Nur heiße Luft

David Strasmann fährt ganz ausgezeichnet Ballon

Unter lautem Getöse erhitzt ein gewaltiger Gasbrenner die Luft. Die vier Menschen auf der Wiese in der Nähe des pfälzischen Frankenthals haben zuvor den Korb vorbereitet und die riesige, blau-weiße Stoffhülle auf dem Boden ausgebreitet. Nun blasen sie mit einem großen Ventilator heiße Luft in die Hülle, die sich langsam füllt und majestätisch erhebt. Mit Hilfe seines Teams richtet David Strasmann den Korb auf und hebt ab.

"Die Fliegerei liegt bei uns in der Familie", berichtet der Ballonpilot, der kurze, braune Haare und einen Dreitagebart trägt. Vor zwei Jahren bei den World-Air-Games in Dubai belegte er den ersten Platz und im November den 19. Platz bei der Weltmeisterschaft in Japan. Durch seinen Vater ist er mit der Ballonfahrt aufgewachsen und hat mit 17 seine Pilotenlizenz erhalten. "Woraufhin ich 1999 der jüngste Pilot in Deutschland war. Ich war fasziniert davon, einen eigentlich unlenkbaren Ballon lenkbar zu machen und zum Ziel zu bringen." Auch der Leistungssport sei sofort ein Thema für ihn gewesen, sagt der lebensfrohe 35-Jährige, der bereits eine steile sportliche Entwicklung durchlaufen hat. 2005 erreichte er den ersten Platz bei der Deutschen Juniorenmeisterschaft.

Fünf Jahre zuvor trat er dem Ballon Club Mülheim 1979 e. V. bei und war zehnt Jahre lang Vorsitzender. Er hat mehr als 1000 Fahrten mit dem Gasund Heißluftballon gemacht. "Ballonfahren ist für mich eine Form der Freiheit, die wir in unserer Welt kaum noch haben. Man entflieht dem Alltag und dem Stress, der auf der Erde tagtäglich herrscht, und schaut sich das Treiben entspannt von oben an", schwärmt der Familienvater.

Eine gewisse körperliche Fitness sei Voraussetzung. "Es kommt oft vor, dass wir während einer Ballonfahrt mehrere tausend Höhenmeter durch die Auf- und Abstiege hinlegen, die den Körper herausfordern." Wichtig sei mentale Stärke, da die Piloten manchmal lange in der Luft sind. Dazu benötigt es ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, um die Winde einzusortieren und den richtigen Pfad zum Ziel zu finden. Er habe noch keinen Unfall gehabt. "Trotzdem musste ich leider schon einige Zwischenfälle und Unfälle beobachten. Fehler rächen sich schnell in der Luftfahrt. Als Pilot muss man ständig aufmerksam sein. Die Preflight-Checks sind penibel einzuhalten."

Um Kosten zu senken, sind viele Sportler über Vereine organisiert. Denn ein Ballon kostet rund 50 000 Euro. Dazu kommen die Ausgaben für Propangas, ein Zugfahrzeug und 1000 bis 1500 Euro Instandhaltungskosten im Jahr. "Wir sind seit zehn Jahren Mitglied der deutschen Heißluftballon-Nationalmannschaft und werden durch unseren Verband etwas gefördert. Wir fahren über das Jahr Passagiere und versuchen die Kosten des Hobbys somit zu decken. Es gibt in Deutschland einige Unternehmer, die sich auf Ballonfahrten spezialisiert haben und bei ordentlichem Management auch Geld verdienen können." Allerdings müssen im Sommer ausreichend Passagiere für das gesamte Jahr gefahren werden, denn im Winter wird kaum Umsatz gemacht.

Strasmann möchte sein Hobby nicht zum Beruf machen. "Dann müsste ich Ballon fahren, um die Familie zu ernähren. Aus meiner Sicht geht dabei die Leidenschaft verloren." Er hat das Glück, dass sein Arbeitgeber, die Blaser Swisslube AG, das Ballonfahren als Teil seiner Unternehmenskultur sieht. Von ihm wird er gesponsert und bekommt das Equipment zur Verfügung gestellt. Der Werbekaufmann ist als Gebietsleiter für Reinland-Pfalz, das Saarland und Teile von Hessen zuständig.

"Die schönsten Erlebnisse waren meine ersten Juniorenmeistertitel und der Gewinn der deutschen Meisterschaft 2010. Als Highlight haben wir 2014 erneut die deutsche Meisterschaft gewonnen und 2015 die World Air Games, die als Olympische Spiele der Luftfahrt gelten", berichtet der Frankenthaler stolz. Bei den Wettbewerben werden mehrere Ballonfahrten durchgeführt, bei denen Aufgaben gelöst werden müssen: Meist muss mit einem aus dem Ballon geworfenen Markierungsbeutel ein Ziel getroffen werden. "Es hilft, in der Freizeit viel Präzisionsspiele zu machen. Daher kommt es öfter vor, dass ich zum Training aus fahrenden Autos oder von Balkonen Marker werfe. Selbstverständlich werfen wir die Marker nicht im Straßenverkehr, sondern meistens auf Feldwegen, so dass es noch nie zu einem Unfall kam."

Informationen zum Beitrag

Titel
Nur heiße Luft
Autor
Martin Krüger
Schule
Albert-Einstein-Gymnasium , Frankenthal
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2017, Nr. 139, S. 30
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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