So anders als hier

Ich würd's auf jeden Fall noch mal machen." In diesem Punkt sind sich Maria Kleinemas und Barbara Zeyer einig, auch wenn ihre Ziele deutlich unterschiedlich ausfallen würden. Das, was sie jederzeit wiederholen würden, ist ein Schüleraustausch. Die 18-jährige Maria hat ein Jahr in Kanada verbracht und kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus: "Es war so anders als hier. Man lebte in einer wunderschönen großen Stadt, die sowohl Berge als auch Meer zu bieten hat." Ihre Heimat für ein Jahr war Vancouver. "Hier in Deutschland lebe ich wirklich in einem Kaff", sagt Maria über ihren Heimatort Ramsloh im Saterland im Norden des Landkreises Cloppenburg. Ähnlich sieht es die 17-jährige Barbara, die in dem kleinen Ort Bösel in der Nähe lebt. Allerdings war das Ziel ihrer Austauschreise ebenfalls ein Dorf, das die Größe Bösels sogar unterbot. "Das lag daran, weil die Austauschorganisation dafür sorgte, dass man in ein ungefähr gleiches Umfeld kommt. Das war anfangs allerdings alles andere als schön", sagt sie. Während Maria in einer Gesamtschule in Vancouver viele, vor allem deutsche Austauschschüler um sich hatte, fühlte sich Barbara in Wongaling im australischen Queensland oft alleine. "Ich hatte niemanden, mit dem ich richtig über meine Probleme sprechen konnte, da sie einfach niemand nachvollziehen konnte. Ich war die einzige Austauschschülerin weit und breit. Ich hatte ganz am Anfang und etwa in der Hälfte des Aufenthaltes schlimmes Heimweh und wollte nur noch weg." Als einzige Ausländerin war sie gezwungen, immer Englisch zu sprechen. "So hatte ich nur am Anfang Probleme, mich flüssig zu artikulieren. Im Laufe der Zeit war es dann teilweise schwieriger auf Deutsch zu kommunizieren", berichtet die Brünette. Maria war nie besonders gut in Englisch, deshalb informierte sie sich über Austauschorganisationen: "Abgesehen von vielen Formularen war das eine einfache Angelegenheit. Ich habe mich dann für Kanada entschieden. Das hat den Vorteil, dass man sich dort die Gastfamilien bis zu einem gewissen Grad noch aussuchen kann. Das ist in vielen Ländern ganz anders." So wie bei Barbara, die die Familie wechseln wollte, da sie sich von der Gastmutter nie wirklich angenommen gefühlt hat: Sie habe Barbara mehr als Au Pair gesehen und als Haushaltshilfe genutzt. "Sie hielt Deutschland für ein Land voller Hinterwäldler und fragte mich tatsächlich, ob wir zu Hause einen Kühlschrank hätten", klagt die 17-Jährige. Mit ihrem Gastvater und Gastbruder kam sie sehr gut klar. "Ein Wechsel hätte sich aber nicht gelohnt, da ich ja nur für drei Monate in Australien war." Maria hingegen hat in ihrem Auslandsjahr nach einem halben Jahr die Familie gewechselt. "Meine erste Gastfamilie war recht streng, erwartete viel Disziplin und blieb auf Distanz. Des Weiteren wohnte sie sehr weit von meiner Schule entfernt. Viele Schüler sind nur für sechs Monate in Kanada, und daher wurden nach diesem Zeitraum viele Familien wieder frei. Somit war es kein Problem, die Gastfamilie zu wechseln. Meine zweite Familie war super. Sie wohnt nur fünf Minuten von der Schule entfernt und ist sehr nett."Maria fand die Freizeitangebote besonders toll. "Wenn man wollte, konnte man Ski und Kanu fahren, was ich auch oft getan habe." Auch den Unterricht fand sie gut: "Ich hatte bei meinen insgesamt acht Kursen drei mit dem Thema Kunst. Man hat jeden Tag vier Schulstunden, die allerdings 80 Minuten dauern." Barbara empfand die Schule ebenfalls als sehr angenehm. "Das Schulleben ist viel entspannter als hier. Die Umstellung war witzig, da einem hier die Schulstunden viel kürzer vorkamen."

Informationen zum Beitrag

Titel
So anders als hier
Autor
Carina Meyer Albertus-Magnus-Gymnasium, Friesoythe
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2010, Nr. 98 / Seite N6
Projekt
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