Freude über die Dankbarkeit der betagten Bewohner

Ein Dankeschön mit einem echten Lächeln auf den Lippen ist für mich das Schönste, das es gibt", sagt Karin Neumann mit strahlenden Augen. "Wenn ich meinen Tag morgens mit den Bewohnern des Heimes beginne, freue ich mich, ihr fröhliches Guten Morgen zu hören. Auch das gemeinsame Frühstück bringt einen tollen Start in den Tag." Der Tag der 36-jährigen examinierten Altenpflegerin beginnt im Altenpflegeheim in Barsinghausen um 6 Uhr morgens, wenn die Schichtübergabe der Nachtschicht stattfindet. Direkt danach werden die Dokumentationsmappen durchgeschaut und Medikamente bereitgestellt. Bereits um 6.45 Uhr beginnt dann auch für die Bewohner der Tag. Medikamente werden verteilt, anschließend werden sie zum Frühstück begleitet. Auch wenn alles langsam und ruhig ablaufen muss, schaffen es die Altenpfleger, den straffen Zeitplan einzuhalten. Im großen Frühstücksraum findet dann um 8 Uhr die Verteilung des Essens statt.

Danach beginnt die eigentliche Pflege. Innerhalb einer guten Stunde werden die Bewohner gewaschen und gepflegt: "Mir liegt es besonders am Herzen, dass die Bewohner sich wohl fühlen und dass sie sich freuen, wenn ich das Zimmer betrete", sagt Karin Neumann.

Wenn die Hannoveranerin dann die Pflege soweit erledigt hat, geht sie in die Teambesprechung. Da die schlanke Frau im Frühdienst die Schichtleitung übernimmt, setzt sie sich mit dem Heimleiter, dem sozialen Dienst, der Küchenleitung, der Pflegedienstleitung und den übrigen Leitern zusammen. Alle erläutern ihre Aufgaben für den aktuellen Tag, und es wird über anstehende Neueinzüge gesprochen: "Dieses Treffen ist enorm wichtig für uns, da wir unsere Arbeit aufeinander aufbauen. Somit ist keiner ohne Orientierung, und alle haben einen klaren Plan im Kopf, was ansteht", erklärt sie. Wenn die sogenannte Blitzrunde nach zehn bis 15 Minuten ihr Ende gefunden hat, wird die direkte Arbeit mit den Bewohnern fortgesetzt.

Es folgen Dinge wie die Postverteilung, Telefonate oder Verteilung der Tageszeitung. Diese Tätigkeiten zählen für die Bewohner zu den schöneren am Tag. Es erfreut sie, wenn sie Postkarten von Freunden bekommen oder sie die Stimmen ihrer Liebsten durch die Telefonleitung hören können. Nachdem um 12 Uhr das Mittagessen eingenommen wurde, geht es für einige Bewohner zurück ins Bett zum Mittagsschlaf. Wenn Karin Neumann die Bewohner versorgt und begleitet hat, endet ihre Frühschicht um 13.30 Uhr. Doch dieser geregelte Arbeitsablauf war nicht immer so: "Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, in der ich keine berufliche Perspektive hatte. Ich habe mich in vielen Berufen ausprobiert. Floristik, Einzelhandel oder Fleischerei, doch nichts hat mir wirklich zugesagt." Nach all diesen Versuchen machte sie einige Praktika im Beruf der Schwesternhelferin, den sie zuvor für ein Jahr gelernt hatte. Dennoch fand sie in diesem Beruf nicht ihr Glück, da es keine attraktiven Angebote auf dem Arbeitsmarkt gab. "Trotzdem stand für mich fest, dass ich etwas mit Menschen machen möchte. Helfen, das war schon immer mein Ding." Also lernte sie auf einer Altenpflegeschule den Beruf der Altenpflegerin. Mit 28 Jahren merkte sie dann, dass sie sich weiterbilden wollte und begann, nach langem Bitten um Unterstützung der Arbeitsagentur, eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin. Im Juli 2014 erreichte sie diese Qualifikation. Auf die Frage, ob der Beruf Freude bringt, antwortet sie: "Auf jeden Fall! Es tut gut, ein Dankeschön für jede kleine Unterstützung zu hören. Die zufriedenen Blicke der Bewohner zu sehen macht auch mich glücklich. Dabei geht mir jedesmal das Herz auf."

Nichtsdestotrotz gibt es auch negative Aspekte der Altenpflege für die junge Frau. Der Beruf genießt in der Gesellschaft keine große Anerkennung. Die sowohl physisch als auch psychisch anstrengende Arbeit wird oft unterschätzt. "Für die meisten sind wir immer noch die, die alten Leuten den Hintern abwischen. Der Blick für die große Fürsorge und Aufmerksamkeit, die wir unseren Bewohnern schenken, ist hierbei oftmals nicht vorhanden. Unser Ansehen ist geprägt von Vorurteilen."

Auch unangenehme Situationen bleiben nicht aus. "Erst letztens klagte eine Bewohnerin mit Wassereinlagerungen am gesamten Körper über Lungenschmerzen beim Einatmen. Ich alarmierte ihre Tochter, die daraufhin in das Heim kam, um mit ihrer Mutter das weitere Vorgehen zu besprechen. Wir entschlossen uns, den Notdienst zu rufen." Als der Notarzt dann jedoch vor Ort war und die Bewohnerin fragte, ob sie Schmerzen habe, verneinte sie dies. Auch einen Krankenhausbesuch lehnte sie ab. "Natürlich war das extrem unangenehm für mich. Immerhin muss ich als Pflegepersonal und auch als Schichtleiterin die Situation gut einschätzen können. Allerdings bestand ihre Tochter dann doch darauf, ein Krankenhaus aufzusuchen."

Die zielstrebige Frau möchte sich weiterbilden: "Ich sehe mich selbst in der Zukunft eher im Bereich der Palliativmedizin. Es ist eine Herausforderung an mich selbst und ein Wunsch, irgendwann einmal in einem Hospiz arbeiten zu können."

Informationen zum Beitrag

Titel
Freude über die Dankbarkeit der betagten Bewohner
Autor
Christina von Garrel
Schule
Albertus-Magnus-Gymsnasium , Friesoythe
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.01.2016, Nr. 14, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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