Jugend und Wirtschaft - das ist wie Rotwein mit Schokolade. Auf den ersten Blick passt die Kombination nicht recht zusammen, aber wenn man erst einmal probiert hat, kommt man auf den Geschmack.
Berührungsängste sind völlig normal. Bei fast allen Schülern der gymnasialen Oberstufe, die von ihren Lehrern gefragt werden, ob sie mit ihrem Kurs am Projekt „Jugend und Wirtschaft" teilnehmen möchten, löst das sperrige Thema Wirtschaft erst einmal Entsetzen aus. Denn sie assoziieren es mit der wichtigen, aber für sie fernen Frage, worin denn die Vorteile einer nachgelagerten Rentenbesteuerung liegen oder durch welche fein gefinkelten Wertpapiere die Finanzmarktkrise ausgelöst wurde. Sobald sie aber erkennen, dass es im wirklichen Leben so gut wie nichts gibt, was nichts mit Wirtschaft zu tun hat, entwickeln sie oft schon nach kurzer Zeit Begeisterung.
Sie müssen sich nur trauen. Dann bekommen Sie nicht nur die F.A.Z. und die Sonntagszeitung ein Jahr lang nach Hause geliefert, um sie zu lesen – Sie schreiben auch für die Zeitung. Mit dem Projekt „Jugend und Wirtschaft", das wir in Partnerschaft mit dem Bundesverband deutscher Banken anbieten, wollen wir unseren Lesern nämlich zugleich Ihre jugendliche Sicht auf das Wirtschaftsgeschehen präsentieren. Das aufzuschreiben ist gar nicht einfach. Wer Wirtschaft erklären will, muss zunächst die Zusammenhänge verstehen. Für Sie als Teilnehmer kommt bei diesem Projekt der ungewohnte Umstand hinzu, dass Sie sich Ihre Themen selbst suchen sollen. Zehn Jahre Erfahrung zeigen aber, dass das bestens funktioniert.
So entstehen erstaunliche Beiträge. Ein Schüler geht zum Beispiel ins Gefängnis und fragt die Insassen nach Ausbildungsmöglichkeiten und Verdienst in der JVA-Werkstatt. Das ist nicht viel: Der Bettler, dem eine Schülerautorin Informationen über seine Einkünfte abgerungen hat, bekommt deutlich mehr. Andere berichten von mobilen Toilettenhäuschen, Tierbestattungen und vom Aufstand der Gartenzwerge. Oder sie gehen urdeutschen Exportschlagern wie Narrenkappen, Kuckucksuhren, Maultaschen und Wanderstöcken auf den ökonomischen Grund. Bei der Recherche sprechen sie mit Wirtschaftsführern, Ingenieuren, Professoren, Politikern und Schriftstellern. Manch einer entdeckt um die Ecke außergewöhnliche Unternehmen, die sich vor den professionellen Berichterstattern bisher erfolgreich verstecken konnten – etwa einen schwäbischen Dessoushersteller, der Marktführer bei Dirndl-BH ist, oder ein Online-Wörterbuch, das den gedruckten Lexikon-Anbietern Konkurrenz macht. Auch an die harten Wirtschaftsthemen wagen sich die Schüler heran. Wie sich die Kommunen mit sinkenden Gewerbesteuersätzen die Unternehmen abspenstig machen wurde beschrieben, und wie die Rundfunkanstalten den Bürgern in die Tasche greifen. Manchmal ist die Recherche auch angenehm: Eine Schülerin war im Dienste von „Jugend und Wirtschaft" auf dem Oktoberfest, um in Erfahrung zu bringen, dass dort wesentlich mehr Wasser als Bier verbraucht wird.
Ins Wasser geschmissen wird aber niemand. In einem mehrtägigen Einführungsseminar machen wir die Lehrer für das Projekt fit, damit sie Ihnen bei Themensuche, Recherche und Schreiben helfen können. Auch wir unterstützen Sie, und es gibt umfangreiches Unterrichtsmaterial.
Die besten Artikel veröffentlichen wir auf der Seite „Jugend und Wirtschaft", die an jedem ersten Donnerstag im Monat im Wirtschaftsteil der Zeitung erscheint. Für die allerbesten gibt es Preise.
Dr. Lukas Weber, projektverantwortlicher Redakteur.
Stimmen zum Projekt
Ehem. BdB-Hauptgeschäftsführer Manfred Weber bei der Preisverleihung 2005: „Wer über Wirtschaft schreiben will, muss Wirtschaft verstehen."
Ehem. Präsident des BdB Klaus-Peter Müller bei der Preisverleihung 2007: „Die Grammatik des Wirtschaftens lernt man nur in einem eigenen Schulfach Wirtschaft."
F.A.Z. Herausgeber Holger Steltzner zum siebenjährigen Bestehen des Projektes: „Wir wissen aus eigenem Erleben und aus vielen Zuschriften unserer Leser, wie sehr die Beschäftigung mit einer Qualitätszeitung bildet, zum tieferen Verständnis unserer komplexer werdenden Welt beiträgt und die eigene Urteilskraft fördert."