemalige Profi-Eishockey-Spieler ist viel unterwegs zwischen dem Stadion und seinem Büro, das auf der gegenüberliegenden Seite liegt. "Gott sei Dank ist das kein typischer Bürojob!", gibt der Vater von zwei Töchtern zu. "Jeder Bub in Deutschland spielt Fußball, sobald er laufen kann, und bei uns in Kanada ist es das Gleiche, nur eben mit Eishockey. Seit ich denken kann, habe ich immer nur Eishockey im Kopf gehabt und wollte Profi-Spieler werden", sagt der 51-jährige Kanadier. Sein Weg führte ihn erst nach New York, wo er an der Cornell University studierte und in der unteren Liga Eishockey spielte. Er merkte, dass seine Chancen, in eine höhere Liga zu kommen, in Kanada und den Vereinigten Staaten gering waren. 1987 erfuhr der damals 24-Jährige von einem freien Platz beim ERC Sonthofen im Landkreis Oberallgäu und sagte zu. Dort verbrachte er zwei Jahre, bis er eine Anfrage von den Augsburger Panthern erhielt.

Die Jahre danach war er außerdem für die Eisbären Berlin, die Kassel Huskies und den Starbulls Rosenheim tätig, bis er 1994 endgültig nach Augsburg kam. Er spielte für die Panther als Stürmer bis 2005, und durch sein Tor im letzten Vorrundenspiel gegen die Iserlohn Roosters erreichte der Augsburger EV die Play-offs. Nach seiner Profikarriere wurde er der Sportmanager der Panther und 2006 in die Hall of Fame des Eishockeymuseums in Augsburg aufgenommen.

Angekommen in Deutschland, nahm er damals Sprachunterricht. Der Dialekt im Oberallgäu erschwerte die Sache allerdings. Das "Augschburgerisch" verstand er leichter und versuchte, in jeder Situation Deutsch zu sprechen, auch mit seiner Frau, die er zu der Zeit kennenlernte. "Jeder Tag war ein Lerntag", sagt er. Ab und zu mischen sich dennoch ein paar englische Worte in seine Sätze.

Moesers typischer Arbeitstag als Sportmanager während der Saison beginnt im Stadion. Um 8.30 Uhr treffen die Spieler ein. "Ab da bin ich präsent und immer für die Jungs ansprechbar." Sobald das Training beginnt, erledigt er die anstehenden Dinge. Das kann ein Arzttermin oder ein Termin an der Schule eines Kindes von einem Spieler aus dem Ausland sein. Erst vor kurzem half er beim Ausfüllen der Unterlagen, als ein Kind in die Grundschule wechselte. Außerdem regelt er vor Auswärtsspielen Details mit den Hotels, kümmert sich um die Ausrüstung, das Essen und leitet die wöchentlichen Trainingspläne und die Nahrungsliste an die Nationale Anti-Doping Agentur weiter, damit diese weiß, wann sich ein Spieler wo befindet, egal ob beim Training, im Hotel oder bei einer Autogrammstunde, und Stichproben machen kann. Daneben versucht er neue Sponsoren zu finden und die bestehenden zu pflegen.

Als in der zwölften Spielminute Louie Caporusso ein Tor für den Augsburger EV schießt, feiert das Stadion. Duanne Moeser notiert hastig etwas. Das Gleiche geschieht beim zweiten Tor der Panther in der 18. Spielminute durch Spencer Machaceck, das zum 2:1 führt. Er notiert sich unter anderem die Einsätze der Spieler, wer die Vorlage für das Tor gegeben hat und wer sich Plus- oder Fehlerpunkte hat zukommen lassen. Als das erste Drittel endet, verschwindet der Sportmanager zur Beratung mit der Mannschaft in der Kabine. Die Eisfläche ist bis auf die Eisbearbeitungsmaschine, die ihre Runden dreht und das Eis glättet, leer. Als die Tore erneut aufgebaut werden, wird laut Musik gespielt. Die Zuschauer schmettern "Take me home, country roads" mit.

Saisonanfang und -ende sind eine besonders stressige Zeit. Der Manager muss sich dann um Arzttermine, medizinische und sportliche Tests, Besprechungen zwischen Trainer und Spieler kümmern und darum, dass alle Wohnungen und Autos der Spieler aus dem Ausland geputzt zurückgelassen werden und alle Flüge richtig gebucht wurden, denn jeder möchte so schnell wie möglich nach Hause kommen. "Alles muss auf einmal passieren, und das für 25 bis 26 Jungs!"

Bei Saisonanfang muss er dann die Abholung vom Flughafen organisieren, die Übergabe der Schlüssel zu den Wohnungen und die Bereitstellung der Ausrüstungen. Moeser versucht diese Sachen zu erledigen, damit "seine Jungs" sich nur auf den Sport konzentrieren können.

"Profisportler zu sein ist schon toll, aber leider ist Eishockey kein Sport, den man bis 70 spielen kann. Es war eine schöne Zeit, und ich bin einfach froh, dass ich diese Stelle bekommen habe. Ich bin immer noch nah dran."

In den letzten Minuten des Spiels halten alle den Atem an, als die Panther in Überzahl versuchen, den Rückstand von 2:3 noch zu ändern. Die Grizzly Adams Wolfsburg gewinnen mit 3:2. Als die Mannschaften sich die Hände schütteln, ist Moeser auf dem Weg in die Kabine.

Informationen zum Beitrag

Titel
Jedes Mal ertönt ein Knallen des Pucks
Autor
Lea Geßler
Schule
Justus-von-Liebig-Gymnasium , Neusäß
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2015, Nr. 21, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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