Kaktusfeigen vom Kap

Auf den ersten Blick scheint die Landschaft kaum fruchtbar. Die Vegetation ist spärlich, besteht aus Sträuchern und Sukkulenten. Doch nach den ersten Regenfällen Anfang August verwandelt sie sich in ein buntes Blütenmeer. Viele Pflanzen gedeihen, die einen Weg gefunden haben, das Wasser zu speichern. Es ist die Liebe zur Natur, die Fritz Rabe, den Besitzer der Tanqua Karoo Natural Produce vor mehr als 40 Jahren in den gleichnamigen Nationalpark in der Provinz Northern Cape, 250 Kilometer nordöstlich von Kapstadt, geführt hat.

Rabe ist von großer Statur, hat seine langen, braunen Haare zu einem Dutt zusammengebunden und trägt ein Polohemd. Der ledige 52-Jährige kam im Tal von Constantia auf einer kleinen Farm zur Welt. Bereits seine Eltern bauten Gemüse und Früchte an. Rabe studierte Agrikultur an der Hochschule von Grootfontein in Middleburgh in der Provinz Eastern Cape. Dann gründete er ein Unternehmen, das Gärten gestaltet. "Mein Traum war es schon immer, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten und auf seiner Farm biologische Produkte anzubauen." Deshalb reiste er viel, um Erfahrungen zu sammeln. Besonders fasziniert war er von Japan, Ägypten und Marokko, die teils noch Landwirtschaft auf traditionelle Weise betreiben.

Es war sein Ziel, Produkte des Tanqua Karoo direkt zu vermarkten, um lange Distributionswege zu vermeiden. So könnten sowohl die Frische der Produkte als auch eine gerechte Entlohnung der Farmer garantiert werden. Die Ware wird wöchentlich direkt von den Farmen in Supermärkte und kleine lokale Geschäfte geliefert. Rabes Unternehmen produziert gegenwärtig kleine Mengen eigener Produkte und vertreibt mehr als 190 Produkte von lokalen Produzenten des Tanqua Karoo. Alles wird von Hand angepflanzt, geerntet und sortiert. Die Bauern arbeiten nach dem Prinzip der Biodiversität, verwenden keine Düngemittel. "Oberste Priorität für den Anbau von natürlichen Produkten hat für uns die Beobachtung der Natur, um unsere Produktion in gegebene Naturzyklen einzufügen, statt gegen diese zu wirken." Diese Zyklen werden weder manipuliert, noch wird eine maximale Produktion angestrebt. "Arbeite mit dem Land, anstatt auf ihm. Der Bauer muss dabei sich selbst treu bleiben", sagt Rabe. Die Produkte werden auf altbewährte Weise und ohne Zusatzstoffe weiterverarbeitet und von Hand etikettiert. Aus Datteln, Nüssen, Kaktusfeigen, Zitronen, Orangen, Quitten, Grünkohl, Schweizer Mangold, roter Bete, Süßkartoffeln, Tomaten und Granatäpfeln werden Säfte, Konfitüren, Trockenfrüchte und Süßigkeiten hergestellt. Dazu wird das schadstofffreie Wasser der Flüsse Ongeluks und Doring verwendet. Es kommen weder Insektizide noch chemische Dünger zur Anwendung. Die Farmen werden von Rabe regelmäßig besucht und überprüft. Dafür legt er wöchentlich bis zu 2500 Kilometer auf teils ungeteerten Straßen zurück. "Ich versuche meinen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten und habe mir deswegen ein Fahrzeug mit einem Zero-Emission-Motor zugelegt."

Auch die Arbeitsverhältnisse auf der Farm gestalten sich nicht immer einfach. "Ein großes Problem ist oft der erhöhte Alkoholkonsum der Arbeiter. Kaum erhalten diese ihren Lohn, kaufen sie sich damit Alkohol." So musste er ein striktes Alkoholverbot aussprechen. Um die Arbeitslosigkeit zu verringern, versucht er so viele Farmarbeiter wie möglich auszubilden. "Lokale Angestellte bringen oft viel Wissen mit, was den Pflanzenanbau oder die Zucht der Esel auf unserer Farm anbelangt, somit ist es eine Win-win-Situation für alle Beteiligten."

Biologische Produkte werden in Südafrika immer beliebter. Rabe spricht von einem regelrechten Hype, der viele Produzenten dazu verleite, Produkte falsch zu deklarieren - zum Schaden der Branche. "Es mangelt oft an regelmäßigen Kontrollen", klagt der Farmer.

Informationen zum Beitrag

Titel
Kaktusfeigen vom Kap
Autor
Vivienne Koch
Schule
Kantonsschule Zürcher Oberland , Wetzikon
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2015, Nr. 183, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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