Pepparkakor, Glögg und Elchwurst

Es ist das außergewöhnliche Essen, das uns Schweden so bekannt und besonders in anderen Ländern macht", sagt Fredrik Jöhnson, der 72 Jahre alt ist und in Norra Rågeboda in Skåne, Gemeinde Osby. in Südschweden lebt. Der große, blonde Bauer liebt die Weihnachtszeit, die auf Schwedisch "Jul" genannt wird. Fredrik und seine Frau Sonja sind hilfsbereit, nett und haben oft ein Lächeln im Gesicht. Sie beginnen die Vorbereitungen mindestens zwei Wochen vor Weihnachten.

Nicht nur diese schwedische Familie kocht viele Wochen vor dem Fest, sondern das ist Tradition im ganzen Land. Auch Göran Eriksson, der ebenfalls in Norra Rågeboda lebt, kocht mindestens 13 Tage vorher. Göran ist wie Fredrik Jöhnson Landwirt. Der 60-Jährige tut viel für seine Familie und ist ein liebevoller Mensch.

Jedoch spielt neben dem Kochen auch die Dekoration der Häuser eine große Rolle. Alle Teller und Tassen werden aus den Schränken genommen und anderweitig eingelagert, um in den Vitrinen massenweise Weihnachtsdekoration wie Nikoläuse und Engel aufzustellen.

Das schwedische Julbord, also das Weihnachtsbuffet, wird immer groß aufgezogen, jedoch gibt es in den schwedischen Familien verschiedene Gerichte. Das Julbord von Fredrik und Göran besteht aus fast den gleichen Speisen. Das festliche Essen beginnt mit einem Glögg, also einem Glühwein, der mit Mandeln und Rosinen versetzt ist. Dazu gibt es Pepparkakor, der allerdings geschmacklich nicht mit dem deutschen Lebkuchen gleichzusetzen ist.

Danach geht es mit der Vorspeise weiter, die kalt serviert wird. Traditionell gibt es drei Runden. Göran aber legt die erste und zweite Runde zusammen. Die ersten zwei Runden bestehen aus einem Buffet von Fisch. Sill ist ein eingelegter Hering, der mit Senf, Sahne, Curry und Pellkartoffeln serviert wird. Danach gibt es Gravad Lax. Das ist gebeizter Lachs, der mit verschiedenen Marinaden serviert wird. Außerdem werden Fischsorten wie Makrelen und Forellen gegessen. Die dritte Runde besteht aus kaltem Fleisch. Elch- und Rentierwurst, Pasteten und verschiedene Sülzen werden mit Salaten und Knäckebröd serviert.

"Nach diesen Vorspeisen sollte man eigentlich schon satt sein, aber es gibt noch viel mehr zu speisen", erklärt Göran Eriksson. Die Hauptspeise ist reich an vielen deftigen, warmen Gerichten. Es gibt Köttbullar, in Deutschland kennt man es als Hackbällchen, Julkorv und Julskinka. Julskinka ist ein Weihnachtsschinken, und Julkorv ist eine Weihnachtswurst, die in Schweden bei jedem Weihnachtsfest auf den Tisch muss.

Unter anderem gibt es auch warmen Fisch am Buffet. Man findet Flusskrebse, die in Schweden als Kräftor bezeichnet werden. Der traditionelle Lutfisk ist ein luftgetrockneter Dorsch, der in eine Art Marinade eingelegt wird. "Dieser ist jedoch bei vielen Ausländern nicht sehr beliebt, da er einen eigenartigen Geschmack hat", sagt Fredrik. Mit Frestelse, einem Kartoffel-Sardellen-Gratin, Rotkohl und verschiedenem Gemüse wird das außergewöhnliche Buffet abgerundet.

"Natürlich darf das Dessert nicht fehlen, was auch sehr groß ausfällt, wobei es hier nur eine schwedische Spezialität gibt, und das somit auch für ausländische Gäste geeignet ist", berichtet der Landwirt. Damit meint er Risgrynsgröt, einen Reisauflauf, der nicht fehlen darf. Es gibt daneben aber ein großes Käsebuffet, das mit vielen verschiedenen Käsesorten ausgestattet ist, und internationale Desserts wie zum Beispiel verschiedene Eis- und Obstsorten. Oft findet man auch am Julbord Apfelkuchen, Mandelkuchen und Schokoladenkuchen. Natürlich dürfen Weihnachtsplätzchen auch nicht fehlen.

"Und am Ende des Julbord muss natürlich ein Magenschoner her! Wir Schweden trinken sehr gerne Aquavit oder Schnaps, denn dieser räumt den Magen auf", sagt Göran.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Pepparkakor, Glögg und Elchwurst
Autor
Neele Dumstorff
Schule
Albertus-Magnus-Gymnasium , Friesoythe
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2015, Nr. 296, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180