Plastik fliegt aus dem Lift

Die ersten sonnigen Tage sind vorbei, der Schnee auf den Skipisten geschmolzen. Während für die Gäste der Spaß auf den Abfahrtshängen zu Ende ist, ist für die Mitarbeiter der Skigebiete die Arbeit noch lange nicht getan. Denn sobald das glitzernde Weiß verschwunden ist, kommt der Müll zum Vorschein, und die Arbeit des jährlichen Abfallsammelns beginnt. Dann stapfen tapfer freiwillige Helfer über Stock und Stein, sammeln von Schokoladenpapier bis zu Skiern alles ein. Der Termin dieses Anlasses variiert je nach Jahr, wie Urs Keller, stellvertretender Geschäftsführer der Hoch-Ybrig-AG, die die Bergbahnen betreibt, erklärt. Das Wintersportgebiet Hoch-Ybrig in der Zentralschweiz liegt etwa eine Autostunde von Zürich entfernt. "Stattfinden kann die Suche erst, wenn der Schnee bereits geschmolzen ist, aber die Vegetation noch nicht angefangen hat zu blühen."

Besucher des Skigebiets, oft Familien oder Tagesgäste aus der Schweiz, hinterlassen während des Winters alles Mögliche an Abfall und Gegenständen. PET-Flaschen und Verpackungen werden immer wieder einfach vom Sessellift geworfen oder gleich darauf liegen gelassen. Handschuhe, Stöcke und alte Skier werden manchmal absichtlich zurückgelassen. Werden diese Dinge noch während der Saison von anderen Skifahrern gefunden, kommen sie gleich ins Fundbüro, doch manchmal verschwinden sie unter den neu gefallenen Flocken und werden erst beim jährlichen Abfallsammeln wiedergefunden.

Ein großer Teil der Arbeit wird dabei von jungen Freiwilligen geleistet. "Neben Mitarbeitern des Wintersportgebietes sind es vor allem Schulklassen, die mithelfen", erklärt der sonnengebräunte Keller, das dunkle Haar vom Wind verstrubbelt, man sieht dem gelernten Zimmermann das Leben auf dem Berg an. Lokale Ski- und Snowboardschulen machen sich mit 50-Liter-Müllbeuteln ausgerüstet auf den Weg, um der Abfallmasse auf den Leib zu rücken. Auch Primarschulklassen aus der ganzen Schweiz sehen die Plakate der Summit Foundation, die für die Kampagne wirbt, oder werden vom Skigebiet angefragt und unterstützen dann das nationale Projekt. "Einmal fanden wir sogar einen Ehering wieder, der schon seit mehr als einem Jahr vermisst wurde", schwärmt der 29-Jährige, der selbst leidenschaftlicher Skifahrer ist. Die Fundgegenstände werden aufs Fundbüro bei der Sesselbahn gebracht, und falls sie nach zwölf Monaten nicht wieder abgeholt wurden, werden sie entsorgt oder verschenkt - "an Kinder oder Mitarbeiter, organisiert wird das Sammeln ja schließlich von uns".

Die Hinterlassenschaften der Skitouristen müssen aber auch aufgrund eines anderen Problems beseitigt werden: Kühe, die im Sommer zum Grasen auf den dann freien Wiesen sind, erliegen immer wieder inneren Verletzungen. Verantwortlich dafür sind Scherben und Teile von Aludosen, manchmal auch Splitter von zerbrochenen Skistöcken, die das Vieh unbemerkt aufnimmt. So sind die Bergbauern erleichtert, wenn die Helfer jedes Jahr beim Abfallsammeln fünfzig Tonnen Müll finden.

Informationen zum Beitrag

Titel
Plastik fliegt aus dem Lift
Autor
Christiane Palm
Schule
Kantonsschule Zürcher Oberland , Wetzikon
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2016, Nr. 78, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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