Wo Ernst zum Spiel wird

 „Hol Dir den Drecksack!“, feuert der Polizist seinen Hund an. Auf den Befehl „Fass !“ stürzt dieser los. Er verbeißt sich in den Armschutz der Person, die in die Rolle des Verbrechers geschlüpft ist. Erst erstaunt, dann lauthals lachend beobachten wir, wie unsere Lehrerin von dem 36 kg schweren Schäferhund zu Fall gebracht wird. 

Wir befinden uns auf dem Gelände der Hundestaffel der Frankfurter Polizei. Staffel bedeutet „Gruppe“ und die Gruppe, das sind Hund und Hundehalter. Auf einem großen, grasbewachsenen Platz stehen verschieden hohe Hürden, eine Betonröhre und ein Reifen zum Durchspringen. Fröstelnd harren wir auf der windigen Wiese aus. Schließlich ist es erst Anfang April. Den Hunden scheint die Kälte gar nichts auszumachen, aber sie bewegen sich ja auch. Gerade wird uns vorgeführt, was die Polizeihunde alles beherrschen: Sie springen durch den Reifen, kriechen durch die Röhre und überwinden selbst die Hürden, um die ich lieber einen Bogen gemacht hätte, mit scheinbar müheloser Leichtigkeit. Hier kann sich kein Verbrecher durch Flucht seiner Verhaftung entziehen!

Herr Schmidt, einer der Hundeführer, berichtet uns, dass nur mit Lob und Belohnung gearbeitet wird. Die Belohnung besteht aber nicht aus einem Leckerli, sondern aus einem kurzen Spiel mit dem Lieblingsspielzeug.„Sonst würden wir unser Hunde ja mästen!“ , wirft Frau Jagusiak ein.

Die Ausbildung für Polizeihunde dauert nur drei Monate. Sie wird vom angehenden Hundeführer und vom Hund gemeinsam absolviert. So lernen sie einander kennen und werden ein zusammengeschweißtes Team.

„ Mein Hund kennt mich besser als meine Frau “, erzählt Herr Pecha. „Er verbringt den ganzen Tag mit mir, fährt mit in den Urlaub und wohnt bei mir zu Hause.“ Sein Schäferhund Pat ist schon 11 Jahre alt.

„Gehen Polizeihunde denn nicht in Rente?“, fragen wir. Herr Pecha erklärt, dass Polizeihunde jedes Jahr eine Prüfung bestehen müssen, sonst werden sie ausgemustert. Die meisten Hunde werden von ihren Hundeführern mit nach Hause genommen. Sie sind dann sozusagen in Rente. Kann der Hundeführer seinen Hund aus irgendeinem Grund nicht nehmen, wird dieser an Interessenten vermittelt.

Mich hat der Besuch bei der Hundestaffel sehr fasziniert, denn mit Hunden verband ich bisher nur „Streicheln“ , „Hände abschlecken“ und  „Stöckchen werfen“. Jetzt habe ich mit eigenen Augen gesehen, dass Hunde noch viel mehr können.

Insgesamt sehen wir an diesem Morgen drei Hunde mit ihren Hundeführern. Alle drei sind Schutzhunde. Sie sind dazu ausgebildet, ihren Hundeführer oder andere Personen zu beschützen. Der 5 Jahre alte Luco ist zusätzlich noch ein Suchhund. Er kann mit seiner Nase Sprengstoff und Patronenhülsen finden. Auch das wird uns demonstriert. Einer von uns darf eine Patronenhülse im Gras verstecken. Dann geht Lucos Hundeführerin, Frau Jagusiak, in dem Gebiet umher und tut so, als ob sie sein Lieblingsspielzeug versteckt. „ Für den Hund ist das alles nur ein Spiel “, erläutert sie. „ Die Bestätigung erfolgt nach der Suche durch Spielen mit dem Spielzeug.“

Frau Jagusiak lässt ihren Hund von der Leine. Erst läuft Luco scheinbar ziellos umher. Er ist immer wieder nahe an der richtigen Stelle. Wir haben es ihm aber auch besonders schwer gemacht: Über der Patronenhülse liegt ein Schokoriegelpapier. Als Suchhunde werden nur solche genommen, die ein sehr gutes Riechvermögen besitzen. Überhaupt kann ein Hund 1-Million-mal besser riechen als der Mensch. Dann legt sich Luco auf den Boden und zeigt damit an, dass dort die Hülse liegt.  Er hat sie gefunden – trotz Schokoriegel-Duft!

Informationen zum Beitrag

Titel
Wo Ernst zum Spiel wird
Autor
Sophie Grapentin
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH
Projekt
Meine Zeitung 2010

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