Cameron ist 16 Jahre alt und hat einen eigenen Youtube-Kanal

Für Gymnasiasten bedeutet die zehnte Klasse mentale Vorbereitung auf die Oberstufe. Anders Cameron Carrasquilla: Der 16-Jährige steht bereits da, wo manche hoffen, mit 30 zu stehen. Er hat einen eigenen Youtube-Kanal. Vor eineinhalb Jahren fing Cameron Carrasquilla an, mit der Actionkamera seines Freundes kleine Clips zu drehen und zu schneiden und mit Musik zu unterlegen.

Dabei war er nur mit der kostenlosen App für die GoPro ausgestattet. Nachdem Cameron diese auf Youtube hochgeladen hatte und die Reaktionen positiv waren, hatte der Münchner ein neues Hobby gefunden. Indem er weitere Videos veröffentlichte, erhielt er immer mehr direktes Feedback und verbesserte die Qualität seiner Filme. Der Gymnasiast hat den Ehrgeiz, sich mit jedem weiteren Video zu steigern. "Learning by doing" und Youtube-Tutorials haben ihm geholfen, Grundkenntnisse in allen Bereichen zu erlangen. Einen Begriff für seine Tätigkeit gibt es nicht, Cameron sieht sich selbst als "Filmmaker", was grundsätzlich Filmen und Schneiden umfasst. Außerdem dreht er Kunstfilme, in denen er als Regisseur fungiert. An den Filmen auf Youtube verdient er nur wenig im Vergleich zu den Imagefilmen, die er beispielsweise für Autoteilhersteller dreht.

Ein wichtiges Talent, um erfolgreich zu sein, ist ein Auge dafür zu haben, was interessant sein könnte, und das dann kreativ zu verwerten. Musik untermalt die Bilder, ein guter Musikgeschmack ist von Vorteil. Die Musik harmonisch mit Bildern zu verbinden macht einen Großteil des Videos aus, allerdings muss die Musik lizenzfrei sein. Sein erfolgreichstes Video ist "If" mit knapp 13 000 Aufrufen. Das liege daran, dass Short Film im Titel immer gut ankommt und weit oben in den Suchvorschlägen erscheint, vermutet Cameron. Das Video zeigt einen Mitschüler, der in Begleitung von Musik durch die schneebedeckte Stadt läuft. Dabei legt der Protagonist immer wieder Zwischenstopps ein. "If" erzeugt eine nachdenkliche Stimmung beim Betrachter.

Außerdem erhielt der Filmmaker zu dieser Zeit seine neue Kamera. Mit der Sony a7s ii sei ein Bildstil möglich, der sich durch einen schwachen Kontrast und wenig Sättigung und Schärfe auszeichne, ferner habe die Kamera eine höhere Auflösung und höhere Framerates. "Das ist der Traum jedes Hobbyfilmers!", schwärmt der Schüler über die seiner Meinung nach beste Investition. Die 3400 Euro für die Kamera ohne Objektiv hat er sich vorerst mit seiner Mutter geteilt, die eine Tanzschule leitet. Mittlerweile zahlt er die Kosten zurück.

Als Erstes sucht Cameron sich die Musik und lässt sich von dieser inspirieren. Dann versucht er, seine Ideen in den Aufnahmen umzusetzen. Wenn das Filmen abgeschlossen ist, wird das Material importiert und mit Musik unterlegt. Was wohin kommt, weiß Cameron im Voraus. Der letzte Schritt ist die Farbbearbeitung. Das sei schwieriger, als einfach einen Filter hinzuzufügen, betont er. Farbdiagramme müssen angepasst werden. Die Vorbereitung auf ein Video fällt unterschiedlich aus. Manchmal müssen ein Mikro und ein Stativ mit, beispielsweise bei Interviews. Bei Veranstaltungen mit vielen Leuten hingegen wird aus Platzgründen nur die Kamera eingepackt. Der Übergang vom Hobby zum Beruf fand Ende 2015 statt durch das Video für eine Latinoband. Bei deren Sänger handelt es sich um Camerons ehemaligen Breakdancelehrer. Dort sprach ihn ein Fotograf an. Um das weiterführen zu können, musste der Schüler ein Kleinunternehmen anmelden. Der Musikkanal "Promoting Sounds", der Videos von amerikanischen Rappern veröffentlicht, hat ebenfalls zu seinem Erfolg beigetragen. Einer der Rapper habe ihm sogar angeboten, ihn für ein Video in die Vereinigten Staaten einfliegen zu lassen. Infolge seiner Arbeit wurde er von "Promoting Sounds" verlinkt. "Das ist eine gute Connection."

Um mit der Konkurrenz mithalten zu können, versucht der Schüler, sich von anderen abzuheben, indem er neue Ideen in seine Videos integriert. Ein Beispiel hierfür ist "Urban Exploring", was die Besichtigung verlassener Gebäude bezeichnet. Dabei finden oft Fotoshootings statt. Auch wenn es viele Kanäle gibt, die ähnliche Videos drehen, spricht Cameron mehr von gegenseitiger Hilfe als von Konkurrenz. Über Social Media beschäftigt er sich mit den Lebensläufen anderer. "Ich will einfach mein Ding machen." Das ist nicht einfach, da Cameron ein Wochenende für ein Video braucht. Dann kann er sich schlecht auf die Schule konzentrieren. Er versucht, in der Prüfungszeit weniger Aufträge anzunehmen, und hofft, das Filmen und Schneiden eines Tages hauptberuflich zu machen und ein eigenes Büro für seine Filmproduktion zu haben. Cameron möchte sich auf Imagefilme und Werbung konzentrieren. Dann muss im Dunkeln auch nicht mehr mit der Handytaschenlampe beleuchtet werden.

Informationen zum Beitrag

Titel
Cameron ist 16 Jahre alt und hat einen eigenen Youtube-Kanal
Autor
Jannik Senn
Schule
Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium , München
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2016, Nr. 290, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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