Zwei Franken setzen auf Trüffelbäume

Eine Designerin und ein Landwirt hoffen auf Bodenschätze im Fränkischen. Sie versuchen, auf einem Acker Trüffeln zu züchten. Nicht nur die Bewässerung der Setzlinge ist tückisch.

Wer den besonderen Acker von Landwirt Andreas Frank in Maßbach sieht, der kann auf den ersten Blick nicht viel erkennen. In dem abgezäunten Areal erinnert vieles an eine kleine Obstplantage. Setzling an Setzling, 306 an der Zahl, reihen sich die jungen, verletzlichen Bäumchen aneinander, nur durch Grasbüschelwälle geschützt. Auf sichtbare Früchte kommt es hier nicht an, auch nicht wegen ihres Holzes stehen die Haselnussbäume, Hainbuchen und Eichen auf Franks Feld. Das Geheimnis der Pflanzen ruht im Erdreich. Der 41-jährige Landwirt und seine Geschäftspartnerin Melanie Alsdorf kultivieren eine Art Goldmine in dem unterfränkischen Ort, die man sonst nur in Frankreich oder Italien findet. In unseren Wäldern liegen gewissermaßen stattliche Beträge in der Erde, von denen nur die wenigsten wissen: Speisetrüffeln.

Die naturverbundene Objektdesignerin Alsdorf aus dem nahegelegenen Rothhausen war schon immer von Pilzen begeistert und sammelte sie. Dass es in unseren heimischen Wäldern Trüffeln gibt, wusste sie: "Ich würde mich selbst nicht als Gourmet bezeichnen, aber ich esse schon gerne gut, und auch ausgefallenere Dinge." Gerade der charakteristische Geruch und Geschmack der teuren Knollen hatte es ihr angetan. Leider stehen die heimischen Trüffeln unter strengem Naturschutz, sie dürfen nicht gesammelt oder verkauft werden. Ausländische Varianten wie die Perigord-Trüffel kosten ein Vermögen.

"Da muss doch was gehen", überlegte sich Melanie Alsdorf und machte sich auf die Suche nach Gleichgesinnten, die ihr Projekt Frankentrüffel GbR unterstützen konnten. Sie begeisterte andere für die Idee, Burgundertrüffeln, Tuber uncinatum, zu kultivieren. Gemeinsam besuchten sie eine Tagung des Trüffelverbands mit Besichtigung der Versuchsflächen in Veitshöchheim.

Fasziniert von ihrem neuerlangten Wissen, machten sie sich an die Verwirklichung ihres Traums. Dass der kalkreiche, alkalische Lehmboden in Franken wie geschaffen für Trüffelanbau ist, ist ein glücklicher Umstand, denn so eine Fläche besitzt Landwirt Frank. Auf einem 5600 Quadratmeter großen Feld auf einer Anhöhe mit leichter Hanglage wurde darauf im vergangenen Dezember der erste Spatenstich in eine noch vage Zukunft gesetzt. Gedulden müssen sich beide. Denn bis die Bäume "Früchte" tragen, kann es fünf bis sieben Jahre dauern. Dabei ist der essbare Teil nur der Fruchtkörper des mit einer Baumwurzel assoziierten Pilzes, der sogenannten Mykorrhiza. "Der Baum bildet das Haus, in das sich der Pilz einrichtet", erklärt der Agrarbiologe Josef Herrmann von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, LWG, wie man sich die Symbiose zwischen Baum und Trüffel vorstellen kann. Es gibt unzählige Mykorrhiza-Arten, von denen nur wenige die begehrten Knollen hervorbringen. Herrmann erklärt: "Die Kunst ist es, schon mit der Keimung den Sämling mit den entsprechenden Sporen zu inokulieren."

In Deutschland gibt es bereits Firmen, die sich auf die Bereitstellung solcher Baumsetzlinge spezialisiert haben, wie zum Beispiel Leinebergland-Trüffel. "Aber auch Privatpersonen haben sich der Trüffelanzucht verschrieben", sagt der Biologe. Auch in Österreich sind erfahrene Anbieter, wie Trüffelgarten Urban & Pla OG im Geschäft. Das unterfränkische Duo hat seine Setzlinge von Deutsche Trüffelbäume bezogen. Doch noch ist ungewiss, ob die Speisetrüffel in unserer Gegend Einzug hält und wie die Zukunft aussieht, denn über den Anbau in deutschen Landen ist noch zu wenig bekannt.

Die LWG ist interessiert an den Entwicklungen, die sich für die Region ergeben könnte und forscht nach der besten Methode für den Trüffelanbau. Es gibt mehrere Versuchsfelder in verschiedenen Lagen, mit verschiedenen Bodentypen - teils mit Mulch -, die Aufschluss darüber geben sollen, unter welchen Umständen die Trüffel am besten gedeiht. Besonders die Bewässerung hält einige Tücken bereit. So sollte man am Anfang darauf verzichten, denn um das nötige Wasser kümmert sich der Pilz.

"Die Pflanzen müssen sich durchbeißen", ist Josef Herrmann, Leiter des Fachzentrums Analytik, überzeugt. "Der Pilz gibt der Pflanze sozusagen die Hand, und zusammen sind sie stark." Nur vor der Ernte im Frühsommer seien gute Niederschläge vonnöten, um ein Maximum an Trüffeln zu erhalten. Danach könne fast alle drei Wochen geerntet werden, was bei einem Verkaufspreis von 400 bis 800 Euro für das Kilo Trüffeln lukrativ werden könnte. Nach Bärlauch, Spargel und Wein könnte die Trüffel als weitere Sonderkultur Einzug finden. "Wo die Leitplanken des Anbaus sind, müssen wir noch herausfinden."

Melanie Alsdorf setzt auf einen späten Erntezeitraum: "Wir kultivieren keine Sommertrüffeln, sondern Wintertrüffeln, die von September, Oktober bis Februar, März geerntet werden. Sie haben einen intensiveren Geschmack und werden zu höheren Preisen gehandelt." Josef Herrmann pflichtet bei: "Gastrosophisch sind Wintertrüffeln die geschmacklich intensiveren und damit wertvolleren. Sie sind auch etwas dunkler als die Sommertrüffel."

Bis es so weit ist, steht das Training des Altdeutschen Hütehundes namens Tiga auf dem Plan, denn das Finden der kostbaren Pilzknollen muss gelernt sein. Warum halten Sie kein Schwein als Suchtier? "Das würde nicht bei uns in den Kofferraum passen", schmunzelt Melanie Alsdorf. "Und außerdem fressen die gerne die Knollen selbst." Als Belohnung gibt es für Tiga beim Fund einer Übungstrüffel einen Happen Leberwurstpaste. "Das ist wie Schatzsuchen." Gesucht wird mit gekauften Trüffeln. B-Ware reicht zum Üben aus und kann eingefroren werden, ein Stückchen reicht. Für den zukünftigen Verkauf hat Alsdorf vorgesorgt: "Eine Seite ist reserviert und wird unter der Adresse www.frankentrueffel.de online gehen."

Informationen zum Beitrag

Titel
Zwei Franken setzen auf Trüffelbäume
Autor
Felix Hauck
Schule
Bayernkolleg , Schweinfurt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2016, Nr. 225, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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