Wunderschöne Muster in Silber und Seide

Die Sonne scheint, und es ist heiß. Trotz der Hitze sind die Straßen, Läden und Parks belebt. So auch der Laleh-Park, in dessen unmittelbarer Umgebung mehrere kulturelle Einrichtungen, darunter das Teheraner Museum für Zeitgenössische Kunst und das Iranische Teppichmuseum, liegen. Außer unter dem Schatten der Bäume im Park, kann man auch im gekühlten iranischen Teppichmuseum Zeit verbringen und dabei viel über die iranische Kunst erfahren.

Um in das persische Teppichmuseum zu gelangen, muss man erst durch das Vordertor gehen, wonach man sich in einem Garten befindet. Auf dem Weg zum Museumsgebäude hört man eine Nachtigall singen. "Die Museumsführerin kommt gleich", sagt der freundliche Wächter, der sich im Foyer auf seinen Stuhl setzt. Im Foyer hängen fünf große Teppiche an den Wänden. Jeder ist wie ein riesengroßes Gemälde. Dort gibt es auch einen Stand, an dem man kleine Teppich-Modelle als Andenken und Bücher über Teppiche kaufen kann. Die Führerin, eine junge Frau, betritt das Foyer und stellt sich höflich vor: "Ich heiße Masoumeh Moghiesy und bin die Museumsführerin." Moghiesy, die seit sechs Jahren im Museum arbeitet, erklärt, wobei sie auf die iranische Landkarte zeigt: "Auf dieser Karte werden die Städte, in denen Teppiche gefertigt werden, dargestellt." Sie führt die Besucher in eine große Halle, in der die Sammlung ausgestellt ist. "Man braucht als Erstes ein Webbrett. Ein Teppich wird entweder aus Wolle oder Seide hergestellt. Und die Farben der Webmaterialien werden hauptsächlich aus Pflanzen und Tieren, darunter auch Insekten, gewonnen." Sie zeigt auf die Modelle von Webbretter und Werkzeugen, die man braucht, um einen Teppich zu weben.

Farsch ist das allgemeine Wort für den Fußbodenbelag auf Persisch, und darunter versteht man Gelim, einen gewebten Teppich, bei uns als Kelim bekannt, Namad, eine Art von Fußbodenbelag aus Filz, und Ghali. Was als Perserteppich bekannt ist, heißt eigentlich Ghali. Das Teppichmuseum hat fast nur Ghalis. Die Perserteppiche werden je nach Aussehen benannt. "Diesen hier nennt man Ghab Ghabi", erklärt Masoumeh Moghiesy. Ghab ist Persisch und heißt Rahmen. "Man nennt es so, weil es wie nebeneinandergesetzte Bilderrahmen aussieht."

Im Museum gibt es auch noch eine Kopie vom ältesten Teppich der Welt. Das Original aus dem vierten Jahrhundert vor Christus befindet sich in der Eremitage in Sankt Petersburg. Die Besonderheit der Kopie ist, dass sie mit Seide und Silber geknüpft worden ist. In der Sammlung gibt es noch einen anderen Teppich aus Seide und Silber. "Dieser wurde dem Museum geschenkt." Jeder Teppich hat wie ein Kunstwerk eine Unterschrift, die man Katibeh nennt. Entweder wird der Name des Teppichdesigners oder der Name der Person, der er geschenkt wird, geknüpft.

Eine Besucherin ist begeistert: "Diese Teppiche haben so eine Wirkung auf mich, dass ich sie stundenlang ansehen könnte, ohne gelangweilt zu sein. Jedes Mal habe ich das Gefühl, als würde ich diese wunderschönen Muster zum ersten Mal sehen." Die Museumsführerin bestätigt das: "Einige unserer Besucher kommen mehrmals. Wir haben auch ausländische Besucher aus Ostasien und Europa. Aus Deutschland kommen sehr interessierte Besucher. Neulich habe ich mich gewundert, als wir eine Französin als Besucherin mit ihrem iranischen Mann im Museum hatten. Der Mann hat sich bei mir beklagt, dass seine Frau zu sehr die iranische Kunst und Kultur liebt und natürlich auch die Perserteppiche."

Informationen zum Beitrag

Titel
Wunderschöne Muster in Silber und Seide
Autor
Hanieh Parvizian, Ramina Zadmard, Sorush Farokhi
Schule
Österreichisches Kulturforum , Teheran
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2015, Nr. 254, S. 34
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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