Brennende Raute gegen böse Blicke im Parkhaus

Es ist acht Uhr am Freitagmorgen, der einzige arbeitsfreie Wochentag für die Iraner. Nach einer harten Woche erwartet man Stille in den Straßen. Es gibt weniger Verkehr, außer man nähert sich der Saadi-Jomhuri-Kreuzung. Beim Abbiegen in die Jomhuristraße gerät man in eine lange Schlange von Autos, die sich bis zum Parwane-Parkhaus reihen. Statt Autos sieht man dort Tische und Teppiche. Jeder Parkplatz verwandelt sich in einen kleinen Einkaufsstand. Den Freitagsmarkt gibt es seit 15 Jahren in Teheran, er wird zwischen acht und 18 Uhr von 5000 bis 6000 Menschen besucht. Um sechs Uhr kommen die ersten Verkäufer an, um ihre Waren mit dem Auto durch die steile Auffahrt ins Parkhaus zu ihrem gemieteten Platz zu bringen. Ein Platz kostet 30 000 Tuman, 7,50 Euro. An Feiertagen mehr.

Die Verkäufer stellen Tische auf und breiten Teppiche aus, um ihre Waren zu stapeln. Es gibt mehr als tausend Plätze. In der ersten Etage sieht man Antiquitäten: Silbernes Besteck, Geschirr, feine Spiegel, stilvolle Rahmen, Wanduhren, Spielzeuge wie Puppenhäuser, Kronleuchter, Instrumente, analoge Fotoapparate, Teleskope, Plattenspieler und Steinschleudern - es gibt nichts, was man hier nicht finden kann. "Die meisten der Gegenstände sind aus zweiter Hand, einige aus Indien und Taiwan", sagt ein älterer Verkäufer. Alte Bücher, die nicht mehr veröffentlicht werden, und auch Zeitungen vom Jahre 1930 liegen auf dem Boden und erzählen mit eigenartigen Schlagzeilen über die Vergangenheit.

Neugierige suchen nach wertvollen Exemplaren und verhandeln. "Vergessen Sie nicht den Rabatt", sagen meistens die Kunden mit einem schrägen Lächeln. In der zweiten Etage gibt es traditionelle Kleider und Stoffe. Manche Verkäufer kommen aus anderen Orten oder Städten, um hier ihre handgefertigten Waren zu verkaufen. Leute lassen sich erklären, aus welcher Seide die Kleidung angefertigt worden ist, und halten die Teile vor sich, um die Größe festzustellen. Sich nicht zu beeilen ist die erste Regel der Kunden. Eine Ware, die in einer Etage 70 000 Tuman kostet, kann in der anderen Etage 20 000 kosten.

Im dunklen Parkhaus kann man den Geruch brennender Raute wahrnehmen. Eine ältere Frau geht mit brennenden Pflanzen durch die Stockwerke und vertreibt den alten Staubgeruch. Manche Leute geben ihr auch Geld dafür, da die Perser der Meinung sind, dass die Rautepflanze vor bösen Blicken und schlechten Schicksalen schützt.

Im dritten Stockwerk sieht man auch jüngere Verkäufer, die selbstgemachten Schmuck, Anhänger oder modernere Sachen wie gedruckte Fotos von berühmten Musikern verkaufen. Ist jemand hungrig, kann er sich an Ständen etwas zu essen kaufen. Öfters gibt es Besucher aus Japan, China, Frankreich und sogar aus Deutschland.

Der Freitagsmarkt gilt als das Paradies für Münzensammler, Briefmarkenspezialisten und Edelsteinexperten. Es ist spannend, den Verkäufern beim Erzählen zuzuhören. Viele waren früher auch Sammler und erzählen, wann, wo und wie sie die Objekte gekauft haben. Ein Streichholzschachtelverkäufer war viel im Ausland unterwegs, auf jeder Schachtel steht eine andere Sprache. Ein Älterer jammert bedrückt: "Es schaut hier alles so schön und bunt aus, aber der Verkauf ist nicht immer gut, weil viele nur hierherkommen, um sich den Tag zu vertreiben und zu bummeln."
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Brennende Raute gegen böse Blicke im Parkhaus
Autor
Raana Saheb Nassagh, Ramina Zadmard
Schule
Österreichisches Kulturforum , Teheran
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2016, Nr. 231, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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