Gut im Bilde sein

Viele Menschen rennen hektisch und wild umher, telefonieren, montieren und dirigieren. Letzte Vorbereitungen werden getroffen, bevor es richtig los geht und alles auf Anhieb funktionieren muss. Nicht weit entfernt von dem ganzen Trubel erstreckt sich eine große grüne Rasenfläche, die von Scheinwerfern beleuchtet wird. Ansonsten ist es ziemlich dunkel, gegen Abend und zehn Minuten vor Sendebeginn. Rüdiger Brauch befindet sich derzeit mit einigen seiner Arbeitskollegen in einem Übertragungswagen. "Meine Aufgabe hier ist es, dafür zu sorgen, dass ein ordentliches Bild beim Sender ankommt, damit die Leute zu Hause die Show live miterleben können."

Rüdiger Brauch ist 51 Jahre alt und arbeitet seit 11 Jahren bei der Fernsehübertragungsfirma AKK, Anstalt für Kabel- und Kommunikationstechnik, in Ludwigshafen am Rhein. Die Hauptaufgabe der Firma besteht darin, Übertragungen von Sportveranstaltungen, Musikfestivals oder Regierungstreffen für größere Sender wie zum Beispiel das ZDF zu ermöglichen. Dies gelingt ihnen jedoch nur, wenn sie ein billigeres Angebot offerieren als andere Übertragungsfirmen.

Brauch hatte nach einem gescheiterten Versuch sich selbständig zu machen und einigen Jahren bei einem Elektrogroßhandel "Lust auf etwas Neues und Spannendes", wie er sagt. Da er keine großen Vorkenntnisse hatte, war Weiterbildung zunächst ein Muss. Dazu gehörte zum Beispiel der Lkw-Führerschein, da er teilweise 26 Tonnen schwere Fahrzeuge im Wert von zwei Millionen Euro zu fahren hat. Reiseziele sind dabei unter anderem die Türkei, Sardinien und Irland, aber auch nahe gelegene Länder wie die Schweiz und Tschechien.

Erschwert wird die Arbeit jedoch des Öfteren durch Zollgrenzen, die frühzeitig schließen, oder durch beschränkte Fahrerlaubniszeiten. "Aber nicht jeder Tag verläuft so interessant", berichtet der 49-jährige Familienvater. Zwischen den Übertragungen fallen Arbeiten wie Apparaturmontagen, Aufräumen und Lastentragen an. "Also der Tag heute hat für mich um 11 Uhr bei der AKK begonnen. Eine Viertelstunde später sind wir, ein weiterer Kollege und ich, mit dem gestern vorbereiteten Übertragungswagen nach Mannheim losgefahren. Nach unserer Ankunft um 12 Uhr und einem Gespräch mit dem Aufnahmeleiter standen wir um etwa 14 Uhr schließlich auf unserem Sendeplatz. Im Anschluss folgten Besprechungen, Aufgabenverteilung und Hochfahren des Übertragungswagens. Und nun warten wir auf ein Zeichen, damit wir anfangen können zu senden."

Kurze Zeit später ist es dann so weit. Es werden viele Knöpfe, Hebel und Schalter bedient, bis auf den Monitoren im Übertragungswagen ein klares Bild von dem Fußballspiel zu sehen ist. "Heute scheint zum Glück alles zu funktionieren. Wir hatten jedoch schon Tage, an denen auf Grund von überlasteten Stromkreisen fünf Minuten vor Sendebeginn der ganze Strom weg war und wir keine Bilder senden konnten. Jetzt, wo alles geklappt hat, muss ich lediglich darauf achten, dass die Farben der Bilder stimmen und die Bildübertragung nicht abbricht."

Die Bilder werden über eine Satellitenverbindung, die Brauch vorher entsprechend eingerichtet hat, an den Sender geschickt. Der Sender wiederum schickt die bei ihm ankommenden Daten nach weiteren Bearbeitungen anschließend an den Astra-Satelliten, damit jeder Haushalt die Sendung empfangen kann.

"Der Zuschauer bekommt von dem Ganzen gar nichts mit", sagt Brauch. Für alle Mitarbeiter jedoch wird dieser Tag ein langer Tag. Sie arbeiten bis zum Ende der Übertragung um 23 Uhr. Im Anschluss folgt der Abbau, das heißt alle Kabel wieder einrollen, alle Apparaturen wieder demontieren und alles einpacken. Die ganze Crew freut sich über ihre gelungene Arbeit, denn jeder geglückte Auftrag bietet die Grundlage für weitere Aufträge.

Informationen zum Beitrag

Titel
Gut im Bilde sein
Autor
Sina Brauch
Schule
Paul-von-Denis-Gymnasium , Schifferstadt
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.11.2011, Nr. 267, S. N6
Projekt
Jugend schreibt
Kategorie
Print

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