Staunen über Cola-Kraut und Spitzwegerich-Pesto

Ein Garten voller Kräuter und Pflanzen, hier fühlen sich Annemarie Harzbecher und Cornelia Pietsch wohl. Die langjährigen Freundinnen begutachten den Küchengarten von Schloss Lomnitz in Niederschlesien in Polen. Der Garten ist nur eines von vielen Projekten, das sie betreuen und unterstützen. Stolz erklären sie, dass sie die 800 Quadratmeter in vier Tagen bepflanzt haben. Salate, Gurken, Möhren gedeihen. Emsig zupfen sie inmitten des Pflanzenmeeres Unkraut und planen neue Beete. Annemarie Harzbecher, 1944 in Glogau, dem heutigen Glogów in Polen geboren, ist gelernte Gärtnerin. Gemeinsam mit Cornelia Pietsch, die drei Jahre später in Weißwasser im Landkreis Görlitz geboren wurde, teilt sie ihre Leidenschaft für Gärtnerei.

Annemarie Harzbecher trat in der ehemaligen DDR der CDU bei und war 23 Jahre bis kurz nach der Wende Bürgermeisterin. Erst nach einem Autounfall kam sie wieder zur Gärtnerei und arbeitete neun Jahre als Geschäftsführerin des Fördervereins der Fürst-Pückler-Region, der sich mit den Parks und Gärten beiderseits der Neiße, einschließlich des Muskauer Parks beschäftigt. Bis heute engagiert sich die Renterin für die Gartenakademie Sachsen-Anhalt.

Neben dem Küchengartenprojekt in Lomnitz bereitete das Duo den Weg für ein deutsch-polnisches Kinderprojekt. Erzieherin Cornelia Pietsch ermöglichte die Partnerschaft zwischen einem Kindergarten aus Weißwasser und dem polnischen Myslakowice, einem Dorf rund 80 Kilometer von der Grenze entfernt. Schockiert von dem ungesunden Essen, veranstalteten sie ein Faschingsfest mit gesundem Buffet und viel Gemüse. Die Kinder waren begeistert, so beschloss die polnische Kindergartenführung einen Garten anzulegen und täglich ein gesundes Frühstück anzubieten. Der Garten wird bis heute genutzt. Nach jahrelangem Betreuen anderer Gärten widmen sich die Frauen nun ihrem eigenen Garten in Weißwasser und bieten zweimal im Monat Kräuterseminare für 12 Teilnehmer an und erklären Wirkung und Nutzen von Kräutern. Was man aus den Pflanzen Essbares herstellen kann, zeigt Pietsch anschließend in der Küche und kocht mit den Teilnehmern eine gesunde Mahlzeit und verkauft selbst hergestellte Kräuterliköre und Weine. Heilpraktiker, Ärzte und vor allem Vegetarier finden den Weg zu den Frauen. Manche kommen mehrfach wieder. Vegetarier lernen, was sie als Fleischersatz in ihrem Garten finden. Alle profitieren von den vielen Haushaltstipps und Tricks und lernen, Ringelblumensalben, Kamillensalben, Rotöl vom Johanniskraut und Sportsalben herzustellen. Dabei greifen die Gärtnerinnen nicht nur auf Rezepte aus Kochbüchern zurück. Sie bevorzugen Ausgefallenes, jedoch für den Alltag machbare Gerichte. Es gehe darum, dass die Besucher nach einem langen Arbeitstag nicht zu viel Zeit und Aufwand benötigten, um gesund leben zu können, ergänzt Cornelia Pietsch. "Wir wandeln Rezepte um, bis es uns schmeckt", lacht sie. So entstehen Spitzwegerich-Pesto, Nutella aus Avocado oder ihr neuester Renner Orangenbutter, die von den Gästen pur mit dem Löffel verzehrt wird.

Ganze Schulklassen finden den Weg zu den Damen. Aufgeteilt auf zwei Gruppen, entdecken die Kinder etwa die Cola-Pflanze. Oder sie sammeln Kräuter für einen großen Kessel mit Wasser. Dass dieser Tee gut schmeckte, verwunderte die Kleinen umso mehr.

Informationen zum Beitrag

Titel
Staunen über Cola-Kraut und Spitzwegerich-Pesto
Autor
Anna von Küster
Schule
Augustum-Annen-Gymnasium , Görlitz
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2016, Nr. 201, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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