In 30 Jahren um die Welt

In 30 Jahren um die Welt

Weltenbummler Boffa hält es nicht lange in Schwaben
 
Wir haben nur die halbe Welt geschafft", lacht Kfz-Elektriker Wolfgang Boffa, wenn er von seinen 18-monatigen "Flitterwochen" erzählt. "Ich bin Weltenbummler mit Herz und Seele." Gespannt hört man dem 46-Jährigen mit den ersten grauen Haaren in seiner Lockenpracht zu, wenn er von einer totenstillen Nacht in der Sahara oder vom Großstadtlärm New Yorks oder Hongkongs berichtet. Das Reisen sei "wie eine Sucht". Er halte es nie allzu lange daheim aus. In seinem Büro, in dem er, wenn er nicht als Hausmann seiner Frau den Rücken freihält, seine Einnahmequellen Miete, Anlageberatung und Voltaik-Stromerzeugung verwaltet, grübelt er über neuen Routen.

1983 von der Bundeswehr entlassen und gefrustet über das Ende einer Beziehung, entstand aus einer Bierlaune heraus die Idee, die Welt zu bereisen. Mit einem Bekannten machte sich der 19-Jährige mit einem für 300 Mark gekauften "Schwalbenschwanz-Mercedes" auf und davon nach Jugoslawien, Ostanatolien und nach Ägypten. Boffa begeisterte die Gastfreundschaft, die ihm immer wieder entgegengebracht wurde. Als sie in Ägypten einen Platten haben, hilft ihnen ein Einheimischer. "Es war phantastisch. Wir waren total aufgeschmissen. Bis dieser verschleierte Mann auf uns zukam, das Rad in Windeseile wechselte, wieder auf seinen Karren sprang und davonfuhr."

Mit dem Verkauf ihres Autos finanzieren sie Flugtickets nach Italien, wo sie bei Verwandten des Halbitalieners Boffa in Kampanien unterkommen. Er trampt heim und legt einen Zwischenstopp in Amsterdam ein. "Als ich wieder nach Deutschland einreisen wollte, sahen die vom Zoll nur einen seit vier Monaten unrasierten 19-jährigen Rucksacktouristen, der aus Holland kam. Die nahmen mir mein Reisegepäck auseinander und durchsuchten meinen Körper nach Drogen, ohne etwas zu finden." Wenn "Cleverle" Boffa jetzt mit dem Flieger aus einem Drittweltland, indem es viele Waffen und Drogen gibt, heimkehrt, wartet er einfach, bis die nächste Maschine aus Mallorca oder Ibiza kommt und läuft dann entspannt mit den Familien durch den Zoll. "Seither nie wieder Probleme gehabt", lacht er.

Fünf Monate reiste er 1987 mit dem Rucksack durch China. "Manchmal wenn ich am Bahnhof in mein Tagebuch schrieb, dachte ich: Verdammt, ist das schon wieder dunkel geworden. Dabei wurde ich nur von einem Dutzend Chinesen beäugt." 1990 heiratete Boffa seine Marlies und ging mit ihr auf Weltreise. Mit einem Opel-Blitz von Bartholomä auf der Schwäbischen Alb aus nach Katmandu und von da mit dem Flieger nach Neuseeland und Australien. Die folgenden Jahre wurden ruhiger, da Boffa dem Motto "Schaffe, schaffe, Haisle baue" verfiel. Erst 1999 startet er mit seinem Vater und seinen zwei Söhnen mit dem Wohnmobil quer durch Amerika. Boffa ist ein Sparfuchs. 1000 Euro im Monat ist seine Reisekostenkalkulation. "Ich laufe auch ein bis zwei Stunden zu einer Sehenswürdigkeit, nur weil ich nicht einsehe, zehn Euro für einen Parkplatz direkt davor zu bezahlen." Einnahmen, die er mit Vorträgen über seine Reisen macht, spendet er sozialen Projekten. Ihn wundert, wo überall er auf Deutsche stößt. Ob ein Holzfabrikant im Dschungel Brasiliens oder ein Fahrradfahrer in Sibirien. Gerne erinnert er sich an einen Abend mit einem deutschen Braumeister in der Mongolei. In welchem der mehr als 100 bereisten Länder war es am schönsten? "Überall und nirgendwo. Wenn ich reise, lebe ich intensiver, erfüllter, von innen heraus."

Informationen zum Beitrag

Titel
In 30 Jahren um die Welt
Autor
Christian Geil
Schule
Rosenstein-Gymnasium , Heubach
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.05.2011, Nr. 115, S. N8
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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