Fischen mit Franz Schwab

Rheinfischer mit Herzblut

Wenn ich früh morgens aufs Wasser gehe, bin ich alleine, und mir leisten nur die Schwäne Gesellschaft, die mich bereits kennen und begrüßen. Dann fühle ich mich frei", sagt Franz Schwab. Der großgewachsene Mann ist einer der wenigen hauptberuflichen Rheinfischer Deutschlands. Er hat nach mehr als 20 Jahren Arbeit bei Daimler seine Leidenschaft im Fischen gefunden und eifert damit dem Nebenerwerb seines Vaters nach, bei dem er bereits mit sechs Jahren mit auf dem Boot saß. Seinen eigenen Betrieb in Leimersheim im Landkreis Germersheim hat Franz Schwab unabhängig vom Vater aufgebaut.

"Reich werden kann man mit dem Fischen im Rhein nicht, es reicht gerade so zum Leben. Es ist ein schöner Beruf, aber man braucht viel Herzblut", sagt er. Vom Fischfang im gleichen Gebiet, in dem er heute unterwegs ist, konnten vor 100 Jahren etwa 200 Familien leben. Doch die Nebenkosten sind inzwischen einfach zu hoch. Laut dem Landwirt Hans Schwab, der gerne mal für ein Bier im kleinen Hof von Franz vorbeischaut, aber nicht mit ihm verwandt ist, wird die Wichtigkeit von Lebensmitteln hierzulande unterschätzt, und die Erzeuger würden zu wenig gewürdigt. Dennoch ist Franz Schwab zufrieden, ihm gefällt die Abhängigkeit von der Natur. Sowohl das Wetter als auch die Jahreszeit und der Wasserstand des Rheins bestimmen, wie sein Tagesablauf aussieht. Bei guten Bedingungen ist er drei bis vier Mal in der Woche draußen, den Rest der Zeit ist er zum Beispiel damit beschäftigt, die Netze zu flicken.

Auf seinem Hof steht ein Fischerboot aus Aluminium, eine Sonderanfertigung. An der Wand reihen sich Kisten mit Netzen unterschiedlicher Maschengröße: Von winzig kleinen bis zu riesigen Maschen ist alles dabei. In einem Becken tummeln sich einige frisch gefangene Aale. Manche von ihnen werden am Samstag in dem kleinen Räucherofen landen, der an der Hauswand steht. 20 Prozent der Fische verkauft der 59-Jährige an Privatpersonen, alles andere gehe an Gaststätten und Lokale. Er selbst mag vor allem Barsch und Aal, am liebsten leicht paniert und in der Fritteuse ausgebacken.

Der Rhein gilt als sauber und hat inzwischen Badequalität. Noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts sah es anders aus, der Rhein war verdreckt, und es gab kaum Fische. "Jeder warf seinen Müll in den Rhein, heute jedoch zahlt man dafür hohe Strafen", sagt Franz Schwab, "es brauchte aber einen Gewaltakt wie den Sandoz-Unfall, um die Leute zu erziehen." Doch nun gebe es ein Bewusstsein für den Lebensraum Rhein, man würdige und pflege ihn, mit der Wasserqualität gehe es "stetig bergauf".

Zudem ist Schwab im Dienste der Wissenschaft unterwegs: Seit 2008 hat er das Monitoring-Programm für Rheinland-Pfalz übernommen. Im Zuge dieses Pilotprojekts untersucht er die Fischbestände. "Der Rhein ist überall anders, jeder Meter des Bodens ist unterschiedlich, und dadurch sind auch die Bewohner überall andere." Um vor allem die Jungfische bei den Untersuchungen nicht zu töten, verwendet der Pfälzer eine besondere Technik: das Elektrofischen. "Ich bin einer der wenigen, die das dürfen. Man braucht dafür eine extra Erlaubnis, die man nur unter besonderen Umständen bekommt", sagt er stolz. Bei dieser Technik hält er den Minus-Pol eines Stromkreises ins Wasser und verwendet dann den Plus-Pol als Kescher, um die Fische zu fangen und zu betäuben. "Ich muss den Wechselstrom, der vom Generator auf dem Boot erzeugt wird, erst in Gleichstrom umwandeln, denn sonst würde ich sie töten", erklärt er. Der Lohn für die wissenschaftliche Arbeit mache etwa die Hälfte seines gesamten Einkommens aus.

"Neid ist schlimm", macht Schwab deutlich, als er von seinen Problemen mit Anglern erzählt. Zwei bis drei Mal im Monat müsse er die Polizei holen. "Sie zerschneiden Netze und machen mir somit meinen Beruf sehr schwer." Denn entweder seien die Kormorane oder die Berufsfischer dran schuld, wenn sie nichts an der Angel haben. "Zum Glück bekommen wir viel Unterstützung vom Land, sonst würde es nicht funktionieren." So führt die Polizei verstärkt Kontrollen durch und verhindert einige Vorfälle. Am Abend wird Franz Schwab wieder mit seinem Boot hinausfahren, um Netze auszulegen und morgen früh den frischen Fang einzuholen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Fischen mit Franz Schwab
Autor
Ole Frederik Dreßler
Schule
Internatsschule Schloss Hansenberg , Hansenberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.07.2017, Nr. 175, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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