Besser als Kommunismus

Eine chinesische Volksweisheit besagt: "Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen." Xiaoli Xu und Zhi Hui Liang, zwei Chinesen, die im Jahr 1990 ihre Flucht vor dem in ihrer Heimat herrschenden Kommunismus wagten, gehören zu denen, die ihre Chance auf Veränderung ergriffen haben. Mit gefälschten Pässen kamen sie nach Europa, um von dort aus weiter an ihr Endziel Kanada zu fliehen. Sie finden: "Es war eigentlich ganz einfach", bis sie in Europa ankamen. Doch dann ging es für sie nicht weiter. "Die Pässe waren ja gefälscht." Sie "wussten sofort, es geht nicht weiter nach Kanada". Ein gutes Gefühl war es nicht, denn obwohl sie aus einer für damalige Verhältnisse reichen Familie kamen, wollten sie vor dem politischen System fliehen.

Trotz der Angst waren sie sich sicher: "Mehr, als wieder abgeschoben zu werden, konnte uns nicht passieren." Sie wussten aber, "dass man in Deutschland leicht reinkommt". In Limburg beantragten sie daher Asyl, und als dieses gewährt wurde, begann ihr neues Leben in Deutschland.

Dies war anfangs nicht leicht, die Kulturunterschiede und die Sprache stellten eine große Schwierigkeit dar. Nach einer Zeit des Jobbens und Sparens konnten sie ihre Pläne verwirklichen und eröffneten in Mainz ein Restaurant. In ihrer neuen Heimat führen sie nun zwar ein einfacheres Leben, "aber es ist besser als in China wegen des dortigen Kommunismus". Dennoch fühlen sie sich weder der deutschen noch der chinesischen Kultur wirklich angehörig.

Das Schicksal von Xiaoli Xu und Zhi Hui Liang ist kein Einzelfall, überall prägen Asia-Märkte oder chinesische Restaurants das Bild der deutschen Städte, beginnend ab dem 20. Jahrhundert immigrieren Chinesen nach Deutschland. Sie gehören zu einer unauffälligen Minderheit. Vor allem ab den achtziger Jahren kamen Studierende und Geschäftsleute nach Deutschland und beantragten Asyl. Für viele dieser Chinesen der "ersten Generation" sind Vereinigungen wie die "Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Freundschaft" wichtige Anker.

Die zweite, hier geborene Generation ist indessen bestens integriert und kosmopolitisch orientiert, was sich in den Freundeskreisen widerspiegelt oder zu deutsch-chinesischen Ehen führt. Xiaoli Xu und Zhi Hui Liang haben eine Familie gegründet. Ihre 16-jährige Tochter Pauline Liang fühlt sich in Deutschland wohl: "Ich bin an Deutschland gewöhnt", meint sie. "Freunde und alle sind hier." Obwohl auch sie durch Urlaube in China und das Besuchen einer Chinesischschule an Samstagen der chinesischen Kultur verbunden bleibt, kann sie sich ein Leben im Reich der Mitte nicht vorstellen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Besser als Kommunismus
Autor
Sarah Kirsch
Schule
Gymnasium Nieder-Olm , Nieder-Olm
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2016, Nr. 38, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180