Die Kiwis findet er nett

Die Kiwis findet er nett

So weit weg, wie es nur möglich ist, an das andere Ende der Welt. Das ist nur ein Reiz, der Neuseeland für mich ausmacht", sagt Philip Schallermaier aus Friedberg nahe Augsburg. "Für längere Zeit ins Ausland zu gehen war schon mein großer Traum, als ich zehn Jahre alt war." Das Motto lautete "Work and travel", was so viel heißt wie: durch das Land zu reisen, gelegentlich zu arbeiten und so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Trotz Planung waren die ersten Tage nach der Landung in Auckland für Philip schwierig. "Anfangs hatte ich einige Schwierigkeiten, zum Beispiel im Umgang mit Geld. Man muss anfangen zu rechnen, um über die Runden zu kommen. Zuerst habe ich viel zu viel für unnötige Luxusgüter ausgegeben wie Fast Food." Für sechs Monate muss man etwa 6 500 Euro zur Verfügung haben, wenn man nicht arbeiten will, wobei das Arbeitenwollen einige Probleme bereitet. Eine Stelle zu finden ist nicht leicht, da Muttersprachler bevorzugt werden. Arbeit hat der damals 21-Jährige dann in einem Hostel gefunden, das nötige Arbeitsvisum hatte er noch in Deutschland im Internet beantragt. Für 100 Euro erhält man die Arbeitserlaubnis für ein Jahr.

Philip arbeitete in Mount Maunganui, einem beschaulichen Ort an der Ostküste der Nordinsel. Abgesehen von einigen Ausflügen in das Umland, der Tagesablauf ähnlich war. Vorher hatte er oft am Strand gecampt und sich manchmal eine Übernachtung im Hotel geleistet, dank des Jobs konnte er nun in einem gemütlichen Hostel wohnen. Vormittags arbeitete er, und nachmittags stand Surfen auf dem Plan. Der neu entdeckte Wassersport hatte Priorität. Das sah man Philip an: braungebrannte Haut, die langen Haare ausgebleicht von Sonne und Salzwasser, Bartstoppeln bedeckten das Gesicht.

In jedem Jahr reisen 60 000 Deutsche nach Neuseeland. "Es gibt so viel Schönes hier. Ich habe Wale und Pinguine gesehen, aber auch versteckt im Wald liegende Wasserfälle, Gletscher und Vulkane, die unglaublich schön waren." Dennoch fehlten ihm Freunde und Familie. "Ich hatte zwar die Möglichkeit, zu telefonieren und Mails zu schicken, doch die große Entfernung wird hier erst deutlich, vor allem durch die zwölf Stunden Zeitverschiebung, was alles noch komplizierter macht." Zudem sind die Kosten enorm hoch. "Umgerechnet zahlte ich zwei Euro für zwanzig Minuten im Internet."

Den Alltag fand er entspannter. "Ich glaube, dadurch hat sich auch meine Lebenseinstellung verändert, und ich habe einen Teil dieser Mentalität übernommen." Die Kiwis, so nennen sich die Einwohner Neuseelands selbst, beschreibt er als äußerst hilfsbereit und nett. "Es ist jetzt schon oft vorgekommen, dass mir Leute anboten, mich bei sich zu Hause für ein paar Tage aufzunehmen, nachdem ich am Strand zelten musste, weil kein Hostel in der Nähe war." Seit seiner Rückkehr arbeitet er als Groß- und Außenhandelskaufmann. "Es war mir wichtig, schon vorher die Zeit nach meinem halben Jahr Auslandsaufenthalt zu planen." Zurückkehren nach Neuseeland wird er irgendwann, das ist sicher, und wenn es nur für ein paar Wochen im Winter ist, um sich am anderen Ende der Welt den Sommer zurückzuholen.

Informationen zum Beitrag

Titel
Die Kiwis findet er nett
Autor
Sandra Schmid
Schule
Wernher-von-Braun-Gymnasium , Friedberg
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2011, Nr. 154, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

Beruf und Chance

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