Die Rennen in Südafrika sind "einfach Hammer"

Bei einem Rennen musst du Selbstsicherheit haben. Du brauchst die Bereitschaft zu leiden und den Glauben, gegen andere zu bestehen." Der 26-jährige Spitzensportler Konny Looser gehört weltweit zu den besten Marathon-Mountainbikefahrern. Der sympathische Zürcher mit den braungebrannten Armen hat seine Leidenschaft schon früh entdeckt. Im Alter von zehn Jahren bekam er sein erstes Fahrrad, mit dem er während einer zehntägigen Tour mit der Familie um den Bodensee fuhr.

Seine Karriere begann er mit Crosscountry-Rennen; das sind Rundrennen im Gelände, die etwa eine Stunde dauern. Heute fährt er fast ausschließlich mehrtägige Etappenrennen, denn da liegt, wie er bemerkt, sein wahres Talent. "Stark in Etappenrennen bin ich, weil ich mich schnell erhole. Ein guter Ausdauersportler ist, wer auch am letzten Renntag noch Leistung bringen kann."

Es ist 6.30 Uhr. Konny Looser sitzt in seinem blauen Kapuzenpulli beim Frühstück. Er isst Eier und Müsli. Seine Ernährung ist wichtig, darum investiert er viel Zeit ins Kochen. An eine strikte Diät hält er sich nicht. Jedoch achtet er darauf, sich gesund zu ernähren. Nahrungsergänzungsmittel nimmt er keine, bis auf Proteinshakes, die er nach dem Training oder einem Rennen konsumiert. Um 8.30 Uhr geht es ans Training, an jedem Tag drei bis sechs Stunden, je nachdem, ob er ein Ausdauer- oder Intervalltraining absolviert. "Das Intervalltraining ist, was dich schneller macht. Aber es hat es in sich ..." Es besteht beispielsweise darin, 30 Minuten einzufahren, viermal 15 Minuten bei größerer Belastung in die Pedale zu treten und zwischendurch 15 Sekunden Vollgas zu geben, bei 1200 Watt. Je nach Jahreszeit und Begebenheit der Rennen werden die Intervallmethoden angepasst.

Bei körperlicher Anstrengung bildet sich Laktat. Dieses wird immerzu abgebaut. Aber wenn man zu schnell fährt, kann der Körper das Laktat nicht mehr abbauen. Die Muskeln beginnen zu brennen. "Nach zwei Stunden Intervalltraining bin ich blau", sagt Konny Looser und lacht. Mit "blau" meint er kaputt. Dann gibt es Mittagessen. Das besteht häufig aus Reis oder Kartoffeln, Hauptsache basisch. Nach dem Mittagessen macht er einen 40-minütigen Powernap. Danach widmet er sich den Büroarbeiten; er beantwortet E-Mails, plant anstehende Reisen und wertet sein Training aus. Dies tut er häufig über Skype mit seinem Trainer. Mit ihm bespricht er seinen Trainingsfortschritt. "Das ist wie eine Leitplanke. Durch meinen Trainer, den ich seit 2013 habe, trainiere ich anders. Mit dem Intervalltraining habe ich wegen ihm begonnen. Darum war ich auch topfit fürs Cape Epic, eines der wichtigsten Etappenrennen in Afrika." Nach den administrativen Arbeiten geht er einkaufen, macht Übungen mit der Blackroll, einer Massagerolle, oder er kocht. Zum Abendessen meistens Salat, gerne vielfältig mit bis zu 13 Zutaten.

Abends schaut er sich Filme an oder trifft sich mit Freunden. Das soziale Netzwerk ist wichtig, sowohl freundschaftliche als auch berufliche Kontakte: "Wenn man professionell Mountainbike fahren will, braucht man ein Team." Seit drei Jahren fährt Konny Looser beim Schweizer Wheeler-iXS Pro Team. Dieses gibt ihm einen Rennkalender von ungefähr zehn Rennen im Jahr vor. Es sind aber nicht alle Rennen gleich wichtig. "Man sucht sich dann so drei, vier Höhepunkte aus, wo man in Topform sein will." Außerdem fährt er gerne in Südafrika. "Die Rennen dort unten sind einfach Hammer. Es ist immer sehr spannend. Zum Beispiel gibt es oft Defekte wegen dem Untergrund, auf dem wir fahren, und man hilft sich gegenseitig. Sonne, Felsen, Hitze, Dornen: das ist halt einfach Biken dort unten." Das ist auch einer der Gründe, warum Looser zeitweise in Südafrika lebt. "Die Stimmung ist abends super, die Leute echt nett und - ich habe Erfolg."

Aber das Profileben hat auch seine Nachteile. "Spitzensport ist hart. Das will nicht jeder, das kann nicht jeder. Darum ist auch nicht jeder Profi. Das vergessen die Leute oft." Am schlimmsten sei es, wenn der Körper streikt. "Ich bin den ganzen Tag beschäftigt mit Fragen wie: Wie geht es meinen Beinen? Habe ich genug trainiert?" Das ist aber nicht alles. "Man denkt immer nur an die Beine, aber der Kopf ist eigentlich wichtiger: Ist der Kopf nicht bereit zu leiden, geht gar nichts. Die mentale Belastung darf man nicht unterschätzen. Manchmal habe ich nicht mal mehr Lust, die Trinkflasche aufzufüllen, einfach, weil ich das schon 10 000 Mal gemacht habe." Nicht besser ist es, wenn es wunderschönes Wetter ist vor einem großen Rennen. Dann würde er gerne rausgehen und trainieren, die Sonne genießen. Aber das geht nicht. "Ich hocke dann den ganzen Tag in meinem Hotelzimmer und bereite mich mental auf das Rennen vor."

Wie es in Zukunft weitergeht, ist unsicher. In Südafrika fährt er gegen neue Gegner - immer eine neue Herausforderung. Er könnte auch verunfallen oder der Körper nicht mehr mitmachen. Looser könnte sich dann vorstellen, als Journalist oder Sporttrainer zu arbeiten. "Ich schreibe gerne, und ich möchte andere Leute motivieren." Denn mit der Motivation ist das so eine Sache. Frustrierend ist es, wenn er gegen Gegner fährt, die nicht sauber sind: "Wenn du gegen solche Leute fährst, und sie fahren dir um die Ohren. Das geht nicht mit rechten Dingen zu." Doping-Kontrollen werden seiner Meinung nach zu wenig durchgeführt oder falsch angesetzt. "Das raubt jemandem, der ehrlich und sauber fährt, einfach die Motivation."

Aber das seien halt die Probleme, die Spitzensport mit sich bringe. Looser nimmt das in Kauf. Die schönsten Momente sind, wenn er seine Leistung abrufen kann, wenn das Körpergefühl stimmt und er weiß: "Jetzt habe ich es geschafft! So ist das eben. Man kann nicht alles kontrollieren. Manchmal wartest du einfach auf deinen Moment. Und wenn der da ist, dann lohnt sich plötzlich alles."

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Rennen in Südafrika sind "einfach Hammer"
Autor
Jil Leuthold
Schule
Kantonsschule Zürcher Oberland , Wetzikon
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2015, Nr. 207, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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