Gelebte Integration

Gelebte Integration

«Ich fühle mich in Deutschland recht gut integriert», sagt der 19 jährige Berufskollegsschüler Fahim mit afghanischem Migrationshintergrund auf die Frage nach seiner Integration in Deutschland. Seine Eltern – so der Schüler – waren aufgrund des Krieges in den 80er Jahren nach Deutschland gekommen.
Seine Mitschülerin Aynur, die 1995 mit ihren Eltern wegen des türkisch-kurdischen Konflikts die Türkei verlassen hatte, konstatiert: «Ich fühle mich in der Schule wohl. Es ist gut, dass hier viele Nationen zusammen kommen.»e Freund

«Ich habe viele deutsche Freunde», sagt Yusupha aus dem Senegal.» In dieser Schule fühle ich mich gut integriert. Ich werde von niemandem ausgeschlossen.» Marga aus Kasachstan fügt hinzu:» Auch ich fühle mich integriert sowie die anderen aus meiner Klasse. Es gibt zwar welche, die sehr viel Blödsinn machen, denen alles egal ist, aber sehr viele nehmen es auch sehr ernst hier und bemühen sich um ein gutes, schönes Leben.»
Martin mit polnischem Migrationshintergrund ist ebenfalls dieser Meinung: «Meine Eltern kommen aus Oberschlesien. Ich besitze sowohl die deutsche als auch die polnische Staatsangehörigkeit. In der Schule werde ich als ganz normaler Mitschüler behandelt. Wenn überhaupt jemand auf meinen Migrationshintergrund aufmerksam wird, dann hat er großes Interesse, darüber mehr zu erfahren.»
Von 18 befragten Schülern hatten 12 Wurzeln in Polen, Russland, Spanien, im Senegal, in der Türkei und in Afghanistan. Die deutschen Mitschüler reagierten auf die Befragung ebenso positiv, stellvertretend Frederike: «Ich bin Deutsche, aber ich habe schon mein ganzes Leben mit Ausländern zu tun. Ich finde, dass die Ausländer, die ich kenne, gut in der Schule integriert sind. Oft wird den Ausländern nachgesagt, sie würden sich asozial verhalten, aber die Deutschen verhalten sich teilweise genau so. Die Schule sollte einfach weiter so machen. Also, ich mag Ausländer und ich habe auch mehr Freunde mit ausländischen Wurzeln als deutsche Freunde.»
Eine Französischlehrerin der Schule, Frau Lorenz, erklärt, dass es auch durchaus Klassen gibt, in denen die Situation eine andere ist und es sowohl zwischen den Schülern aus unterschiedlichen Kulturkreisen wie auch zwischen Schüler mit Migrationshintergrund und deutschen Schülern zum verbalen Schlagabtausch kommt. In einer dieser Klassen habe sie deshalb ein Projekt durchgeführt: «Zu unserem Schulfest habe ich mit einer Gruppe von Schülern (mit und ohne Migrationshintergrund) in den Pausen und in den Ferien ein französisches Chanson eingeübt, das genau die Problematik der Integration und der Verständigung anspricht:

Wir haben alle die gleiche Sonne:(On a tous le même soleil)

Wir haben weder die gleiche Fahne
noch die gleiche Hautfarbe.
Wir haben nicht die gleiche Sprache,
die gleiche Kultur, die gleichen Bilder.
Wir haben nicht die gleichen Wurzeln,
die gleichen Idole, die uns begeistern,
aber jeder von uns lebt mit der gleichen Blutsfarbe.

Wir haben alle die gleiche Sonne
und den gleichen Mond, wenn wir schlafen.
Und wir haben alle eine Hand zu reichen,
können wir wirklich noch warten?

Wir haben nicht die gleichen Bräuche,
andere Riten, andere Kostüme.
Wir haben nicht die gleichen Geschichten,
aber unsere Geschichten haben die Geschichte gemacht.
Wir haben nicht die gleichen Eltern
und wir sind alle noch Kinder,
die aus einer Rassenmischung hervorgegangen sind,
verrückt geworden, aber brav geboren.

Die Lehrerin fährt weiter fort: «Die Reaktion der Schüler war eindeutig. Mit enormen Eifer waren sie bei der Sache, sie opferten ihre Freizeit, es fiel kein lautes Wort während der Proben. Es wurden musikalische Naturtalente entdeckt und die Aufführung war bei Lehrern und Schülern ein Riesenerfolg. Die Schüler, die mittlerweile zum großen Teil mit einem qualifizierten Abschluss die Schule verlassen haben, treffen sich mit mir noch privat, um gemeinsam essen zu gehen oder nur etwas zu plaudern.»

Das sind Beispiele für gelebte Integration.


Artikel von Frederik Baucks (Quelle: eigene Recherche: Lehrer- und Schülerinterviews)

Gelebte Integration

Informationen zum Beitrag

Titel
Gelebte Integration
Autor
Frederik Baucks
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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