Choreographie des Maishäckselns

Sechs Tage die Woche, 16 Stunden am Tag sind da normal", erklärt Landmaschinenführer Josef Lüken, als er über die Maisernte spricht. Der 45-Jährige arbeitet bei einem Lohnunternehmen im kleinen Ort Markhausen bei Friesoythe im Landkreis Cloppenburg. "Wenn's doof läuft, muss man auch mal Sonntag ans Werk." "Das kann schon mal stressig werden", bestätigt Norbert Hüls, der Lohnunternehmer, "aber das ist ja auch die saisonale Arbeitsspitze."

Norbert Hüls ist landwirtschaftlicher Meister und hatte schon immer viel Freude an der Arbeit mit Maschinen. Sein Vater hat vor vielen Jahren begonnen, Aufträge von Bauern anzunehmen und für sie zu pflügen, zu säen oder zu häckseln. Der 42-Jährige hat das übernommen und ist nun als Lohnunternehmer tätig. Er hat drei Festangestellte, Josef Lüken ist einer davon. Für die anstrengende Maisernte oder die Getreideernte im Juli und August kommen kompetente Aushilfen hinzu, die jedes Jahr für acht bis neun Wochen mitarbeiten. "Es ist schwierig, gute Leute zu finden", seufzt Hüls, "viele stellen sich die Ernte wie im Bilderbuch vor. Aber wenn es schwierige Situationen gibt, muss man sich auf seine Leute verlassen können."

"Bei einem defekten Maishäcksler muss man schon mal Überstunden in Kauf nehmen, sonst ist das ganze Lohnunternehmen lahmgelegt", stimmt Josef Lüken zu. Das Bedienen der riesigen Maschinen fordert ein hohes Maß an Koordination, Präzision und auch Ausdauer. Lüken erklärt: "Bei der Maisernte häckselt ein Fahrer die Pflanzen, ein weiterer Fahrer muss mit einem Schlepper direkt neben dem Häcksler her fahren, um den zerschnittenen Mais aufzufangen. Ist der Anhänger voll, wird er zum entsprechenden landwirtschaftlichen Hof gefahren, dort wird er abgeladen, angewalzt, um ihn zu verdichten, und schließlich mit einer Plane abgedeckt. Nachdem der Mais vier Wochen gegoren ist, wird er als Viehfutter verwendet oder in einer Biogasanlage verwertet. Eine gute Häckselqualität äußert sich dadurch, dass jedes einzelne Korn zerrieben ist. Dies ist wichtig, damit eine hohe Verdaulichkeit erreicht wird."

Hüls sagt: "Wenn man sich schon länger kennt und miteinander arbeitet, dann geht auch alles viel schneller und macht mehr Spaß." Lüken lacht: "Letztens hat meine Frau gesagt, es sähe aus wie ein Tanz, wenn wir fahren, weil alles genau aufeinander abgestimmt ist. Wir sind halt ein eingespieltes Team." Norbert Hüls' Freundin Bettina lacht: "Auch ich spiele mich langsam ein." Sie hat ebenfalls einen Trecker-Führerschein gemacht und hilft im Lohnunternehmen mit. "Als einzige Frau habe ich hier einen Sonderstatus. Aber es macht mir Spaß", erklärt die 38-Jährige.

Auf die Frage, was denn die Sonnenseite an der Maisernte ist, antwortet Lüken mit einem breiten Grinsen: "Das Essen bei den Bauern, wo wir gerade arbeiten: Jeden Tag wie ein Hochzeitsessen, da wird immer nur das Beste aufgetischt." Viele dächten, dass das Familienleben durch so einen Beruf stark eingeschränkt sei, doch das stimme so nicht. Vor allem im Winter hat der Landmaschinenführer mehr Zeit für seine Familie, da nur die Maschinen repariert und gereinigt werden müssen. "Wir verreisen jedes Jahr im Januar oder Februar, auch zu Weihnachten habe ich immer Zeit für meine Familie", schwärmt er. Sein jüngster Sohn begeistert sich ebenfalls für die großen Maschinen und möchte am liebsten immer mitfahren. Seine zwei Geschwister wollen dagegen im Sommer ins Zeltlager oder mit ihren Freunden losziehen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Choreographie des Maishäckselns
Autor
Maike Lüken
Schule
Albertus-Magnus-Gymnasium , Friesoythe
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2015, Nr. 124, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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