Lokalteil, Wetterkarte, Sportseiten - eine Zeitung ist kein Lehrbuch, liefert aber jede Menge Unterrichtsstoff. Das können die Schüler seit 2007 beim Projekt "Meine Zeitung – Schüler lesen die F.A.Z." erleben.
Zeitung zu lesen ist für die einen eine der schönsten Formen des Müßigganges, für andere tägliche Notwendigkeit. In den meisten Fällen ist die Lektüre eher Lust als Last. Vierzig Minuten nehmen sich die Leser durchschnittlich für die F.A.Z. - das ist nicht lang. Da muss man schon recht schnell lesen und genau aussuchen. Mehr als 100 fünfte, sechste und siebte Klassen von Gymnasien, Real- und Gesamtschulen in Frankfurt und Umgebung können inzwischen davon berichten, was es bedeutet, jeden Tag ein solches Bündel an Informationen in der Hand zu halten und sich damit zu beschäftigen.
Sie haben an dem Projekt "Meine Zeitung" teilgenommen, das die F.A.Z. mit Unterstützung der Frankfurter Stiftung Polytechnische Gesellschaft und dem Aachener Izop-Institut organisiert. Die Schüler erhalten von Ende Januar an drei Monate lang jeden Tag die F.A.Z., lesen sie zu Hause, im Unterricht oder in den Pausen. Freilich ist das keineswegs ein Kinderspiel, sondern vielfach harte Arbeit für die Schüler und für ihre Lehrer, die sie bei dem Projekt "Meine Zeitung" begleiten und anleiten. Und das auch in Schulen mit besonders vielen Kindern, in deren Familien kaum Deutsch gesprochen, geschweige denn normalerweise eine deutsche Zeitung gelesen wird.
Doch auch diese Schüler können sich im Laufe der Wochen mit Hilfe der Lehrer herantasten, basteln Collagen, schneiden Bilder aus oder suchen nach bestimmten Themen und Personen oder erstellen Glossare mit bis dahin unbekannten Wörtern. Manche lesen nur den Lokalteil oder lernen die Sportseiten zu schätzen. Aber auch Themen wie "Angela Merkel", die hessische Landtagswahl, China und Tibet, die Bildungspolitik oder die Umweltberichterstattung beschäftigen die Schüler. Eine Lehrerin berichtete, ihre Klasse habe die Vor- und Nachteile verschiedener Medien diskutiert und sei dabei zu der Überzeugung gekommen, die Zeitung sei "das wohl beste Informationsmedium überhaupt". Seine Schüler, kommentierte ein Lehrer, hätten sich durch das Projekt richtig "ernst genommen" gefühlt. Sie hätten nämlich zu Beginn des Projekts ausgerechnet, wie teuer die Zeitungslieferung für ihre Klasse sei und sich angesichts der Summe sehr geehrt gefühlt.
In vielen Klassen wächst während des Projekts auch das Interesse an der Arbeit bei der Zeitung. Die Schüler können bei einem Ausflug in die Redaktion und die Druckerei oder dem Besuch eines Redakteurs in ihrer Klasse jede Menge Fragen stellen und vieles darüber erfahren, wie Zeitung gemacht wird. In einigen Klassen sind im Laufe des Projekts sogar Initiativen für neue Schülerzeitungen entstanden, und manche der Teilnehmer möchten demnächst ein Schülerpraktikum in einer Redaktion machen.
Freilich gibt es nicht nur positive Resonanz. Die Länge und das Niveau vieler Texte machen es in einigen Klassen fast unmöglich, die Zeitung zu lesen. Bei anderen hapert es an der Motivation - eine Schülerin beschäftigte sich in ihrem Langzeitprojekt beispielsweise mit der Frage, warum sich für junge Leser so wenig Interessantes in der Zeitung findet. Eines aber haben viele der Lehrer und Eltern dennoch festgestellt: dass die Zeitungslektüre das Interesse am Lesen geweckt hat. Und dass die Schüler im Laufe der Zeit auch mit schwierigeren Texten zurechtkommen.
Zum Abschluss der intensiven Beschäftigung mit der Zeitung können sich die Klassen selbst auf Recherchetour begeben. Eine Auswahl ihrer Texte wird auf Sonderseiten zum Abschluss des Projekts veröffentlicht. Die anderen Texte und Bilder im Internet. Sie zeigen die ganze Bandbreite des Projekts "Meine Zeitung", für das die Schülerin Aylan aus dem Heinrich-von-Gagern-Gymnasium das Fazit zog: "Ich bin mit fast nichts gekommen und mit viel gegangen."
Kreative Lehrer sind gesucht. Das gilt ganz allgemein, im Besonderen aber für das Projekt "Meine Zeitung - Schüler lesen die F.A.Z.". Am Ende nämlich wird bei der großen Abschlussfeier der "Kreativste Zeitungs-Lehrer" ausgezeichnet. Und auch Schüler, die sich besonders engagiert an dem Projekt beteiligt haben, werden prämiert. Ein Gewinn ist die Teilnahme an dem Projekt für alle, darin waren sich die Lehrer und Schüler in den vergangenen Jahren einig, denn die Zeitung ist aktueller als jedes Schulbuch und bietet in ihrer Themenvielfalt Stoff für fast jedes Fach.
Interessierte Lehrer von Frankfurter Schulen können die Bewerbungsunterlagen beim IZOP Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren anfordern, welches das Programm pädagogisch betreut. (Kontakt siehe unten).
Patricia Andreae, projektverantwortliche Redakteurin