Mit 200 Kilo auf der Brust muss die Kraft sofort kommen

Bankdrücken kann man mit dem Rauchen vergleichen: Wenn ich eine Zeit nicht trainieren war, dann bin ich schlecht drauf. Es fehlt einfach etwas", sagt Daniel Härter. Wenn man den 20-Jährigen zum ersten Mal sieht, lässt seine stämmige Figur schon erahnen, in welche Richtung sein Hobby geht, doch dass der gebürtige Würzburger vor nicht allzu langer Zeit einmal als Bankkaufmann gearbeitet hat, bevor er 2014 auf dem Bayernkolleg Schweinfurt den zweiten Bildungsweg einschlug, wirkt leicht verwirrend. "Ich hab mir Kleidung von der Stange gekauft, die hat aber nicht gepasst, deshalb musste ich sie anpassen lassen", sagt er.

Schon früh ist Daniel Härter mit dem Gewichtheben in Kontakt gekommen. "Ich war damals 14 Jahre alt, ganz frisch im Fitnessstudio angemeldet und habe mich sofort ins Bankdrücken verguckt, es war Liebe auf den ersten Blick." Angefangen hat er mit dem Kraftdreikampf, dem sogenannten Powerlifting. Bestandteil davon sind Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben. "Reißen und Stoßen beim Gewichtheben haben mich nicht so gereizt, deshalb habe ich mich auf das Bankdrücken konzentriert." Beim Bankdrücken begibt sich der Sportler auf einer Flachbank in Rückenlage und stemmt oder drückt nach Ablassen einer Langhantelstange diese wieder nach oben, um sie schließlich in einer Halterung abzulegen. Die Füße bleiben dabei fest auf dem Boden. Angeworben wurde Härter von "Pumpin' Piet", Peter Arlt, seinem jetzigen Trainer, der Besitzer eines Fitness-Studios in Würzburg und Vorsitzender des "Schwinger-Clubs Würzburg" ist.

Härters Verein ist im Bundesverband der Kraftdreikämpfer Deutschland. Eingeteilt werden die Sportler nach Geschlecht, Alter, Gewicht und Einsatz oder Verzicht auf Hilfsmittel. Härter gehört zu den Junioren, der Klasse bis 23 Jahren, und ist 1,72 Meter groß, nicht gerade ein Plus in der Konkurrenz. "Im Vorteil sind oft die Großen, denn deren lange Muskeln sind eigentlich immer stärker als kurze", erklärt er, der in der Junioren-Klasse bis 105 Kilogramm zu Hause ist. "Es gibt auch junge Frauen, denen man nicht ansieht, dass sie 50 bis 70 Kilo drücken." Vorbild für den aufstrebenden Bankdrücker ist der ehemalige Olympiateilnehmer und Gewichtheber Hans-Otto Wöhrle. "Der war einfach ein Gigant, den kennt jeder, der was mit Kraftsport zu tun hat."

Seinen Eltern gefalle das überhaupt nicht, aber sein Opa unterstütze ihn, sagt er. Der begleitet ihn zu den Wettkämpfen. "Wir haben daheim eine kleine Hobbygarage, da ist alles drin, was ich zum Training brauche." Sein Hausarzt sei allerdings nicht begeistert über seine geliebte Sportart. "Der Blutdruck ist natürlich ziemlich hoch beim Gewichtestemmen. Da hab ich schon 'ne ordentliche Birne dranhängen, das schnürt dann alles ab. Da kann es auch schon einmal sein, dass man aus der Nase blutet." Verletzungen hatte er noch keine. "Ich höre auf meinen Körper, und wenn es mir nicht gutgeht, sag ich mir: heute mal nicht."

Daniel Härter, der Deutscher Meister seines Verbands in der Junioren-Klasse ist, bereitet sich mit Freuden auf die Weltmeisterschaft in Schweden vor. "An einem Trainingstag können da schon einmal 10 bis 15 Tonnen Gewicht bewegt werden, natürlich in mehreren Wiederholungen. Mein Rekord liegt beim Training bei 238 Kilogramm, doch ich will auf jeden Fall den deutschlandweiten Rekord mit 252 Kilo knacken", berichtet er. "Technik ist dabei sehr wichtig, die macht mehr als 50 Prozent aus. Wenn ich 200 Kilo auf der Brust liegen hab, kann ich nicht langsam schieben, da muss die Kraft sofort kommen." Wie schafft man es, so viel Kraft aufzubringen? "Es gibt diverse Hilfsmittel, wie Bandagen oder ein Hemd aus robustem Stoff zum Stützen."

Das Thema Doping ist nach Skandalen in anderen Sportarten ein wichtiges Thema. "Ich denke, dass keiner, den ich kenne, gedopt ist, aber manchmal wundert man sich schon, wow, wie funktioniert es, dass der so viel heben kann?" Bei Stichproben hat er schon Kontakt mit der Doping-Kontrolle NADA gemacht. "Das war schon komisch. Da steht eine Frau neben einem in der Toilette und guckt einem auf den Pillermann, denn die müssen ja kontrollieren, dass es der eigene Urin ist."

Informationen zum Beitrag

Titel
Mit 200 Kilo auf der Brust muss die Kraft sofort kommen
Autor
Felix Hauck
Schule
Bayernkolleg , Schweinfurt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2015, Nr. 147, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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