Egal, wie er ins Ziel kommt

Auf einer Wiese bereiten sich die 82 Hunde mit ihren Besitzern auf das große Ereignis vor. Vom kleinen, aufgeweckten Papillon bis zum majestätischen irischen Wolfshund sind die unterschiedlichsten Rassen beim Jederhundrennen des Windhund-Rennvereins Staufen im ostwürttembergischen Lorch anwesend. Auch die Herrchen unterscheiden sich deutlich. Da sind die Jugendlichen, die mit ihrem Chihuahua-Mix, Labrador oder Jack-Russell-Mix etwas erleben wollen, und Großeltern, die mit ihren Enkeln und dem Familienbello einen schönen Tag verbringen möchten. Aus ganz Süddeutschland sind sie in den Ostalbkreis gekommen.

So viele Besucher halten auch die Veranstalter auf Trab, vor allem die Rennleiterin Regine Bieker. Die 57-Jährige besitzt zwei Afghanen, die an vielen Rennen teilnehmen. "Für mich war es wichtig, einen Sport an der Luft auszuüben, und so bin ich seit 12 Jahren im Verein tätig." Auf Anfrage vieler Halter ohne Windhund hat sich der Verein entschieden, einmal im Jahr ein Jederhundrennen zu veranstalten, bei dem Hunde aller Rassen und Windhunde ohne Rennlizenz teilnehmen dürfen. Die Veranstalter teilen die Hunde in Größenklassen ein. Die Hunde, die eine Schulterhöhe unter 30 Zentimeter haben, laufen gegeneinander, die, die eine Schulterhöhe zwischen 30 und 50 Zentimeter haben, treten gegeneinander an, und die, die eine Schulterhöhe über 50 Zentimeter haben, laufen gegeneinander. Die Windhunde ohne Rennlizenz haben ihre eigene Gruppe, um die Fairness zu wahren. Windhunde mit Rennlizenz dürfen an dem Tag nicht rennen. Die Hunde müssen 100 Meter rennen, dann wird die Zeit gestoppt. Von zwei Läufen wird die bessere Zeit gewertet.

Beim Windhund-Rennen, das ebenfalls auf der Wiese nahe der Rems stattfindet, ist die Strecke eine 480 Meter lange Kreisbahn. Über diese ist ein Seil gespannt, an dem das sogenannte Hetzobjekt, meist ein Wildschweinfell, entlanggezogen wird. Um eine Lizenz zu bekommen, müssen die Windhunde eine Prüfung ablegen, bei der sie zeigen, dass sie dem Objekt folgen und den anderen Hunden nichts tun. Damit die Hunde in Form sind, geben die Besitzer ihnen Quark oder Joghurt und achten darauf, dass sie viel Sport machen.

Da beim Jederhundrennen keiner der Hunde eine derartige Lizenz besitzt, muss jeder Hund allein rennen. Auch sind nicht alle Hunde daran gewöhnt, dem Hetzobjekt zu folgen, deshalb ist es an diesem Rennen ganz egal, wie der Hund ins Ziel kommt. Da kann es ganz lustig zugehen. Eine Besitzerin zeigt ihrem Afghanen, der sonst nur an Schauläufen teilnimmt, eine Saitenwurst und läuft mit dieser zum Ziel - der Hund rennt in einer sogar recht guten Zeit hinterher. Die ganz cleveren Besitzer sind sogar zu zweit erschienen, so dass einer mit Hund am Startpunkt steht und der andere an der Ziellinie den Hund durch Zurufen, Hüpfen oder vorgetäuschtem Wegrennen dazu bringt, zu ihm zu kommen. Bei einem der widerwilligen Hunde entscheidet sich der Besitzer einfach dazu, den Hund anzuleinen und mit ihm über die Ziellinie zu rennen. Da kann es auch mal vorkommen, dass der Hund nach dem Startsignal in die falsche Richtung rennt und der Besitzer hinterher rennen darf. Auch Fehlstarts sind nicht selten, doch irgendwann schafft es jeder Hund ins Ziel. Dabei haben die Zuschauer Spaß, wie die Herrchen ihre Vierbeiner zum Laufen zu animieren versuchen. Für Kinder ist es ein Erlebnis, beim Schaulaufen einen der rund 200 Hunde, die auf dem Platz sind, zu streicheln. Stolz halten die Herrchen der Siegerhunde die Pokale in die Höhe, während sich die Hunde mit ihren Gummi-Quietsch-Tieren vergnügen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Egal, wie er ins Ziel kommt
Autor
Jana Gatselos
Schule
Rosenstein-Gymnasium , Heubach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2015, Nr. 21, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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