Für sie ist das kein Hund, sondern ein Husky

Das Erstaunliche daran ist, dass ich erst alles andere probiert habe, bevor ich auf diese Idee gekommen bin", sagt Britta Dunker. Nach zahlreichen abgebrochenen und unterschiedlichen Stationen in ihrem Leben wohnt sie heute in der Gemeinde Haby in Schleswig-Holstein auf einem Hof mit 22 Huskys. Es sei das größte Familienrudel Europas, behauptet die 47-Jährige, während sie auf einer Gartenbank neben dem großen Hundegehege sitzt. Immer ein Auge und Ohr auf das Geschehen hinter dem Zaun, erzählt sie, wie aus dem Traum einer Jugendlichen tatsächlich Wirklichkeit wurde. "Zwischen 16 und 20 habe ich viel ausprobiert, konnte mich aber nie auf etwas einlassen."

Nach abgebrochener Schul- und Erzieherausbildung arbeitete die gebürtige Plönerin ungefähr zehn Jahre als freie Schriftstellerin, jobbte zusätzlich und hat bis heute drei Romane veröffentlicht, von denen besonders "Todesstern" bundesweite Beachtung fand. Für diesen Roman über Probleme und Missstände in der Altenpflege arbeitete die Autorin zwei Jahre als Pflegehelferin in einer Kieler Einrichtung, um sich das nötige Wissen anzueignen.

Ihr Leben lang waren Hunde immer Britta Dunkers Weggefährten. Nach Familienhund Sascha, der sie ihre gesamte Kindheit über begleitete, holte Britta Dunker ihren ersten eigenen Hund zu sich, die Mischlingshündin Mausbär. Am Ende war es allerdings die Recherche für einen Roman, die sie mit Huskys in Berührung brachte. "Ich wollte als Kulisse für meinen Roman eine Huskyfarm in Schweden und Rudelverhalten nutzen. Mein Problem war, dass ich gar nichts über diese Rasse wusste." Die Nothilfe für Polarhunde riet ihr, am besten würde sie die Rasse kennenlernen, wenn sie einen Husky bei sich aufnehmen würde. Die blonde, direkte Frau muss kurz grinsen: "Und dann änderte sich mein ganzes Leben, denn das war kein Hund, das war ein Husky. Ich hielt mich für allwissend in Sachen Hunde, aber dieses Tier hat mir innerhalb von drei Wochen klargemacht, dass ich nichts weiß. Heute weiß ich, dass man mit Huskys am besten auf Augenhöhe agiert und nicht in einer Alleinherrschaft." Bereits ziemlich verzweifelt und hilflos, bekam die damalige Radiovolontärin durch Interviews Kontakt zur Schlittenhundeszene. "Ich habe unglaublich viel gelernt, das entwickelte relativ schnell eine Eigendynamik. Und so kam bald ein zweiter Husky dazu."

Mit den beiden Hunden Feelegree und Lulu lernte Britta Dunker das Gespannfahren und nahm an Rennen teil. Die sogenannten Musher lernen, sowohl einen Schlitten im Schnee als auch für andere Wetterverhältnisse einen Wagen auf Rädern lenken zu können. Währenddessen engagierte die Hundeliebhaberin sich weiter in der Nothilfe und nahm zwei Pflegehuskys auf. Durch zwei ungeplante Trächtigkeiten ihrer Hündin und einer Pflegehündin wuchs das Rudel schlagartig von vier auf 17 Huskys an. Die Vermittlung von 13 Welpen stellte eine ziemliche Herausforderung dar, zumal Huskys durch ihren stark ausgeprägten Jagdtrieb und ihren Bewegungsdrang keine einfach zu haltenden Hunde sind. Am Ende konnten sieben Welpen und die Pflegehündin abgegeben werden, doch es blieb ein Rudel von neun Tieren. Britta Dunker und ihr damaliger Ehemann entschieden sich, die Hunde zu behalten, und bekamen bald darauf ein Angebot vom Touristikverein Hüttener Berge, Gespannfahrten anzubieten.

Aus einigen Fahrten wurde schnell mehr, und Britta Dunker beschloss, das Hobby zum Beruf zu machen. Heute bietet die inzwischen geschiedene Frau auf ihrer Huskyfarm in den Hüttener Bergen neben den Fahrten und Fahrschule mit den Huskys auch Kindergeburtstage, Seminare, Besuche, Werbebuchungen, Übernachtungen in der farmeigenen Ferienwohnung und vieles mehr an.

"Mein Werktag ist das Wochenende. Da stehe ich meistens um vier Uhr morgens auf und fange an, die Aktionen vorzubereiten. Vor allem Packen ist hier eine große Geschichte, das dauert meistens ein, zwei Stunden. Außerdem muss ich Pläne machen, wann ich welchen Hund einsetze, damit manche Hunde nicht dreimal laufen müssen." In der Woche erledigt sie andere Aufgaben: Büroarbeit, Tierpflege, handwerkliche Arbeiten, Logistik, Pressearbeit und das Putzen der Ferienwohnung.

Das bedeutet ein straffes Arbeitspensum, aber Britta Dunker bekommt regelmäßig Hilfe von sogenannten "Doghandlern". Das sind meist Jugendliche, die gegen die Vermittlung von Wissen beim Training, der Hygiene und Versorgung mithelfen. "Und ich habe eine gehörige Portion Glück gehabt, nicht nur Energie und Kampfeswillen, sondern auch Glück mit Menschen. Zur richtigen Zeit die richtigen Leute, die mir geholfen haben. Als ich in der Trennungsphase von meinem Mann wohnungslos mit damals 26 Hunden auf der Straße stand, hat mir eine Freundin dieses Grundstück in Haby vermittelt. Auch den Umzug hätte ich alleine niemals geschafft. Außerdem haben die Eltern meiner Doghandler während der Sommersaison drei Monate lang das Gehege gebaut, weil ich den Betrieb aufrechterhalten musste. Das ist echt ein Wahnsinnsdienst an den Hunden."

Eindringlich versucht sie, ihr Verhältnis zu den Hunden deutlich zu machen: "Ich bin Rudel. Das ist ein Kontrakt, mit Blut geschrieben. Das Rudel akzeptiert Grayling, den Alpharüden, als Chef und gestattet ihm viele Privilegien, weil er bei Gefahr der Erste ist, der mit seinem Leben bezahlen würde. Und genauso akzeptiere ich die vielen Bürden, die die Hunde verursachen, und dafür habe ich aber auch sehr viele Privilegien. Ich darf über sie bestimmen, ich bin die Erste, die geknutscht wird und noch viel mehr. Und das ist für immer, als Rudelführer gibt es kein Wenn und Aber." Man glaubt ihr diese Worte. Wenn sie inmitten von 20 quirligen Hunden steht und mit einer Geste oder einem Blick für Ruhe, Ordnung oder für überschwängliche Freude sorgt, dann ist sie Rudel.

Informationen zum Beitrag

Titel
Für sie ist das kein Hund, sondern ein Husky
Autor
Annika Jessen
Schule
Lornsenschule , Schleswig
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.02.2016, Nr. 50, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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