Mit Spürnase Percy auf Personensuche

Die feuchte Nase flitzt schnüffelnd durch das Gras. Das Gesicht, das zu dieser Nase gehört, ist groß, faltig und knautschig, und der Sabber trieft von den Lefzen in alle Richtungen. Genauso stellt man sich einen Mantrailer vor. Am Zürcher Stadtrand, am Fuße des Uetlibergs, befindet sich der Stützpunkt der Hundestaffel der Stadtpolizei, das Diensthunde-Kompetenz-Zentrum. Hierhin kommen auch Mantrailer zum Training, Hunde, die Personen anhand ihres Geruchs suchen. Jeder Mensch hat einen Individualgeruch; dieser entsteht überwiegend durch die Abbauprodukte und bakteriellen Zersetzungsprozesse auf den abgestorbenen Hautzellen. Wir verlieren täglich zwischen 40 und 100 Millionen abgestoßener Hautzellen, die eine für den Hund wahrnehmbare Geruchsspur hinterlassen.

Jules Voss, der Chef einer von vier Einsatzgruppen des DKZ, arbeitet seit 17 Jahren als Hundeführer bei der Zürcher Stadtpolizei. Der Vater von drei Kindern kam nach einer Lehre als Möbelschreiner und dem Militärdienst bis zum Offiziersrang zur Polizei. "Jeder Tag ist eine neue Herausforderung und kein Tag gleich wie der andere, das war meine Motivation zur Ergreifung des Berufes." Jules Voss machte die zweijährige Polizeischule und arbeitete zwei Jahre im Einsatz als Streifenwagenfahrer, bevor er beschloss, Hundeführer zu werden. "Wir hatten immer Hunde zu Hause, und ich war schon früh fasziniert, was Hunde mit ihrer Nase alles können."

Zuerst arbeitete Voss mit einem Schutz- und Betäubungsmittelhund, als dieser verstarb, beschloss er, einen Mantrailer auszubilden. Er holte den neun Wochen alten Percy, einen Bayerischen Gebirgsschweißhund, aus einer Zucht in Deutschland. Auch Percys Bruder arbeitet für die Stadtpolizei Zürich. "Es gibt auch in der Schweiz Züchter, die Jagdhunde verkaufen, diese geben ihre Hunde jedoch lieber an Jäger ab, zudem sind die Wartelisten endlos lang."

Grundsätzlich kann man jeden Hund, der gerne arbeitet, zum Mantrailer abrichten. Jagdhunde eignen sich besonders, da sie das Suchen in den Genen haben. "Der Rolls-Royce fürs Mantrailing sind natürlich die Bloodhounds, sie sind jedoch sehr groß und auch nicht leicht auszubilden."

Ein Jagdhund wie Percy kostet in Deutschland um die 1000 Euro, in der Schweiz etwa 1500 Franken. Bei der Stadtpolizei werden die Diensthunde zur Hälfte durch den Arbeitgeber bezahlt, für die andere Hälfte muss der Hundeführer aufkommen. Die Halter werden monatlich mit Futter- und Haltergeld unterstützt. "Am Anfang muss man seinen Hund sozialisieren, das heißt, dafür sorgen, dass er seine Umwelt als normal wahrnimmt. Er muss in Kontakt kommen mit Menschen, anderen Hunden und Tieren, verschiedenen Untergründen, also etwa mit Wiese, Erde oder auch Asphalt, und auch mit den gängigen Verkehrsmitteln. Das ist wichtig, damit er sich später ganz auf seine Arbeit konzentrieren kann und nicht vor jedem vorbeifahrenden Auto zurückschreckt. Danach beginnt man, mit dem Hund Objekte zu suchen und arbeitet sich hoch zur Personensuche. Die Ausbildung dauert im Schnitt zwei Jahre."

Bevor die Hunde zum Einsatz kommen, müssen sie eine Prüfung beim Schweizerischen Polizeihundeführer-Verband bestehen. Die Prüfung besteht aus drei Teilen. Der Hund bekommt einen Gegenstand einer Person und muss diese finden, den Prüfungsteil muss er auf jeden Fall bestehen. Beim zweiten Teil legt man eine Fährte, die abrupt endet, dies muss der Hund dem Hundeführer anzeigen. Beim dritten Teil hat der Hund die Aufgabe anzuzeigen, dass die Person gar nie vor Ort war. Hat er den ersten und mindestens einen weiteren Teil bestanden, wird er zum Dienst zugelassen. Percy hat mit Bravour bestanden.

Jules Voss trainiert ihn vier bis fünf Stunden die Woche. Während der Arbeit ist der Hund mit dabei. Findet gerade kein Einsatz statt, ist er draußen in der Zwingeranlage. "Wenn ein Hund fit ist, kann er im Dienst bleiben, bis er etwa zehn Jahre alt ist, denn das Spurensuchen verlernt er nicht. Der Dienst als Mantrailer ist für den Hund weniger anstrengend, als wenn er als Schutzhund eingesetzt wird. Scheidet ein Hund aus dem aktiven Dienstbetrieb aus, darf er sein Leben zu Hause verbringen. Der Besitzer bekommt, zumindest bei der Stadtpolizei Zürich, weiterhin Geld für das Futter und die Besuche beim Tierarzt."

Percy blieb bei seinen etwa 40 dienstlichen Suchen bisher der große Erfolg versagt. "Das hat damit zu tun, dass sich die Personensuche in einer Stadt wie Zürich schwierig gestaltet, kommt es doch sehr oft vor, dass sich die gesuchte Person in ein privates oder öffentliches Verkehrsmittel begibt und die Geruchsspur dadurch abbricht." Aber Percy ist voll motiviert, wenn Voss ihm das Geschirr mit der sechs Meter langen Leine überstreift. Nach einem Misserfolg muss der Mensch möglichst bald eine Spur legen, die zum Erfolg führt, dies hält die Motivation hoch. "Meist sind es Feinheiten, die dem Hundeführer zu verstehen geben, wo eine Spur weitergeht oder allenfalls endet. Auf jeden Fall ist zu vermeiden, dass der Meister den Hund in eine Richtung zu lenken versucht." Jules Voss ist zuversichtlich: "Eines Tages wird Percy eine gesuchte Person am Ende der Geruchsspur auffinden."

Informationen zum Beitrag

Titel
Mit Spürnase Percy auf Personensuche
Autor
Kayleen Maurer
Schule
Kantonsschule Zürcher Oberland , Wetzikon
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2016, Nr. 266, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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