Hessische Spezialitäten für David Beckham

Oberhesse Peter Find ist Chefkoch im Ritz-Carlton, im höchsten Gebäude Hongkongs. Seinen prominenten Gästen tischt er blauen Hummer und Kuchen nach dem Rezept seiner Mutter auf.

"In Bahrein habe ich einmal Formel-1-Rennfahrer Michael Schuhmacher bekocht, aber auch Politikgrößen wie Gerhard Schröder oder die Pop-Ikone Michael Jackson", sagt Peter Find und blickt zufrieden auf die Skyline von Hongkong. Der fast zwei Meter große Küchenchef spricht gerne mit seinen Gästen, die oft keine gewöhnlichen Touristen sind: "In Hongkong sind unsere prominenten Gäste häufig aus der Musikindustrie und heißen Robin Schulz oder Lady Gaga. Aber auch David Beckham samt Familie war bei mir im Restaurant. Man hat schon Respekt vor solchen Persönlichkeiten."

Der 52 Jahre alte Oberhesse ist Executive-Chef im Ritz-Carlton Hotel in Hongkong, einem Luxushotel, das sich mit seinen 312 Zimmern in den oberen 16 Etagen des International Commercial Centre, dem höchsten Gebäude der Stadt und dem siebthöchsten der Welt, befindet. An diesem klaren Tag ist Peter Find in der höchstgelegenen Hotelbar der Welt, der Ozone-Bar, unterwegs und sucht den Kontakt zu den Besuchern, die die atemberaubende Skyline genießen. Neben der High Society der südchinesischen Millionen-Metropole sind hier auch viele Touristen anzutreffen, die im 118. Stockwerk bei dezenter Musik sündhaft teure Cocktails schlürfen. Die unbeschreibliche Aussicht von Kowloon auf Victoria Harbour, die glitzernde Skyline von Hongkong Island und die Beratung des Küchenchefs sind im Preis inbegriffen.

Peter Find ist für sechs Restaurants, die teilweise mit Michelin-Sternen ausgezeichnet sind, und 130 Köche verantwortlich. "Allerdings ist mein Beruf kein Zuckerschlecken. Der Arbeitstag beginnt um 8.30 Uhr und endet frühestens um 22 Uhr, oft auch um Mitternacht - und das bei einer Sechs-Tage-Woche", sagt der zweifache Familienvater. Der gelernte Metzger, der noch eine Kochlehre absolviert hat, gehört mit seiner beachtlichen Körpergröße von 1,93 Meter sicherlich zu den größten Küchenchefs der Welt.

Aufgewachsen in einem Dorf nahe Gießen dachte er in jungen Jahren nie daran, eines Tages im Ausland Karriere zu machen. Nachdem er in Deutschland und in der Schweiz in einigen Gourmet-Restaurants Erfahrung gesammelt hatte, gab es eine asiatische Welle, die die europäischen Gourmet-Restaurants überflutete. "Es wurde viel mit Gewürzen und Einflüssen aus dem asiatischen Raum experimentiert. Weil irgendwann alles gleich schmeckte, wollte ich wissen, wie man wirklich asiatisch kocht." Ein Praktikum 1995 im Hyatt Hotel in Singapur erschloss ihm die asiatische Kochkunst. Danach arbeitete er bis 2001 im Pierrot in Hongkong und vier Jahre im Ritz-Carlton in Bahrain. Vor sieben Jahren, mit der Eröffnung des neuen Hotels, wurde er schließlich zum Küchenchef des Ritz-Carltons in Hongkong ernannt. "Kochshows schaue ich eher selten, aber die von Johann Lafer auf dem Auslandsrundfunkkanal Deutsche Welle finde ich ganz interessant und unterhaltsam." Ab und zu verrate Lafer ein paar Tricks oder habe tolle Ideen. Lernen könne der Spitzenkoch davon allerdings wenig: "Um besser zu werden, gehe ich aber gerne auf kulinarische Reisen oder lese Bücher", sagt Find mit hessischem Akzent. Der leidenschaftliche Koch, der nur noch zwei- bis dreimal im Monat bei einem sogenannten Chef-Table selbst vor den Augen der Restaurant-Gäste Hand anlegt, stellt klar: "Morgen gibt es blauen Hummer und Kürbissuppe. Für das perfekte Ambiente ist gesorgt." Am liebsten arbeitet er mit Fisch, denn damit habe man bei der Zubereitung am meisten Möglichkeiten, und es seien viele Variationen denkbar. Wenn der Mann von seinem Beruf spricht, bekommt man Hunger: "Meine asiatischen Köche lieben hessische Linsensuppe. Die mache ich denen manchmal", witzelt er. "Ich möchte meinen Köchen den Horizont erweitern, sie inspirieren und voranbringen. Ihnen fehlt es hauptsächlich an Erfahrung. Anfangs wissen sie nicht, was man kombinieren kann, was schmeckt. Aber das kommt mit der Zeit."

Find selbst wurde von der französischen Küche geprägt, weil er lange in der französischen Schweiz gekocht hat. Er empfindet eine Affinität zur asiatischen Kochkunst, besonders zur indischen Küche, deren Gewürzvielfalt er schätzt. Seine Herkunft beeinflusst das Angebot im Luxushotel: "Besonders bei den Desserts kann man meinen deutschen Einfluss erkennen. Der Apfelkuchen wird sogar nach dem Originalrezept meiner Mutter zubereitet", verrät der fußballbegeisterte Küchenmeister. Die ersten Monate in Hongkong habe er sogar in der lokalen Kreisklasse Fußball gespielt in einem multikulturellen, wild zusammengewürfelten Team. In seiner knappen Freizeit, sonntagnachts, schaut er gerne die deutsche Bundesliga und unterstützt dabei seinen Lieblingsverein Borussia Mönchengladbach. Allgemein kommt er gut mit der Kultur und den Menschen zurecht im "duftenden Hafen", was Hongkong ins Deutsche übersetzt bedeutet. "Der Kontrast zwischen alt und neu fasziniert mich besonders an dieser Stadt", erzählt der Mann, der vor drei Jahren mit dem chinesischen "Chef Hotelier Award" ausgezeichnet wurde. Seine deutschen Tugenden sieht er als Schlüssel zum beruflichen Aufstieg: "Meine Metzger- und Kochlehre waren ganz alte Schule - knallhart. Der Eifer muss stets sehr groß sein. Beim Kochen schenkt man den Gästen Freude." Der Chefkoch ist überzeugt: "Man muss definitiv mit der Zeit gehen. Gerade kommt die klassische Küche im Familienstil wieder in Mode. Außerdem möchten meine Kunden immer mehr gesundheitsbewusstere Speisen." Aufgrund der Nachfrage nach gesundem Essen richte man an der Salatbar zehn bis zwölf organisch angebaute Salate her. "Immer mehr Gerichte sind glutose- und lactosefrei und natürlich auch vegetarisch oder vegan."

In seiner Heimat liebt Find die kulinarische Vielfalt, die sich von Jägerschnitzel, Riwwelkuche, einem Rindfleisch-Gericht, bis zur Krautsuppe erstreckt. "Für mich muss es nicht immer Gourmet sein. Viele hessische Spezialitäten werden natürlich auch von meinen Köchen in Hongkong gekocht. Außerdem habe ich ihnen beigebracht, wie man richtige Schupfnudeln und Spätzle macht", sagt Peter Find. Zu Hause kocht er gerne mit seiner Frau und seinen neun und elf Jahre alten Söhnen, die in Hongkong eine Privatschule besuchen: "Es macht Spaß, auch wenn sie noch weit entfernt von exzellenten Köchen sind." In der Rangliste der besten regionalen Kulinarik sieht Peter Find sein Bundesland Hessen ganz oben.

Informationen zum Beitrag

Titel
Hessische Spezialitäten für David Beckham
Autor
Christoph Unfried
Schule
Rosenstein-Gymnasium , Heubach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2017, Nr. 31, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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