Den Ball mit dem Boot erkämpfen

Das Einzigartige an dieser Sportart ist die nette Verbindung zwischen dem Ball- und Wassersport im Kajak", sagt Christopher Schwarzbach. Der braunhaarige Kanupolowart des KSC Mannheim übt diesen Sport seit 25 Jahren aus. Ziel ist es, Tore zu erzielen, wobei der Spaßfaktor nicht unwesentlich ist.

Jede Mannschaft besteht aus fünf Spielern und Ersatzspielern, die jederzeit eingewechselt werden können. Zum Einsatz kommen Wasserbälle verschiedener Größen, die mit der Hand und mit dem Paddel gespielt werden. Regulär spielt man zweimal zehn Minuten. Zu Beginn liegen die Spieler mit ihrem Boot auf den jeweiligen Torlinien. Mit dem Anpfiff wird der Ball in die Mitte des Schwimmbeckens geworfen, und los geht's. Der selbständige IT-Unternehmer aus Mannheim ist sich sicher: "Von Anfang an muss man sich den Ball mit dem Boot erkämpfen."

Während des Spielverlaufs versucht man sich in eine gute Schussposition zu bringen. Die meisten Tore geschehen durch Konter mit rasanten Paddelsprints. Als Torwart gilt derjenige Spieler, der direkt unter dem zu verteidigenden, in der Luft hängenden Tor liegt und sein Paddel senkrecht hoch hält. Bis auf den Torwart können die gegnerischen Spieler attackiert werden. Dementsprechend wird das Spielgeschehen von zwei Schiedsrichtern beobachtet. "Alles ist verboten, was zu Verletzungen führen kann", sagt der Familienvater. Voraussetzung für die Ausübung des Sports ist der Kontakt zu einer anderen Ballsportart und Erfahrungen im Kanufahren. "Kanupolo ist die Kür."

Dabei sind nicht nur die Koordinations- und Teamfähigkeit, sondern auch schnelle Manöver der Kanuspieler gefragt, um packenden Zweikämpfen standzuhalten. Die Taktik ist der beim Handball ähnlich. Der Umgang mit Ball, Boot und Wasser erfordert Kraft und Kondition auf dem sowie unter Wasser und muss erst mal gelernt sein. Man sollte beispielsweise die Inuit-Rolle aus der Hüfte beherrschen.

Vor Trainingsbeginn wird die Ausrüstung bereitgestellt und das Tor aufgestellt. Die Spieler steigen in die lila und weißen Boote und tragen Schwimmwesten mit verschiedenen Farben. Stramm sitzend ziehen sie sich mit ihren Booten am Beckenrand entlang und werfen den bunten Ball in die Mitte. Beim Warm-up drehen sie ein paar Runden mit dem Boot. Anschließend wird die Wurftechnik trainiert. Dabei bilden die Spieler einen Kreis und werfen sich den Ball aus wechselnder Distanz zu. Um die Balance zu halten, bewegen sie das Paddel hin und her. Das Niveau wird erhöht, indem noch ein weiterer Ball hinzukommt.

Nachdem sich alle im Spielfeld verteilen, kann das eigentliche Spiel beginnen. Mit schnellen Bewegungen peitschen die Spieler ihr Kajak in Richtung des bunten Balles, der auf dem schwappenden Wasser wippt. Der Schnellste schnappt sich den Ball und wirft ihn mit Wucht auf das schwebende Tor, während der Gegenspieler bei einem Angriff versucht, ihn mit dem Boot abzublocken, aber umkippt. Die Spieler paddeln weiter und versuchen mit Pässen den Ball für sich zu behalten. Schwarzbach bekräftigt: "Wir wollen bei einem Turnier was reißen. Deswegen trainieren wir im Sommer zwei Mal die Woche zwei Stunden lang im LSV Willerseenweier. Im Winter treffen wir uns im Hallenbad Seckenheim."

Zur Ausrüstung gehört das Polyethylen-Boot, Schwimmweste, Spritzdecke, Helm und Doppelpaddel. "Mit über 2000 Euro muss man schon rechnen." Der Verein stellt das Material zur Verfügung. Auf internationaler Ebene finden im jährlichen Wechsel Europa- und Weltmeisterschaften statt, bei denen die Mannschaften des Deutschen Kanu-Verbandes teilnehmen. "Wir hingegen spielen Fun", sagt Schwarzbach. Ein Mixed-Team wird gebildet, die Spiele werden separat von den Leistungsklassen ausgetragen, wobei diese Funturniere auch eine Art Liga sind. Es gibt einen Pokal oder eine Urkunde zu gewinnen. Schwarzbach möchte unter die Top 4 kommen. "Ich glaube, wir schaffen das noch."
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Den Ball mit dem Boot erkämpfen
Autor
Julia May
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium , Frankenthal
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2016, Nr. 165, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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