Fototermin mit Schlange Odin

Alex Hubers Wohnung in Ehrenburg im Südtiroler Pustertal ist hell und freundlich, trotz der unzähligen Totenköpfe, die überall zu finden sind. "Die meisten Leute haben ein völlig falsches Bild von Schlangen, Spinnen und Insekten, sie denken, diese Tiere gehören in die Wildnis oder sind aggressive Killer", sagt Huber. Das sei völlig falsch. "Sie beißen und greifen nicht an, wenn sie sich nicht bedroht fühlen. Tigerpythons bauen sogar eine Bindung zu ihrem Besitzer auf, die weit über die bloße Ansicht als Fütterer hinausgeht. Sie rennen einem ständig geradezu hinterher. Wartet kurz, ich zeig es euch." Huber geht ins Nebenzimmer und kommt mit einer drei Meter langen Schlange zurück. Sie windet sich um seinen Körper. Er erklärt, dass die Schlange Odin heißt, denn alle seine Reptilien haben Namen aus dem nordischen Sagenkreis. Odin sei besonders anhänglich. Er würde mit ihm abends auf dem Sofa sitzen und dann mit ihm einschlafen.

Odin schlängelt sich durch die Wohnung und versucht, sich auf die Fotoapparaturen hinaufzuwinden. Alex nimmt ihn herunter mit den Worten "Aus Odin!". Huber weiß zwar, dass Schlangen eigentlich nichts hören, aber es komme ihm trotzdem manchmal so vor, als würden sie auf ihn hören. Fotografieren ist eine weitere Leidenschaft des Hotelsekretärs. Irgendwann kam er auf die Idee, beide Hobbys miteinander zu verbinden. Seitdem bietet er Interessierten Fotos zusammen mit seinen Lieblingen an. Natürlich sucht er nur die ruhigsten und geeigneten Tiere gewissenhaft aus und gewöhnt vor dem Shooting Mensch und Tier aneinander. Die Sicherheit von beiden sei ihm das Wichtigste, erklärt er. Zurzeit sind solche Fotos besonders gefragt. Sowohl für Profimodels als auch für normale Mädchen. "Oft wollen sie ihrem Freund ein besonders Geschenk bereiten", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu. Einige seiner Fotos hängen in seiner Wohnung. "Besonders wichtig ist dabei, die Tiere gut zu kennen und all ihre Bewegungen genau vorhersagen zu können. Einmal hat Odin sein Maul ganz weit aufgerissen, und das Model ist zu Tode erschrocken. Dabei wollte er nur Gähnen", erzählt Huber grinsend.

Aber der vierzigjährige Südtiroler besitzt nicht nur Schlangen und Spinnen. Er hat auch andere Reptilien. Alle Tiere hält er in separaten Räumen. Sonst sei es schwierig, eine Freundin zu finden, erklärt er fast wehmütig, denn "wenn sie sofort alle Tiere erblicken, rennen sie schreiend davon - obwohl Frauen generell mutiger sind als Männer", fügt er hinzu. Diese spielten zuerst die großen Helden, aber kaum nehme er eines seiner Tiere heraus, seien sie die Ersten, die den Raum verlassen. "Ich habe zum Beispiel Angst vor Bienen wegen meiner Allergie, was nun auch nicht ganz zu meinem Image passt", gibt er zu.

Mit 19 Jahren, als er noch im Hotel seiner Eltern lebte, entschloss er sich, Spinnen in seine Wohnung zu holen. Seine Eltern hatten gemischte Gefühle gegenüber diesen besonderen Haustieren. Die Tiere sind aber nicht nur als Haustiere gedacht, sondern dienen auch einem kommerziellen Zweck. In sogenannten Börsen bringt er die Tiere an Mann und Frau. Dafür reist er durchs ganze Land. Bei solchen Gelegenheiten tauscht er sich mit anderen aus und führt Fachgespräche. "Das wundervolle an solchen Treffen ist, dass alle Menschen gleich viel zählen. Egal ob Student oder Anwalt im Anzug, jeder steht auf derselben Stufe und wird gleich behandelt. Manchmal sprechen mich die Leute mit Sie an. Als ob ich so aussehen würde wie einer, der mit Sie angesprochen werden will." Dabei zeigt er auf seine nackten Füße, die Shorts und das schwarze T-Shirt. So sehe er immer aus und würde sich auch sicher nicht ändern.

Zurzeit setzen er mit anderen Spinnenzüchtern sich für ein ganz besonderes Projekt ein. Aufgrund des Tsunamis in Thailand sind viele Spinnen gestorben, und man befürchtet das Verschwinden ganzer Arten. Dieses Projekt soll das verhindern, indem junge Spinnen, die ursprünglich aus dem überschwemmten Gebiet stammen, nach Thailand geschickt und dort ausgesetzt werden.

Informationen zum Beitrag

Titel
Fototermin mit Schlange Odin
Autor
Valentina Cosi
Schule
Bischöfliches Institut Vinzentinum , Brixen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2015, Nr. 108, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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