Plötzlich riss die Kette

Mit rund 500 Mitgliedern ist der Paddelclub einer der größten Vereine im Kanuverband Baden-Württemberg. Nicht zuletzt durch den Auftritt bei "Wetten, dass . . ?" vor drei Jahren ist der PC Illingen hochangesehen. Und die Medienpräsenz ist immer noch groß. Maximilian Krensel, einer von 60 Sportlern des Paddelteams, stellte den Club vor den Kameras vor und war Anführer der Bootskette. Das Ziel der Wette war es, sich im Kajak immer wieder mit dem Kopf unter Wasser zu drehen, während zehn Kinder in nur drei Minuten über die Kajaks balancieren mussten. Am Ende der Kette wurden die Kinder dann von der Komikerin Cindy aus Marzahn empfangen. Diese Wettaufgabe war besonders schwierig, da das Timing der sogenannten Roller und Läufer perfekt aufeinander abgestimmt sein musste. Doch die Wette wäre ja lange nicht so spannend gewesen, wenn alles glattgelaufen wäre. Denn das Seil, das die Bootskette zusammenhielt, riss plötzlich vorne ab. Sofort sprangen Helfer ins Becken, um die Bootskette mit eigenen Händen zu halten. Der Paddelclub gewann die Wette und wurde vom Publikum zum Wettkönig gewählt.

Die ZDF-Redaktion fragte den PCI im Juni dieses Jahres, ob sie nicht Lust hätten, bei der Sendung "ZDF-Fernsehgarten" ihre Wette zu wiederholen. Trotz der Kurzfristigkeit nahm der PCI das Angebot gerne an. Ein Problem jedoch war, dass viele Kinder, die damals bei der Wette über die Boote liefen, heute zu schwer dafür sind. Zwei Mädchen dürfen aber nun zum zweiten Mal ihr Glück versuchen. Eine weitere Schwierigkeit war die Tiefe des Wasserbeckens. Im Vergleich zu den früheren vier Metern waren es in Mainz nur 90 Zentimeter. "Durch die Auftritte und die damit verbundenen Trainingseinheiten wächst man als Team enorm zusammen", sagten die zwei Läuferinnen, Maya Kowa und Teresa Schlegl.

"Mittlerweile ist der Paddelclub Illingen für fast jeden Verein in Deutschland ein Begriff", sagt Maximilian Krensel stolz. Der 18-jährige Schüler ist seit zwölf Mitglied und heute Jugendwart. Mit seinen Locken und der lässigen Kette wirkt er wie ein Surferjunge und ist mindestens dreimal die Woche im Club.

Das Paddlerfest findet alle zwei Jahre auf dem idyllischen Gelände des Vereins mitten in den Rheinauen statt. Höhepunkt ist das dreitägige Kanadierrennen mit 60 Mannschaften. In einem Kanadier finden sieben Paddler Platz. Gepaddelt wird eine mehrere hundert Meter lange Strecke, die auf der Hälfte mit einer 180-Grad-Wende verschärft ist.

Daneben gibt es in Illingen eine Gruppe mit 25 Freestylern. Zwei davon nehmen an Meisterschaften teil. Das Besondere am Kanu-Freestyle ist, dass der Paddler in einem extrem kleinen Boot, meist unter zwei Meter, versucht, in einer Welle Tricks, sogenannte Moves, auszuführen. Der Königs-Move, der Loop, ist eine Art Salto im Boot über der Welle. Diese Art des Paddelns erfordert hartes Training.

Ein weiterer Höhepunkt im Jahr der Paddler ist die einwöchige Wildwasser-Tour. In diesem Jahr waren die 20 Paddlern in Slowenien, um auf der Soca und ihren Nebenflüssen zu paddeln, bei traumhaftem Alpen-Panorama und eiskaltem Gebirgswasser. "Paddeln gilt als eine der ungefährlichsten Sportarten, hingegen zählt das Wildwasserpaddeln zu den gefährlichsten Sportarten überhaupt", sagt Maximilian Krensel. Deshalb sind die Sicherheitsausrüstung und das Einschätzen des eigenen Könnens wichtig, eine Jugendgruppe trainiert dafür auf dem Goldkanal in Elchesheim-Illingen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Plötzlich riss die Kette
Autor
Amelie Schlager
Schule
Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium , Durmersheim
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2015, Nr. 207, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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