Mops Molly kennt keine Kamerascheu

Ein Händchen für Tiere hatte ich schon immer, da ich sehr ländlich aufgewachsen bin. In frühen Kinderjahren lebten wir in Oldenburg und später dann am Niederrhein. Dementsprechend war ich häufiger von vielen Tieren wie Hunden, Katzen, Pferden oder Kühen umgeben. Doch zu meinem jetzigen Beruf bin ich dann durch Zufall gekommen", erzählt Aurelia Franke Hornung. Sie ist seit mehr als 25 Jahren Filmtiertrainerin, aber auch passionierte Hundezüchterin verschiedener Rassen wie beispielsweise des Labradoodle, einer Kreuzung aus einem Pudel und einem Labrador, oder von Mopsmischlingen. Diese Übung im Umgang mit Tieren kann sie als Inhaberin einer Filmtieragentur nutzen. Als Filmtiertrainerin hat sie die Aufgabe, geeignete Tiere an TV-, Kino- und Werbeproduktionen zu vermitteln.

Sie betreut die Tiere während, vor und nach den Dreharbeiten, weil sie deren Bedürfnisse kenne und wisse, wie die jeweiligen Tiere behandelt werden müssten. Es komme vor, dass für eine Produktion ein Hund gebraucht werde, der auf Kommando bellen kann, oder eine Katze, die ihrem Herrchen stets überall hin folgt, oder ein Tier, das auch von weiter Entfernung Anweisungen der Filmtiertrainerin befolgen kann, berichtet die Züchterin.

Verschiedene Produktionen wie der "Tatort", aber auch wesentlich kleinere Serien oder Shows im deutschen Fernsehen fragen bei der tierbegeisterten Agenturinhaberin nach dem gewünschten Tier. Für eine Anfrage durchsucht sie die Kartei. Oft aber, wenn es sich um einen Hund oder eine Katze handelt, wählt sie ein Tier aus ihrer privaten Haltung. "Über die Jahre entwickelte sich meine Leidenschaft für Tiere immer mehr, und so kam es, dass ich heutzutage selber um die zwanzig Hunde, ein schwarzes Hängebauchschwein und zwei Samtpfoten halte. Manche sind abgegebene Pflegefälle oder Hunde, die keiner mehr wollte, aber auch ein eigens gekauftes Tier. Ich erziehe jeden meiner Hunde selbst, und daher kommt es, dass ich sie in manchen Fällen auch an Produktionen vermitteln kann", sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt ist bei dieser Arbeit Grundvoraussetzung. "Den Tieren soll es immer und überall gutgehen. Wenn ein Auftrag zu stressig oder belastend für das Tier ist, wird dieser abgelehnt, denn das Wohl der Tiere steht an oberster Stelle", betont die 56-Jährige.

"An meinen ersten Auftrag als Filmtiertrainerin bin ich durch reinen Zufall geraten. Ich hatte Welpen zu verkaufen, auf meine Anzeige hin meldete sich eine Filmtieragentur. Mitarbeiter fragten nach, ob ich bereit sei, an einem Shooting mit den Welpen für eine Schuhfirma teilzunehmen. Nach kurzer Überlegung willigte ich ein. Das ist jetzt 24 Jahre her. Aus dem einen Auftrag wurden immer mehr, die Agentur kontaktierte mich nun häufiger, bis ich sie für 30 000 DM, kaufte und sie umbenannte in Aurelias Filmtiere", erklärt sie.

Zurzeit wirke sie bei der neuen WDR-Serie "Der rheinische Cowboy" mit. Sie vermittelte den Kater Platon an die Produktion, der in jeder Folge zu sehen sein wird. Sie begleitete den Dreh mit dem Kater 15 Tage lang. "Der Dreh war sehr anspruchsvoll für das Tier, da der Kater über mehrere Tage Stunden am Set verbringen musste, doch das Ergebnis war mehr als zufriedenstellend, denn das Tier konnte den Anforderungen der Produktion gerecht werden, und alles verlief so, wie es gewünscht war. Außerdem harmonierte die Zusammenarbeit von Tier und Mensch sehr gut", berichtet die lebensfrohe Trainerin.

Sie war mit ihrer Filmtieragentur schon an vielen verschiedenen Produktionen beteiligt und arbeitete mit allen möglichen Tieren. "Abgesehen von Raubtieren und Wildtieren sowie bestimmten Exoten, beispielsweise Löwen, Affen oder Giraffen nehmen wir eigentlich jeden Auftrag an, es sei denn, er wäre zu belastend für das jeweilige Tier. In meiner Laufbahn als Filmtiertrainerin habe ich schon mit den verschiedensten Tieren gearbeitet. Von Ziegen über Hunde bis hin zu Schlangen und Hühnern und sogar einer Ameise war eigentlich alles dabei."

Lebhaft berichtet die blonde Frau von einem Höhepunkt in ihrem Beruf: "Meine Kollegin und ich drehten einen Film für das ZDF: ,Das Kloster bleibt im Dorf`'. Wir hatten einen Mops aus unserer Haltung an die Produktion vermittelt und waren mit dem Hund nach Belgien zum Set gereist. Molly, der Mops, setzte das Verlangte unübertreffbar um und befolgte die Kommandos, die wir ihr gaben, sofort ohne Probleme. Dies ist eine unglaubliche Leistung für ein Tier, da man bedenken muss, dass bei einem Dreh rund dreißig Leute mit großen Kameras, Mikrofonen und anderen technischen Instrumenten um die Szene herumstehen. Alle waren begeistert von der kleinen Vierbeinerin, denn Molly brauchte für eine Szene nur einen Versuch und die Szene war abgedreht." Dabei handelte es sich um einen Einsatz, bei dem Molly aus einer Entfernung von zehn bis zwanzig Metern Kommandos der Tiertrainerin befolgen musste. Dies ist eine große Konzentrationsarbeit für den Hund. "Es war etwas ganz Besonderes, was ich selbst selten erlebt habe. Auch ist es nicht immer so einfach, zwischen dem Schauspieler und dem Tier eine gute Beziehung herzustellen, da manche Schauspieler panische Angst vor ihrem tierischen Drehpartner hatten. Aber solche Hürden konnten dann durch beruhigende Worte meistens schnell überwunden werden."

Aurelia Franke Hornung hat es nie bereut, die Agentur übernommen zu haben. Zunächst war es zwar schwierig, weil in den Karteien viele in die Jahre gekommene Tiere zu finden waren. Ein frischer Stamm von vermittelbaren Tieren musste aufgebaut werden. "Die Agentur wuchs, da ich auf Heimtiermessen Leute mit vermittelbaren Tieren kennenlernte und allgemein viele neue Kontakte zu Tierpflegern und anderen tierbegeisterten Personen entstanden", berichtet sie stolz. "Mit Tieren und Kindern soll es ja bekanntlich am schwersten sein zu arbeiten. Dies kann ich in vielen Fällen nur bestätigen, manchmal macht das ausgewählte Tier eben das, was es will. Wenn es gerade nicht in der Stimmung ist, das Gewünschte umzusetzen, sondern lieber dem Mikrofon über ihm den Kampf ansagt, dann ist das so", lächelt sie.

Informationen zum Beitrag

Titel
Mops Molly kennt keine Kamerascheu
Autor
Luna Mohs
Schule
Marienschule , Münster
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2016, Nr. 266, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180