Mit Kopftuch, Kuchen und Klavier

Jeden Donnerstag kommen im Eifelstädtchen Mayen zwischen 16 und 18 Uhr Flüchtlinge, Menschen mit Migrationshintergrund und Deutsche in das Café Cati im Hauptgebäude der Caritas zum sogenannten Café International zusammen, um kulturellen Austausch zu erleben, sich gegenseitig im Alltag zu helfen und einfach Spaß zu haben. Vor allem junge Menschen besuchen diese Veranstaltung, organisiert von der Caritas, um insbesondere mit den Flüchtlingen in Kontakt zu treten.

Das Eis zwischen den Anwesenden ist nach einer kurzen Runde "Uno" gebrochen, die anfängliche Unsicherheit weicht. So manche Sprachbarriere wird ohne viel Brimborium - auch mal mit Hilfe von Händen und Füßen - überwunden. Unter anderem geht es um Sprachkurse für die Flüchtlinge, die zu einem erheblichen Teil von Farideh getragen werden. "Engagement und eine Willkommenskultur von vor allem euch jungen Leuten sind wichtiger und gefragter denn je", sagt sie zu einem Jugendlichen, der sich engagieren möchte. Auch Alltägliches kommt an den mit Blumen geschmückten Tischen zur Sprache. Ob über Fußballvereine oder die persönliche Lieblingsmusik, hier kann man mit jedem über alles sprechen.

"Und dann nur noch einmal den Stoff über die linke bis zur rechten Seite legen", beendet eine junge Muslimin ihre Erklärung für eine ältere Dame, wie man sich den Hidschab, das Kopftuch, bindet. Es erfordert eine gewisse Fingerfertigkeit, einen Schal oder ein Tuch so zu binden, dass das Gesicht wie gewünscht von dem Stoff umrahmt wird. Im Gegenzug dazu macht die ältere Dame ihre zierliche Gesprächspartnerin mit den Sitten und Bräuchen der christlichen Kirchen vertraut.

Begleitet wird dieses Treffen in der Regel auch mit Musik und Gesang, manchmal sogar mit Tanz. Zwei Schülerinnen des örtlichen Gymnasiums - Laura und Thora - haben Gitarren mitgebracht. Zusammen mit Muhammad, einem jungen Mann, der vor dem IS aus Syrien flüchten musste, spielen sie Lieder: deutsche, Titel aus den Charts, aber auch arabische. Laura sitzt am Klavier, während Thora und Muhammad die Gitarrensaiten zum Klingen bringen. "Es macht einfach Spaß, jeden Donnerstag hierherzukommen und mit den Flüchtlingen Musik zu machen", erklärt die Klavierspielerin lächelnd.

Während man den Klängen des arabischen Gesangs lauschen kann, besteht die Möglichkeit, Kuchenhäppchen zu probieren, die von zwei Frauen auf jedem Tisch verteilt worden sind. "Dieser hier ist mit Pistaziencreme gefüllt", erklärt die ortsansässige Bäckerin einem der Teilnehmer stolz. Achmed, ein großgewachsener syrischer Flüchtling, kocht schwarzen Tee für alle, der in orientalischen Gläsern serviert wird. Dabei fällt auf, dass Achmed, so scheint es, eine gewisse Vaterrolle für die anwesenden jungen Männer angenommen hat. Sein fast perfektes Deutsch, das er sich nach rund eineinhalb Jahren angeeignet hat, ermöglicht es, so manch eine Sprachbarriere zu beseitigen. Er ist ein wichtiger Ansprechpartner für alle.

Kurz vor 17 Uhr kommt Schwester Gina vorbei, eine junge Ordensschwester und Gemeindereferentin mit amerikanischen Wurzeln. Sie bringt Sachspenden, die von den Gläubigen der Pfarreiengemeinschaft zur Verfügung gestellt worden sind. Alle packen mit an, um die schweren Kartons hineinzubringen. "That's all for you guys. Take whatever you need!", fordert sie die sichtlich erfreuten Männer auf.

Gina, wie sie genannt werden möchte, ist sich auch für ein Ballspiel mit dem jüngsten syrischen Flüchtling nicht zu schade. Mit erstaunlicher Wurfkraft werfen sich die beiden auf dem Innenhof den pink-grünen Ball zu, der in einem der großen Kartons mit den Spenden lag. Vor lauter Eifer fliegt der Ball schließlich in einen benachbarten Garten.

Ehe man sich versieht, ist auch dieses Café International schon wieder vorbei. Nach einer herzlichen Verabschiedung voller Umarmungen und Handschläge geht man etwas wehmütig, aber auch glücklich und erfüllt seiner Wege.

Informationen zum Beitrag

Titel
Mit Kopftuch, Kuchen und Klavier
Autor
Damian Krämer
Schule
Megina-Gymnasium , Mayen
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2015, Nr. 260, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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