Achtung, Panne im Loppertunnel

Es ist drei Uhr morgens, und zwei Leute stehen in einem weiten, nur mit spärlichem Licht erhellten Raum, der wie die Schaltzentrale eines Raumschiffs wirkt. Unzählige Bildschirme flackern. Trotz des Belüftungssystems an der Decke ist die Luft abgestanden. Man ist umgeben von unangenehmer Wärme, die von den Dutzenden von Rechnern und Monitoren stammt. "Willst du auch einen Kaffee?", fragt Franz Exer, einer der Verkehrsmanager, der vor einigen der vielen Monitore sitzt. "Wenn nicht viel läuft, kann diese Arbeit recht langweilig sein, und zu dieser Uhrzeit muss man sich irgendwie wach halten. Doch glücklicherweise ist dies selten der Fall."

In der Verkehrsmanagement-Zentrale, kurz VMZ, in Emmenbrücke, einem Vorort von Luzern, befinden sich zu jeder Tages- und Nachtzeit mindestens zwei bis drei Mitarbeiter an den Monitoren und überwachen die nie endende Schlange von Motorfahrzeugen, die täglich über die Schweizer Straßen rollt. Die Hauptaufgabe der VMZ ist die Überwachung des gesamten Autobahnnetzes. Somit ist sie indirekt auch für die reibungslose Zirkulation des Verkehrs an den Schlüsselstellen im Schweizer Verkehrsnetz zuständig. Dennoch haben die wichtigeren Verbindungen, wie der Gotthard- oder der Bernardinotunnel, eigene, wesentlich kleinere Überwachungszentralen. Die meisten Leute, die hier arbeiten, waren Polizisten oder arbeiteten in ähnlichen Sektoren, wie der grauhaarige, sportliche Franz Exer, der vorher im Werkhof des Gotthardtunnels tätig war. Um hier zu arbeiten, braucht es entsprechende Sprachkenntnisse in Französisch und Italienisch, da die gesamten Informationen des Schweizer Verkehrs zusammenlaufen, sei das nun ein Unfall, eine Baustelle oder ganz einfach stockender Verkehr.

"Für den Fall, dass eine solche Meldung eintrifft, wird versucht, möglichst schnell eine produktive und nachhaltige Lösung für das Problem zu finden und eine allfällige Umleitung für den Verkehr zu planen", sagt Mario Frei, der heute Nacht ebenfalls Dienst hat. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Koordination des Schwerverkehrs. Dies wird in Zukunft ein immer größer werdendes Problem, da sich immer mehr Lkw auf den Straßen fortbewegen. Den Autofahrern ist oft gar nicht bewusst, dass sie beinahe ständig auf einem der vielen Monitore abgebildet sind. Schon bei der kleinsten Auffälligkeit kann sich die angenehme Stille, die nur durch die Lüftungen der vielen Computer gestört wird, in rasante Hektik verwandeln. Genau ein solcher Fall ist gerade eingetreten.

"Wir haben einen Lastwagen im Loppertunnel, der eine Panne hat", ruft der in Jeans und Freizeithemd gekleidete Mario Frei von seinem Arbeitsplatz, der sich wenige Computer weiter rechts von seinem Mitarbeiter befindet. Es entwickelt sich ein reger Wortwechsel zwischen den beiden Operatoren. "Gibst du die Meldung raus?" "Schon eingegeben." "Hast du die Polizei informiert?" "Bin gerade dran, das Telefon klingelt schon." Kurz danach beginnen erneut zwei andere Telefone zu klingeln. Für ein paar Sekunden kam ein Hauch von Hektik auf. Da dies glücklicherweise nur ein kleinerer Zwischenfall war, hat sich die Lage schnell wieder normalisiert. Doch was muss hier los sein, wenn zur Hauptstoßzeit ein schwerer Unfall passiert? Der ebenfalls leger gekleidete Franz Exer erzählt, dass es vor einigen Tagen einen Zwischenfall mit Autodieben und entsprechender Verfolgungsjagd auf der Autobahn gegeben habe. "Wir mussten die gesamte A3 sperren und für mehrere Stunden dichtmachen, was zu längeren Staus führte. Das hatte fast ein wenig von ,Cobra 11'. Dazu kam, dass wir uns mit der Radiostation DRS in Verbindung gesetzt haben und über sie die entsprechende Meldung verbreitet wurde." Natürlich geschehe ein so spektakulärer Fall nicht jeden Tag, "doch wenn ein solcher Zwischenfall eintrifft, muss man hellwach sein und richtig handeln".

Nun ist es wieder ruhiger geworden, und die Operatoren erledigen noch diversen Papierkram, der auch in diesem Job ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist. Zu der Uhrzeit, wo unsereiner schon lange tief und fest schläft, wirken die beiden Verkehrsmanager noch topfit und sehen hellwach aus. "Mit der Zeit gewöhnt man sich an den etwas anderen Rhythmus, und da wir maximal an zwei Tagen in der Woche Nachtschicht haben, geht man einfach durch den Tag ein wenig schlafen, damit man am Abend nicht müde ist", erklärt Mario Frei, der schon einige Nachtschichten auf dem Buckel hat.

Draußen wird es langsam hell, und die Schicht geht dem Ende entgegen. Nun gilt es noch den Rapport zu schreiben, und dann treffen auch schon die nächsten Mitarbeiter ein, die die Ablösung bilden. So läuft es hier tagein, tagaus. 365 Tage im Jahr, und das 24 Stunden am Tag.

Informationen zum Beitrag

Titel
Achtung, Panne im Loppertunnel
Autor
Sandro Exer, Kantonale Mittelschule Uri, Altdorf
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.02.2011, Nr. 45, S. N6
Projekt
Jugend schreibt

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