Jeder schnappt sich einen Puck

Dutzende Eishockeyschläger in allen Farben und Größen hängen an der Wand. Schlittschuhe werden geschliffen. Die kalte Luft von frisch präpariertem Eis strömt aus der Nebenhalle der SAP Arena, denn hier trainieren die Jungadler aus Mannheim. Währenddessen warten die Sportler in voller Ausrüstung im Kabinentrakt und fiebern dem nächsten Training entgegen. Dann strömen die Spieler in ihren blauen und weißen Trikots aufs Eis. Jeder schnappt sich einen Puck und fängt an, das zu tun, wofür sie leben: Eishockey zu spielen.

Frank Fischöder ist seit 27 Jahren als Eishockeytrainer tätig und seit 16 Jahren in Mannheim Cheftrainer der Jungadler. Neben Eishockey interessiert sich der 1,83 Meter große gebürtige Dortmunder für Fußball und Rugby. Wie ist er zum Eishockey gekommen? "Zufall, alles Zufall", sagt der 44-Jährige, denn sein Vater wollte eigentlich, dass er zum Boxen geht. Jedoch verschlug es ihn zum Eishockey, wo er bereits mit 17 Jahren Schlittschuhunterricht gab. Neben Eishockey spielte er auch noch Tennis und Fußball. Er und sein Trainerstab sind für den Bereich der 16- bis 19-Jährigen verantwortlich und somit für die älteste Gruppe der Jungadler. Zurzeit gehören 430 junge Spieler zu den Jungadlern. Die jüngsten sind gerade mal zehn Jahre alt und die ältesten bereits 19.

Das Team um Frank Fischöder gewann beim Entscheidungsturnier im März 2016 seine 13. Meisterschaft. Die Deutsche Nachwuchsliga (DNL) wurde im Jahr 2000 gegründet. Somit gewannen die Jungadler aus Mannheim 13 von 16 möglichen Meisterschaften. Dieser Erfolg kommt natürlich nicht von irgendwo: Die Jungadler wollen durch die Kombination aus Schule und Sport eine breite und solide Basis für die persönliche und sportliche Entwicklung bilden. Dies geschieht mit der integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried, in der die Leistungssportler in einen Schulbetrieb eingebunden werden. "Ich bin Fan der Organisation", sagt Frank Fischöder.

"So wenig Freizeit, das könnte ich nicht" - nicht selten reagieren Außenstehende skeptisch auf den Trainingsplan der Jungadler, denn viel Freizeit bleibt ihnen nicht. Am Montag beginnt die Schule um acht und endet um 16.15 Uhr. Während andere Jugendliche ihre Freizeit genießen, geht es für die Jungadler direkt weiter zum Training, das um 17 Uhr beginnt. Dort erwarten sie eineinhalb Stunden Eistraining und Kraft- und Ausdauereinheiten. Anschließend gibt es ein gemeinsames Essen in der Kabine, um 21.30 Uhr ist ihr Schul- und Trainingstag zu Ende. Dienstags beginnt das Training bereits um 8 und endet um 9.15 Uhr, danach geht es per Shuttle Bus in die Schule. Der Mittwoch ist trainingsfrei, Donnerstag und Freitag beginnt die Vorbereitung auf das Spiel am Wochenende. Fischöder bezeichnet dieses Spiel als "Highlight der Woche", betont aber auch: "Ohne Schule gibt es aber keinen Sport, die Schule geht vor." Die schulischen Leistungen der Sportler werden überwacht und kontrolliert.

Jedes Jahr reist Frank Fischöder Ende Oktober mit seiner Mannschaft nach Amerika. Dort werden die deutschen Eishockeyspieler an verschiedenen Universitäten vorgestellt. Außerdem spielt die Mannschaft einige Spiele oder nimmt sogar an einem Turnier teil. Das Ende der Saison 2015/2016 fand in Berlin beim "Final 6" statt. Hier wurde der Meister der DNL ausgespielt.

Ziel von Fischöder und seinen Kollegen ist es, die Spieler weiterzuentwickeln. "Der wohl erfolgreichste Spieler, den ich je trainiert habe, ist sicherlich Leon Draisaitl", sagt Fischöder. Dieser spielt zurzeit in der besten Eishockeyliga der Welt, der NHL, bei den Edmonton Oilers. Außerdem bestehen 50 Prozent der deutschen Nationalmannschaft aus ehemaligen Jungadlern, 67 Spieler in der Deutschen Eishockey Liga kommen aus Mannheim. "Man sollte das machen, was einem Spaß macht", sagt Fischöder über seine Arbeit. "Wenn man auch noch Geld dafür bekommt, sollte man dankbar sein. Jedoch ist Eishockey kein Fußball, was den Verdienst angeht."

Informationen zum Beitrag

Titel
Jeder schnappt sich einen Puck
Autor
Steven Roth
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium , Frankenthal
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2016, Nr. 284, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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