Ein ganzes Dorf im Zeichen des Sports

Die Fußballer kommen erschöpft zurück vom Spielfeld. Wieder einmal hat die Auswahl der "Siedlung Ost" die Disziplin Fußball des fünftägigen Dorfpokals gewonnen und wird von den Zuschauern ihres Bezirks bejubelt. Da kann die Freude über ein Tor in einem kleinen "Showact" enden, bei dem alle Spieler sich als Pins aufstellen und der Torschütze die Bowlingkugel spielen darf. "Damit haben wir keine Chance mehr auf die vier Punkte", sagt der 18-jährige Auszubildende Felix Hoppe, der dem Bezirk "Siedlung West" angehört. In jeder Disziplin kann ein Bezirk einen bis vier Punkte erreichen, die am Ende der Sportwoche das Ergebnis bilden. Danach wird der beste Bezirk mit dem Dorfpokal belohnt. Dieser Dorfpokal wird jährlich in dem kleinen Dorf Hilkenbrook, das im Emsland im nordwestlichen Niedersachsen liegt, verliehen.

"Das ist der sportliche Höhepunkt in Hilkenbrook", antwortet der 17-jährige Gymnasiast und Stürmer Johannes Schlangen auf die Frage, was denn das Besondere an dieser Sportwoche sei, während er sich mit den anderen Spielern im Trikot seines Bezirks am Getränkepavillon eine Erfrischung gönnt. Auch er hatte gerade einen Einsatz als Stürmer für den Bezirk Hauptstraße beim Fußballturnier, denn in einer kleinen Gemeinde mit etwa 850 Einwohnern wird jeder gebraucht. Das ist jedoch kein Problem, da der Hilkenbrooker Sportverein 450 Vereinsmitglieder hat, die außergewöhnlich engagiert sind. Einige Spieler jedoch sind nicht mehr aktiv im Fußball, und so müssen sich die Zuschauer vor dem einen oder anderen Ball in Acht nehmen.

An jedem der fünf Tage gibt es mehrere Dienstschichten im Getränkepavillon, der Pommesbude oder am Süßigkeitenstand. Jedes Jahr wird am letzten Abend ein Spanferkel gegrillt. "Meistens dauert es nicht lange, bis jeder Sportler und Zuschauer seine Portion bekommen hat, wobei nie etwas übrig bleibt", sagt der 54-jährige Wilfried Ahillen, der mit grillt. Die Stärkung haben alle nötig, denn die meisten sind am Dorfpokal beteiligt. Während die Gruppen des Fahrradquiz, bei dem unterwegs an verschiedenen Stationen Punkte beispielsweise durch das Erraten von BH-Größen erreicht werden können, gerade wieder angekommen sind, ist die nächste Disziplin schon vorbereitet: Zwei große Ballen sind fürs Strohballenwettrollen in Position gebracht. Die Aufgabe besteht darin, mit vier Personen einen Ballen einmal über den gesamten Platz zu rollen. "Diese Disziplin ist neu in diesem Jahr", sagt Inge Janßen, die vor zwei Stunden noch ihrem Sohn beim Fußballturnier zugesehen hat und im Getränkepavillon arbeitet. Hier hilft die 45-Jährige seit 30 Jahren, wobei sie immer an Disziplinen wie dem Fahrradquiz oder dem Völkerballspiel beteiligt ist.

In den Jahren zuvor wurde das Feuerwehrautoziehen ins Leben gerufen, bei dem eine Gruppe von zehn, fünf Männer und fünf Frauen, die Aufgabe hat, das Feuerwehrauto der örtlichen freiwilligen Feuerwehr zu ziehen. Vor Jahren gab es bei gutem Wetter eine sogenannte Wasserolympiade, bei der es galt, als Team mit einem durchlöcherten Eimer möglichst viel Wasser schnell durch einen Parcours zu befördern, wobei es so aussah, als wollten einige das Wasser in ihrer Kleidung befördern. Auch das Zielschießen im Schießstand ist nicht zu vergessen, hier zeigt sich, wer ein ruhiges Händchen besitzt. Problematisch wird es für die letzten Gruppen, da es sich nach einigen Runden Bier nicht mehr so leicht zielen lässt. Jedes Jahr überlegen sich die Hilkenbrooker neue Disziplinen, bei denen der Spaß im Vordergrund steht. Jedoch bleibt der sportliche Ehrgeiz der Teilnehmer nicht aus und sorgt jedes Jahr wieder für eine gesunde Rivalität zwischen den Bezirken. Hier steht jeder mitfiebernd am Platz und genießt die tolle Atmosphäre.

 

Informationen zum Beitrag

Titel
Ein ganzes Dorf im Zeichen des Sports
Autor
Christian Janßen
Schule
Albertus-Magnus-Gymnasium , Friesoythe
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.03.2015, Nr. 63, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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