Wie eine Nuss einen Menschen töten kann

Es ist kaum vorstellbar!!! Es sind über 80.000 Samen in einer einzigen Vanilleschote… echt voll viele…allerdings… wir waren es nicht, die sie gezählt haben, als wir am 23. März den Frankfurter Palmengarten- ein

Wir wussten gar nicht so genau, was uns dort erwarten würde, als wir den kühlen Frankfurter Morgen gegen die tropische Wärme und Feuchtigkeit der Gewächshäuser des Palmengartens tauschten. Natürlich hatten wir uns schlau gemacht, wussten dass der Palmengarten 1868 gegründet wurde, dort 100 Mitarbeiter arbeiten, davon 68 Gärtner!

Es gibt über 700 000 Besucher pro Jahr im Palmengarten, kein Wunder, denn der Palmengarten hat jeden Tag geöffnet.

Und, wenn man einmal dort gewesen ist, kann man sagen, aus gutem Grund gibt es so viele Besucher, denn es ist viel spannender dort als wir gedacht haben.

Der Frankfurter Palmengarten ist einer der schönsten Palmengärten Deutschlands. Es gibt sieben große Gewächshäuser und sechs kleine Gewächshäuser.

In den Gewächshäusern gibt es verschiedene Temperaturen, in manchen Häusern ist die Temperatur trockenwarm und in den anderen feuchtwarm.

Bevor wir unseren Rundgang starteten, zeigte uns Herr Breimhorst, ein Lehrer und Gärtner, erst eine Tafel, die direkt vor den Gewächshäusern stand. Anhand der Tafel erklärte er, wie hoch die Luftfeuchtigkeit oder Temperatur in den unterschiedlichen Gebiete der Gewächshäuser ist, denn die Häuser sind unterteilt in bestimmte Klimazonen: Halbwüste, Nebelwüste, Savanne, Dornwald, Tropen Süd und Tropen Nord und Monsun-Tieflandregenwald, Mangroven. Unterteilt werden die Tropen in trockene und feuchte Zonen. In den Tropen gibt es keine Jahreszeiten.

Dann ging’s hinein ins erste Gewächshaus, auf einer großen Weltkugel die mitten im Raum stand, konnten wir sehen, wo die Klimazonen liegen.

Danach führte uns Herr Breimhorst in die erste Klimazone. Diese war eindeutig tropisch und feucht. Wohin man auch schaute wuchsen Pflanzen, es blühte an viele Stellen, fantastische Natur mitten in der Stadt!

Es gab so viele verschiedene Arten von Blumen, zum Glück hat uns Herr Breimhorst durch die Anlage geführt, uns viel gezeigt und erklärt, vieles hätten wir sonst einfach übersehen.

Da standen wir dann vor einer ganz besonderen Blume, die Blüte sah aus wie ein tropisch bunter Vogel.

Besonders auffällig war die Schönheit der Paradiesvogelblume (Strelitzie), sie leuchtete in orange, gelb und blau, welch ein Wunder. Ob es eine fleischfressende Pflanze war?

Dominik sollte sich der Blüte nähern, sie berühren. Ganz wohl war ihm dabei nicht, was würde passieren, wenn er sie berührt? Wir waren alle gespannt und beobachteten Dominik aufmerksam.

Auch er merkte schnell, dass die Blüte nicht beißt. Er sollte mit seinen Fingern nur die Tätigkeit eines Vogels nachahmen. Die Vögel bestäuben diese Blume und bringen den Blütenstaub auf eine andere Blume. An Dominiks Finger konnten wir den weißen Pollen kleben sehen. Nun hatte also er die Blume bestäubt und sie hat noch nicht einmal dabei gebissen…

Die Blume sieht wirklich wunderschön aus und ist ein tolles Lockmittel.

Langsam fingen wir an zu schwitzen, man spürte die feuchtwarme Luft auf der Haut. Welch ein Geruch!

Dann ging es weiter hinein in die grüne Hölle. Herr Breimhorst bat uns die Augen zu schließen. Das war uns erst gar nicht so angenehm, denn als Hörgeschädigte ist uns das Sehen total wichtig. Doch wir hatten Vertrauen. Dann stieg uns ein intensiver süßlicher Duft in die Nase. Was das wohl für ein Geruch war? Die meisten von uns erkannten den Geruch, der aus einem kleinen Fläschchen entstieg, sofort, es war der von Vanille, von echter Vanille.

Wir standen direkt unter der Vanillepflanze, einer Kletterpflanze mit Luftwurzeln, sie ist eine Orchidee. Es gibt ca. 30.000 Orchideen, aber davon ist Vanille die einzige, die wir Menschen essen. Es gibt keine andere Pflanze auf der Welt, die so viele unterschiedliche Arten wie die Orchidee hat.

Das längliche braune Ding, das uns gezeigt wurde, erkannten wir sofort als Vanilleschote. Vanilleschoten werden grün vom Baum geholt und ins heiße Wasser geschmissen und dann werden sie so braun, wie wir sie kennen.

Die Vanille Orchidee kommt ursprünglich aus Mexiko und Zentralamerika, wird aber heute auch in anderen Ländern wie Madagaskar, auf den Komoren und auf Réunion angebaut.

Die Orchideen werden normalerweise von Insekten bestäubt, doch die kommen nur in Zentralamerika vor. Deswegen werden die Blüten in manchen Ländern auch von Hand bestäubt. Das ist eine ganz schöne Arbeit, die meist von Frauen und Kindern gemacht wird. Die Blüte sind nur wenige Stunden am Vormittag geöffnet, wenn sie in dieser Zeit nicht bestäubt werden… Pech gehabt.

Übrigens ist Vanille sehr teuer, das wundert uns aber nicht bei so viel Handarbeit.

Gelernt haben wir auch gutes von schlechtem Vanilleeis zu unterschieden, gutes erkennt man an den schwarzen Punkten. Nun wissen wir auch, dass das die Samen sind.

Nur eine Drehung und schon erwartete uns der nächste intensive Geruch.

Gelblichorange war das Zeug, was war es, eine Schale? Wir rochen daran, probierten es und irgendwie kam uns der Geruch bekannt vor. Ja!! Muskat!

Aber das war nicht die Nuss sondern Macis, die Muskatblüte, sie umhüllt die Muskatnuss. Sie ist orange, riecht charakteristisch bitter, intensiv und aromatisch, ist aber milder als die Nuss.

Wir standen sogar unter einem Muskatnussbaum. Wenn man von einer Muskatnuss zu viel isst kann man sterben. Wir haben gelesen, dass ein achtjähriger Junge, der zwei ganze Nüsse aß 24 Stunden später starb.

Wenn man zu viel Muskatnuss isst, führt das auch zu Störungen der Denkfähigkeit und der Wahrnehmung. Mit anderen Worten: Zuviel Muskat macht dumm! Das bisschen jedoch, das wir an Speisen, wie Kartoffelbrei oder Nudeln essen ist ungefährlich!

Nein, erkannt hätten wir die nächste Pflanze, die uns gezeigt wurde nicht, obwohl es das, was aus ihr gemacht wird auch bei uns Zuhause gibt. Kaffeepflanzen werden bis zu vier Meter hoch. An ihr wachsen Beeren, eigentlich Steinfrüchte, die erst grün, dann gelb und dann rot werden. In den Früchten sind 2 helle, feuchte Bohnen enthalten. Doch bevor aus diesen duftender Kaffee wird, müssen sie trocknen, dann werden sie geröstet. Erst dann haben sie die typisch braune Kaffeefarbe und den intensiven Geruch.

Die noch frischen Bohnen keimen sehr schnell zu einer Kaffeepflanze, wir haben welche mitgenommen, mal sehen ob wir dann unseren eigenen Kaffee im Klassenraum züchten können. Obwohl wir eigentlich eher wenig Kaffee trinken, eher Kakao.

Doch die braunen Bohnen sofort als Kakaobohnen zu erkennen, das gelang fast keinem von uns. Nach dem wir die Schale geknackt hatten, haben wir ganz vorsichtig den Kern probiert. Konnte man das wirklich essen. Pfui, wie bitter, das war zum Ausspucken. Denn es schmeckte nicht wie Schokolade. In der Schokolade steckt eben noch viel anderes…vor allem Zucker.

Die Kakaobutter, die aus den Bohnen hergestellt wird, kann man als Lebensmittel und auch als Creme benutzen.

Unsere Hände glänzen noch lange von der Kakaobutter, mit der wir sie eingerieben hatten. Man kann sie übrigens auch in Apotheken kaufen, doch billig ist sie nicht.

In richtig guter Schokolade ist statt anderem Fett Kakaobutter enthalten.

Nun kamen wir aber doch noch zu den fleischfressenden Pflanzen. Es gibt insgesamt 540 verschiedene Arten und die Pflanzen haben ganz unterschiedliche Fallen: Klebfallen, Klappenfallen und die Gleitfallen. Nur gut, dass die Fallen nur für Insekten gefährlich werden können, wir brauchten keine Angst zu haben.

Aber die Vorstellung, dass die Indianer den Inhalt der fleischfressenden Pflanze als Verdauungsförderung tranken, hat uns Magengrimmen verursacht. Vielleicht schwammen da ja noch Insekten drin rum.

Ähnlich eklig wurde es gegen Ende, als wir so komische kleine, weißliche, getrocknete Teile bekamen, die wir zwischen den Fingern zerreiben mussten. Ganz violett wurden unsere Finger, Geruch und Geschmack, Fehlanzeige. Was war das denn?

Getrocknete Läuse!!!!!!! Allerdings keine Kopfläuse, sondern eine ganz spezielle Art von den Biestern, die Conchenilleläuse. Sie wachsen auf Kakteen und erzeugen einen natürlichen roten Farbstoff. Dieser wird für Lebensmittel und für die Kosmetik z. B. in Lippenstiften verwendet.

Wenn so manche Mädels wüssten, was sie sich da auf die Lippen schmieren…

So schnell war die Zeit um und wir waren am Ende unseres Rundganges angelangt.

Herr Breimhorst erzählte uns noch, dass ein Schmetterlingshaus im Palmengarten geplant ist, aber selbst ohne Schmetterlingshaus ist der schönste Garten Deutschlands immer einen Besuch wert.

Die Klasse R7 bedankte sich herzlich für diesen schönen Tag im Palmengarten, es hat viel Spaß gemacht einen Hauch von Süden in Frankfurt zu erleben. Es war eine spannende und lehrreiche Führung. 

Informationen zum Beitrag

Titel
Wie eine Nuss einen Menschen töten kann
Autor
Klasse R7
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH
Projekt
Meine Zeitung 2010

Beruf und Chance

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