Eine Wissenschaftlerin über das Gold der Wüste

Safraneis: eine sonnengelbe, cremige Masse zwischen zwei knusprigen Waffeln. Beim ersten oder dem zweiten Bissen kommen wahrscheinlich Pistazien oder gefrorene Sahnestücke in den Mund. Der Kenner kann auch Rosenwasser rausschmecken. So beschreibt Khadijeh Babakhani ihre Lieblingseissorte. "Das Beste am Eis sind die Sahnestückchen", findet sie.

Khadijeh ist eine junge Studentin und lebt mit ihrer Familie in Teheran. "Von meiner Mutter habe ich gelernt, wie man Safranreis kocht oder wie Safranpudding zubereitet oder -kuchen gebacken wird. Safran ist eines der Gewürze, die wir Iraner sehr viel benutzen." Sie zeigt auf einen goldfarbigen Bilderrahmen, in dem eine getrocknete Safranblüte ist "Das ist eine wilde Safranblüte, deshalb sind die Blütenblätter nicht violett."

Safran ist nicht nur ein Gewürz, sondern auch ein Arznei- und Färbemittel. Khadijeh holt aus ihrem Schrank ein Stück Stoff aus Leinen, worauf die 36. Koransure "Ya-Sin" steht. "Immer noch wird Safran zum Schreiben wichtiger oder besonderer Dinge genutzt. Die Farbe kann allerdings mit der Zeit verblassen. Deswegen sollte man es gut aufbewahren."

Azra Saboura, Dozentin an der Al-Zahra-Universität, erklärt: "Was von den Eigenschaften sehr verbreitet und berühmt ist, ist die Heiterkeit, die Safran verursacht." Saboura hat ihre Dissertation in der Pflanzenphysiologie über Safran geschrieben. Sie trägt den Titel "Der persische Safran unter Berücksichtigung der Forschung". "Von der Pflanze werden auch die Blätter und die Blütenhülle als Arzneimittel verwendet", erklärt sie. Diese Teile enthalten entzündungshemmende Stoffe. "In Iran gibt es außerdem noch acht weitere wilde Arten von Safran. In den Gebieten, in denen wilde Safranblüten wachsen, benutzen die Einheimischen den sogenannten wilden Safran auch als Gewürz. Aber das Aroma und die Farbe sind nicht so intensiv." Geduldig erklärt sie weiter: "Safran ist unfruchtbar und vemehrt sich durch Knollen. Fälschlicherweise wird Safran zu den Zwiebelgewächsen eingeteilt, weil die Knollen wie Zwiebeln aussehen. Der Vorgänger und die wilden Arten des Safrans sind jedoch fruchtbar."

Die Dozentin erklärt: " Die Herkunftsländer der Pflanze sind nicht viele. Griechenland, die Türkei und der Iran gehören zu den Herkunftsländern. Auf meiner Reise nach Kanada war ich sehr überrascht, als ich in einem Park eine Art von Safran entdeckt habe." Heute wird diese Pflanze in vielen Ländern angebaut. Dazu gehören Iran, Spanien, Afghanistan und die Türkei. Auch in Österreich, in der Schweiz und in Deutschland wird Safran angebaut.

Zurzeit konkurrieren vor allem Iran und Spanien in puncto Safran. In Zukunft wird auch Afghanistan eine große Konkurrenz sein, obwohl 91 Prozent des Safrans in Iran produziert wird. "Die afghanischen Arbeiter, die in Iran auf den Safranfeldern arbeiteten und dann nach Afghanistan zurückgekehrt sind, haben iranische Knollen mitgenommen", sagt Saboura. "Sie wissen ganz genau, wie er angebaut wird. Iran hat Afghanistan aus Menschlichkeit geholfen, um den Schlafmohn mit Safran zu ersetzen."

Das teuerste Gewürz der Welt ist nicht ohne Grund so teuer. Von jeder Safranblüte gewinnt man vier Stempelfäden. "Das sind wirklich nur vier Fäden, die fast nichts wiegen", begründet Azra Saboura. "Das Pflücken ist eine reine Handarbeit, und außerdem blüht diese Pflanze nur einmal pro Jahr. Doch die Arbeit lohnt sich, denn sonst hätte man den Safran ja nicht rotes Gold oder Gold der Wüste genannt."

Informationen zum Beitrag

Titel
Eine Wissenschaftlerin über das Gold der Wüste
Autor
Hanieh und Reyhaneh Parvizian
Schule
Österreichisches Kulturforum , Teheran
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.11.2015, Nr. 254, S. 34
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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