Familien aus Zirbenholz

Oberammergau führte den Bonner zum Krippenbau

Auf einem umgedrehten Baumpilz befinden sich Figürchen, die Maria und ihren Sohn Jesus verkörpern sollen. Ein Schaf gibt es auch. Die kleinen Krippen aus Naturmaterialien stehen den großen Krippen, die der Bonner Wolfgang Mans ebenso baut, in nichts nach. "Schauen Sie sich um!" Die tiefe Stimme erfüllt den Ausstellungsraum im obersten Stockwerk des Wohnauses des Krippenbauers und Holzdesigners. Auf Regalen befinden sich Krippenställe, Uhren, Schmuckschatullen, Kugelschreiber, Kugeln, Schalen, verschiedene Figuren und Tiere und vieles mehr. All diese Kunstwerke sind aus Naturmaterialien gefertigt und handgemacht.

Vor zwölf Jahren machte Wolfgang Mans mit seiner Frau im bayrischen Oberammergau, einem Paradies für Schnitzer, Urlaub. Seine Frau war begeistert von den dort ausgestellten Krippen und wollte eine kaufen. "Aber wie wir Männer halt so sind, meinte ich: Das kann ich doch auch selber machen." Zu Hause angekommen, fing er an, eine eigene Krippe zu bauen. Kurz darauf erhielt er Anfragen von Bekannten.

Nach der Schule hat der 61-jährige als Personenschützer und Fototechniker gearbeitet, wechselte schließlich zur Bank. Den Krippenbau betrieb er zunächst nach Feierabend. Mit der Zeit gab es immer mehr Anfragen. "Die Bank war nicht mehr die, die ich einst kennengelernt hatte." Vor sieben Jahren wagte er den Schritt in die Selbständigkeit. "Meine Familie und meine Kollegen erklärten mich für verrückt, meinen Job für das Krippenbauen aufzugeben. Natürlich war es gewagt, aber es entwickelte sich schnell zu einem Selbstläufer", erzählt der hochgewachsene Mann. "Die Ideen dazu kommen einfach. Das kann auch mal mitten in der Nacht sein. Dann stehe ich eben um vier Uhr morgens kurz auf, um die Idee festzuhalten." So fertigte Mans zum Beispiel vor kurzer Zeit zwei Figuren aus Holz an, die auf einer Platte befestigt sind und sich drehen lassen. Sind die Körper der Figuren voneinander weggedreht, weiß der Partner, dass er lieber Abstand halten sollte. Anders ist es, wenn die Köpfe zueinander geneigt sind.

Für größere Zirbentöpfe benötigt er etwa eineinhalb Stunden, für Krippen allerdings auch mal bis zu sechzig Arbeitsstunden. Seine Anfertigungen stehen "außer in Afrika auf der ganzen Welt". Eine besondere Krippe ziert eine Kirche im ostbelgischen Eupen. Ihre Maße sind enorm: zwei Meter Breite, 1,80 Meter Höhe und ein Meter Tiefe. Der Bürgermeister hatte sich eine Krippe mit einer Wurzel gewünscht. "Ich bin mit Zollstock losgezogen und habe schließlich auf 1600 Höhenmetern eine passende Wurzel gefunden. Diese musste ich natürlich heruntertragen, um sie in mein Auto laden zu können. Das war vielleicht mühsam", erinnert sich Mans lachend.

Wolfgang Mans ist im Internet auf einer Seite für Kunsthandwerker vertreten. Zudem ist er auf Ausstellungen und Märkten unterwegs. "Aber nur auf kleineren! Die großen Weihnachtsmärkte in den Städten sind mir meist zu kommerziell. Da sieht jede Krippe aus wie die andere. Das finde ich nicht schön."

Das Krippenbauen und Bearbeiten des Holzes hat er sich selber beigebracht. Er probiert vieles aus. Seit einiger Zeit arbeitet er viel mit duftendem Zirbenholz, das er aus Südtirol importiert, ansonsten verwendet er einheimisches Arten, wie zum Beispiel Esche, Pflaume oder Kirsche. "Mittlerweile ist es so, dass Bekannte, wenn sie einen Baum fällen, fragen, ob ich das Holz bräuchte." Hinter dem Wohnhaus befindet sich nicht nur die Werkstatt des Krippenbauers, dort lagert er auch seinen Holzbestand. "Manche Hölzer müssen über eine längere Zeit gelagert werden, bevor man sie bearbeiten kann", erklärt Mans. Für die Fertigung von einigen Stücken, wie den Schalen oder Kugelschreibern, verwendet er eine Drechselbank, die er nur mit einer Schutzmaske bedient. Trotz Maske und des Alters des Holzes sei es erstaunlich, dass man bei Pflaumenholz die Pflaumen und bei Kirschholz die Kirschen bei der Bearbeitung rieche. Mans strahlt. "Es ist schon ein toller Gedanke zu wissen, dass in Belgien oder Neuseeland auch eine Krippe von mir steht und andere Menschen erfreut."

Informationen zum Beitrag

Titel
Familien aus Zirbenholz
Autor
Vivian Maas
Schule
Tannenbusch-Gymnasium , Bonn
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2017, Nr. 299, S. 26
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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