Boah, ich kann zur Black Music super abgehen

Ey Timo, fährst du heute auch nach Schüttorf ins Index?" "Hm, ich würde wohl gerne, aber ich weiß nicht, wie ich dahin kommen soll. Habt ihr noch einen Platz frei, Angela?" "Nee, ich bin letztes Mal schon gefahren und will diesmal wohl was trinken." Ein typisches Gespräch zwischen Schülern des Werner-von Siemens-Gymnasiums in Gronau an einem Freitagmorgen. Jeder brennt nur so darauf, im Index, einer der größten Diskotheken Deutschlands, mit seinen Freunden abzufeiern.

Ist die Fahrgelegenheit nach langer Suche und anstrengenden ICQ-Gesprächen endlich gefunden, kann es mit dem Styling losgehen. Sitzt die Frisur, das kleine Schwarze, die Atzenbrille und das Make-up perfekt, beginnt das Vortrinken. Mit Wodka, Korn und Rum wird sich dann ordentlich die Kante gegeben. Bei den Mädels darf es auch mal ein Gläschen Sekt sein. Gegen 23 Uhr torkeln dann alle in das Auto von Annas Vater. Im vollen Partyrausch wird zu sämtlichen Liedern mitgegrölt. Schon kurz vor der Ausfahrt nach Schüttorf sieht man die gigantischen Scheinwerfer des Index die Nacht erhellen. Nach einer stressigen Fahrt für den Fahrer und aufregenden für die Partylustigen wartet bereits eine Horde 16-Jähriger mit ihren halbausgefüllten Jugendschutzformularen auf die vermeintlichen Volljährigen. Mit jeweils zwei Anhängseln im Schlepptau stellen sich Timo, Angela, Jessica und Anna in der langen Schlange an.

Das größte Hindernis sind nun die Bodyguards, denn sie nehmen ihren Job ernst und gewähren weder minderjährigen noch betrunkenen oder pöbelnden Jugendlichen Eintritt. An der Kasse zückt die Clique ihre Membercards. Nun kann die Party richtig losgehen. Doch dazu müssen sie sich erst einmal entscheiden, in welche der fünf Tanzareas sie sich begeben.

"Oh, hier im Tender ist es ja voll geil", sagt Anna. "Hier laufen ja alle aktuellen Charts. Und guckt euch diese Laser an. Ich will hier unbedingt bleiben." Jessica ist dagegen: "Boah nä ey, lass mal in die Clubdisco, da gefällt mir die Musik besser, und ich kann zur Black-Music super abgehen."

Angela sagt: "Oh, in der Schlagerküche läuft ,Wahnsinn' von Wolfgang Petry. Ich steh da total drauf." Timo ist gestresst: "Können wir nicht Pause machen? Ich geh jetzt erst mal im gemütlichen Sommergarten mit Pool und Sitzkissen eine rauchen." "Das ist doch doof, wenn wir uns jetzt trennen", findet Angela. "Lasst uns einfach an einer der 27 Bars einen trinken gehen. Wie wäre es mit der Boogie-Lounge über der Clubdisco. Da kannst du auch eine rauchen und dich hinpflanzen." Nach zwei Getränken je Person entscheiden sie sich hinunterzugehen und zur Black-Music abzudancen. Dort tanzen sie dann mit vollem Elan auf einer der vier Drehplatten. Anna, Timo, Jessica und Angela suchen sich die Gronauer Drehplatte aus, die größtenteils von Gronauern besetzt ist. Doch wer meint, dort wird ausschließlich getanzt, irrt sich. Denn auch für genügend Lästerstoff ist gesorgt. Schon entdeckt Lisa die üppige Mandy, die sich in ein viel zu enges und kurzes Leopardenkleid gequetscht hat, dazu weiße Stiefel trägt und mit dem zehn Jahre älteren Hakan rummacht. Weil sie sich ihren Kommentar nicht verkneifen kann, stürmt Anna auf die anderen zu und sagt: "Boah, was ist das denn für eine Assibratze? Hier laufen ja Minderjährige rum. Das kann man uns doch nicht zumuten."

Da Getränke ihre Wirkung zeigen, suchen sie eine der zwei Toiletten auf. Ist der Lipgloss nachgezogen, wird noch einmal das Tender gerockt. Auf dem Tresen tanzen sie so lange, bis die Absätze zu spüren sind und Timo völlig fertig mit der Welt ist. Zusammen mit Jessica geht er in den Sommergarten. Als er den Pool erblickt, springt Timo in voller Montur hinein. Währenddessen sichtet Jessica einen, wie sie sagt, "heißen Typen" an der Bar. Sie zögert nicht und steuert auf die Bar zu. Mit ihrem charmantesten Lächeln und Augenzwinkern macht sie ihn schnell auf sich aufmerksam. Zur gleichen Zeit suchen Angela und Anna verzweifelt in der unübersichtlichen Menge Timo und Jessica. Im Goldfisch, wo gerade Elektromusik läuft, machen sie halt und raven mit der Masse mit. Das lässt sie die Ausschau nach den anderen vergessen. Nach ein paar Wattestäbchen-, Rasenmäher- und Pfeffermühlenmoves steht Timo plötzlich klitschnass vor ihnen. Vor lauter Lachen verschüttet Angela ihr Getränk auf eine korpulente Rockerbraut. Diese zögert nicht lange und schüttet ihr Getränk auf Angelas Kopf. Total am Ende beschließt Angela gemeinsam mit Timo und Anna im Panic Room ihren Frust wegzutanzen. Einige Minuten rumgezappelt, erscheinen Jessica und Hendrik - der heiße Typ von der Bar - auf der Tanzfläche und hampeln ordentlich mit.

Da Timo und Angela sich doch ein wenig zu nass fühlen, Jessica so schnell wie möglich mit Hendrik nach Hause verschwinden will und Anna eh kein Bock mehr hat, gehen alle zusammen nach draußen. Trotz vorbestelltem Taxi müssen die vier eine weitere halbe Stunde in der Kälte mit dünnem Jäckchen und nassem T-Shirt warten. Schlecht gelaunt, aber dennoch zufrieden mit dem Abend, werden sie zurück nach Gronau oder in den Nachbarort Epe gebracht. Um sechs Uhr morgens fallen sie dann einzeln ins Bett. Bis auf Jessica und Hendrik. (Alle Namen wurden geändert.)

Informationen zum Beitrag

Titel
Boah, ich kann zur Black Music super abgehen
Autor
Chantal Czukwinsky, Marvin Tomm
Schule
Werner-von-Siemens-Gymnasium
Quelle
Gronau
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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