Trommeln um die Wette

Es ist ein Fest, bei dem sich viele Vereine treffen, um Musik zu machen und Spaß zu haben", sagt der 17-jährige Kevin Brand-Sassen, der im Musikverein Strücklingen Trompete spielt. Die Flötistin Celina Weßels des Spielmannszugs Bollingen fügt hinzu: "Das Kreismusikfest ist ein Wettstreit, bei dem Vereine gegeneinander antreten. Das Fest im Landkreis Cloppenburg findet jedes Jahr im Norden Niedersachsens an Christi Himmelfahrt in unterschiedlichen Orten statt und steckt viele Musikvereine, Spielmannszüge und Big Bands aus dem Umfeld mit dem Wettkampffieber an.

Alle teilnehmenden Musikvereine treffen sich vor dem Festzelt. "Die Vereine starten an unterschiedlichen Orten und marschieren in Form eines Sterns zum Festplatz, bevor alle begrüßt werden", erklärt Lisa Tellmann, die im Blasorchester Sedelsberg Trompete spielt. Alle Vereine zeigen nacheinander den drei Wertungsrichtern ihr Können. "Nachdem alles aufgebaut ist, spielt man sich ein, stimmt die einzelnen Instrumente und spielt danach vor den Wertungsrichtern", erklärt die 17-jährige Celina. Diese Wertungsrichter gehören einem Musikverband an und beherrschen ein Instrument nahezu perfekt.

Bis alle Vereine vorgespielt haben, kann man sich etwas zu trinken oder zu essen an einigen Buden kaufen und dem Orchester zuhören, das im Festzelt musiziert. Am Abend werden die Plazierungen bekanntgegeben und die Pokale verliehen. "Jeder Verein des Landkreises kann teilnehmen, er muss sich nur früh genug anmelden", erklärt Lisa. Jedes Orchester stellt sich individuell auf den anspruchsvollen Wettkampf ein. "Wir bereiten uns ab Anfang des Jahres mit wöchentlichen Proben und gelegentlichen Übungswochenenden auf den Wettkampf vor", erzählt Kevin Brand-Sassen.

Nach monatelangen Proben werden am Festtagmorgen alle Instrumente und Musiker mit einem Bus zum Ausrichtungsort gebracht. "Tatsächlich hat ein Orchester schon mal sein Schlagzeug zu Hause gelassen und bei den Mitgliedern brach Panik aus", berichtet Lisa. In solchen Situationen ist vom Konkurrenzkampf nichts zu spüren, und es wird jedem ausgeholfen. Die vorbereiteten Wertungsstücke sind in unterschiedliche Kategorien eingeordnet und somit unterschiedlich schwer. Im späteren Bewertungsbogen steht die Prozentzahl, die man erreicht hat.

Nach dem Vorspielen aller Stücke fiebern die Mitglieder des Vereins auf die Preisverleihung hin. Während der Bekanntgabe spürt man die Spannung, die bei allen herrscht. "Wir sind ganz aufgeregt, und sobald wir unsere Plazierung bekommen haben, fangen alle an zu jubeln und zu klatschen", schwärmt Celina. Es kommt aber nicht nur auf die Plazierung an. Den meisten Teilnehmern ist die erreichte Prozentzahl ebenso wichtig. Kevin erklärt: "Eigentlich wird immer gefeiert, klar ist man traurig, wenn man hinten landet, weil man schließlich auf eine gute Plazierung hinarbeitet, aber letztendlich kann man sich immer freuen."

Die meisten Vereine nehmen schon jahrelang an diesem Wettstreit teil und können etliche Pokale vorweisen. "Wir machen jedes Jahr wieder mit, um zu sehen, ob wir uns steigern, und wir haben alle jedes Jahr wieder viel Spaß, auch mit den Mitgliedern der anderen Vereine", erzählt die 18-jährige Lisa.

Natürlich sind die musikalischen Fähigkeiten bei der After-Show-Party noch mal kräftig durch Singen und Tanzen auf der Bühne gefordert. Schlussendlich ist das Fest ein tolles Erlebnis für Musikfreunde. Die ehrgeizige Celina fügt begeistert hinzu: "Ich freue mich schon auf das nächste Kreismusikfest und kann es kaum erwarten, mich wieder mit anderen zu messen."

Informationen zum Beitrag

Titel
Trommeln um die Wette
Autor
Jessica Tellmann
Schule
Albertus-Magnus-Gymnasium , Friesoythe
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.05.2015, Nr. 102, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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