Thema „Migration“ mit Schwerpunkt auf dem Bereich „Integration“

Thema „Migration“ mit Schwerpunkt auf dem Bereich „Integration“

Politische Partizipation von Migranten in Deutschland

Lukas Schmidt, Q11, Sozialkunde

Unter der politischen Partizipation versteht man im Allgemeinen die Teilhabe und das Mitwirken von Menschen in der Politik.

Es existieren verschiedene Formen dieser Beteiligung. Zum einen durch die weit verbreitete Maßnahme der Wahlbeteiligung, zum anderen aber auch das selbstständige Mitwirken in Parteien, Interessensverbänden, anderen politischen Gruppierungen wie einem Bürgerforum oder dem Engagement zur Übernahme von Führungspositionen und Verantwortung.

Im Detail lässt sich auch die Partizipation der Migranten in Deutschland beleuchten. Da etwa 20 % der hierzulande lebenden Menschen einen Migrationshintergrund und etwa die Hälfte davon einen deutschen Pass besitzen, stellt diese Bevölkerungsgruppe einen beachtlichen Teil an Menschen mit möglicher Partizipation.

Prinzipiell ist es den 10% der Bevölkerung ohne deutsche Staatsbürgerschaft nicht möglich sich politisch zu engagieren, wodurch deren Interessen nicht in die politischen Entscheidungsabläufe integriert werden.

Grundsätzlich wird in der Politik in den letzten Jahren immer mehr Wert auf eine aktive oder passive Teilhabe der Migranten gelegt, da die bereits hohe Zahl an ausländisch Stämmigen noch weiter steigen wird.

Es wird versucht, den Menschen die Partizipation zu erleichtern, um die Zahl an sich engagierenden Menschen und eingebrachten Meinungen zu erhöhen.

Zum Einen gilt das allgemeine Wahlrecht, das jedem deutschen Staatsbürger politische Mitwirkungsmöglichkeiten gibt. Da jedoch, wie bereits erwähnt, viele Migranten keinen deutschen Pass besitzen und somit keine deutschen Staatsbürger sind, haben sie im Normalfall hierzulande kein Wahlrecht.

Um diesen Personen dennoch eine Teilhabe zu ermöglichen, wurde im Maastrichter Vertrag von 1992 folgendes Gesetz erlassen:

"Jeder Unionsbürger mit Wohnsitz in einem Mitgliedsland, dessen Staatsangehörigkeit er nicht besitzt, hat in dem Mitgliedsstaat, in dem er seinen Wohnsitz hat, das aktive und passive Wahlrecht bei Kommunalwahlen, wobei für ihn dieselben Bedingungen gelten wie für die Angehörigen des betreffenden Mitgliedstaates". (1)

Dieses Gesetz stellt einen erheblichen Schritt auch zur Integration von Ausländern in Deutschland dar.

Eine weitere Maßnahme, die die Partizipation der Migranten fördert, ist die Möglichkeit der Einbürgerung. Hierbei haben Menschen, die mindestens 8 Jahre in Deutschland leben, straffrei geblieben sind, ausreichend Deutsch sprechen, sich finanziell selbst versorgen können und sich zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen das Recht auf Einbürgerung und eine deutsche Staatsangehörigkeit. Somit wird ihnen auch die politische Anteilnahme im vollen Maße ermöglicht.

Des Weiteren existieren, unabhängig von politischen Maßnahmen und Regelungen, Migrantenorganisationen in Deutschland. Es lassen sich Migrantenselbstorganisationen nennen, in denen die Menschen ihre ähnlichen Interessen und Wünsche einbringen und sich gegenseitig aufgrund gleicher Hintergründe und Ziele stützen können.
Zudem werden sie durch verschiedene bekannte und große Hilfsorganisationen unterstützt, wobei zum Beispiel die Caritas zu nennen wäre. Sie liefert den ausländisch Stämmigen eine sinnvolle Beratung und stellt für diese eine Art Fürsorge dar.

Meiner Meinung nach sind alle diese Faktoren wichtig für eine Partizipation von Migranten in Deutschland. Ich bin überzeugt davon, dass Integration im Allgemeinen sehr wichtig für Deutschland ist. Auf der einen Seite ist es wichtig kulturelle Ursprünge zu wahren und eine Gesamtbevölkerung mit vielen Facetten entstehen zu lassen. Auf der anderen Seite aber muss sie erfolgen, um Parallelgesellschaften und Ausgrenzung sowie Ungerechtigkeit in der Gesellschaft zu vermeiden. Hierbei stellt die Partizipation einen wichtigen Anteil dar.

Ich denke dass das Maß an politischer Teilhabe jedem selbst überlassen sein sollte, aber zumindest sollte jeder Mensch die gleichen Möglichkeiten und Rechte dazu haben.

Um die Partizipation weiter zu fördern, sind aber nicht nur rechtliche Grundlagen nötig, sondern auch Anreize für die Migranten.
Häufig sind sich diese über die politische Lage und die Verfahren bezüglich Wahlen und Entscheidungsfindungen nicht im Klaren und werden somit abgeschreckt.

Um diese Hemmungen abzubauen sind zum Beispiel Informationstage in lokalen öffentlichen Einrichtungen nötig, auch die Verteilung von Broschüren an Migranten wäre eine Möglichkeit, um Politik attraktiver und gerechter zu machen.

Die Politik sollte in der Gesamtheit mehr für die Partizipation investieren und sie mehr in den Blickpunkt stellen, da sie in meinem Empfinden ein wichtiger Bestandteil der Politik sein muss und aufgrund der Änderung der Bevölkerungsstruktur in den kommenden Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen wird.
Abschließend kann ich zusammenfassen, dass sich der Prozess der Partizipation von Migranten in Deutschland zwar bereits auf einem guten Weg befindet, es jedoch noch einiges zu verbessern und zu erreichen gibt, um wirklich allen Personen die gleichen Möglichkeiten einzuräumen und eine möglichst erfolgreiche und lebenswerte Zukunft in Deutschland zu bieten.

Anlagen:
(1) Zitat aus: http://www.bpb.de/themen/NQ61IF,0,0,Politische_Partizipation_in_der_Kommune.html (09.12.2011) , Absatz 1

Quellen:
http://www.statistikportal.de/BevoelkGebiet/Indikatoren/BV-BS_migranten.asp (09.12.2011)
http://www.bpb.de/themen/H9O99X,0,Politische_Partizipation_von_Migrantinnen_und_Migranten.html (09.12.2011)
http://www.welt.de/politik/deutschland/article9475620/Kein-EU-Land-hat-mehr-Auslaender-als-Deutschland.html (09.12.2011)
http://www.bpb.de/themen/NQ61IF,0,0,Politische_Partizipation_in_der_Kommune.html (09.12.2011)
http://de.wikipedia.org/wiki/Partizipation (09.12.2011)

Die Zusammenhänge zwischen Bildung und Integration

Pascal Abel

Eines der, wenn nicht sogar das am meisten polarisierende Thema der deutschen Sozialpolitik, ist Integration, insbesondere die Integration von Migranten aus ärmeren Ländern. Die Politiker der unterschiedlichsten Parteien diskutieren über Maßnahmen und deren Folgen für die Migranten und die Gesellschaft, ohne wirklich zu einem Ergebnis zu kommen. Vor allem das Thema Bildung wird in solchen Debatten immer wieder aufgegriffen und auch ich bin der Ansicht, dass eine angemessene Bildung essenziel für eine gelungene Integration ist.

Das lässt sich auch beobachten. Schüler mit Migrationshintergrund, die Schulen mit höheren Anforderungen besuchen, sind in der Regel voll integriert. Allerdings soll das nicht bedeuten, dass aus Bildung zwangsläufig Integration resultiert, da kommen noch einige weitere soziale und kulturelle Aspekte hinzu, die vielleicht schon alleine eine Integration erleichtern und das dann auch zu mehr Bildung führt.

Doch obwohl Bildung einen so großen Stellenwert haben sollte, sieht die Realität momentan noch ganz anders aus. Zwar schafften im Jahr 2009 viel mehr Ausländer als Deutsche den Hauptschulabschluss, doch hinken sie in höheren Schulen hinterher. Der Unterschied beim Realschulabschluss ist noch überschaubar (Deutsche knapp über 40%, Ausländer etwa 35%), bei der Hochschulreife sind es allerdings schon fast dreimal soviele Deutsche wie Migranten. Auch sind es scheinbar doppelt soviele Ausländer wie Deutsche, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben, nur sollte man die Zahlen im Verhältnis zu der Anzahl der Schüler mit Abschluss sehen. Lediglich bei der Fachhochschulreife sind Deutsche und Migranten gleich auf.

Persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Migration“ mit Schwerpunkt auf dem Bereich „Integration“

Die Ursachen für mangelnde schulische Leistungen vor allem muslimischer Migrantenkinder haben die Erziehungswissenschaftler Aladin El Mafaalani und Ahmet Toprak in einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung untersucht. Diese lägen nach deren Erkenntnissen vor allem im familiären und kulturellen Umfeld. Laut Mafaalani und Toprak hätten türkische Eltern meist wenig Interesse an der Erziehung ihrer Kinder, das sei Aufgabe der Schule. Die Kinder sollen sich in die Kultur ihrer Eltern einfügen. Durch jeweils andere Erwartungen von Bildung komme es so auch zu Missverständnissen zwischen Lehrkräften und muslimischen Eltern. Hinzu kommen unterschiedliche Erziehungsmaßnahmen, sodass Migrantenkinder manchmal auch den Respekt vor den Lehrkräften verlieren würden.1

Dadurch, dass viele Kinder von größtenteils arabischen und türkischen Einwanderern bei den alten Sitten bleiben und durch Nachzüge von ausländischen Ehegatten diese weiter erhalten werden, entstehen langsam Parallelgesellschaften, also genau das, was man durch Integration verhindern möchte. Mafaalani und Toprak schlagen als Lösung vor, die Eltern mehr einzubeziehen und den Migrantenkindern die Chance zu geben, länger mit gleichaltrigen deutschen Kindern gemeinsam lernen zu können. Auch sollen Grundschulen auf Kinder vorbereitet sein, die noch nicht in zu erwartenden Bereichen erzogen wurden.2

Noch weiter geht der umstrittene Autor Thilo Sarrazin. Er fordert unter anderem Kindergartenpflicht, das Einführen von Ganztagsschulen sowie Schuluniformen statt religiösen Kleidungsstücken (z. B. Kopftücher).3

Unabhängig davon, ob man es so extrem wie Sarrazin sieht oder nicht. Ein Problem lässt sich meist nur lösen, wenn man es an der Wurzel packt, also nicht nur die Schüler unterstützen, sondern bereits bei den Eltern beginnen und diese mit in die Erziehung ihrer Kinder einbinden, besonders jene, für die das nicht selbstverständlich ist. Wenn Migranten- und deutsche Kinder mit den gleichen Chancen starten könnten, würde auch die Anzahl der integrierten Ausländer steigen und Parallelgesellschaften wieder verschwinden. Doch dafür müssen erst einmal die Eltern bereit sein, ihre gewohnten Bräuche und Verhaltensweisen so weit aufzugeben, dass sie ohne Probleme an der Gesellschaft teilhaben können, das selbe gilt natürlich für Nachzügler. Wenn sich die Eltern als Deutsche, auch wenn „nur“ als Deutsche mit Migrationshintergrund, verstehen und integriert sind, wird das auch den Kindern aus diesen Familien leichter fallen.


1) „Irritierendes Verhalten vieler Migrantenkinder“ (http://www.faz.net/aktuell/politik/studie-irritierendes-verhalten-vieler-migrantenkinder-11481053.html) zuletzt aufgerufen am 11. Dezember 2011
2) „Irritierendes Verhalten vieler Migrantenkinder“ (http://www.faz.net/aktuell/politik/studie-irritierendes-verhalten-vieler-migrantenkinder-11481053.html) zuletzt aufgerufen am 11. Dezember 2011
3) Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen.“, DVA, München 2010, S.327ff.

Recht gegen Gerechtigkeit

Gröger Tatjana, Q11

Migration. Nach der Definition der Bundeszentrale für politische Bildung ist das die räumliche Verlegung des Lebensmittelpunktes einer Person über Staatsgrenzen hinweg. Es gibt viele Gründe, die Menschen veranlassen können zu migrieren. Politische Verfolgung, Naturkatastrophen, Hoffnung auf ein besseres Leben oder einen besseren Arbeitsplatz. Doch nicht alle Migranten dürfen in dem Land bleiben, in das sie einwandern. Allerdings ist eine Abschiebung meiner Meinung nach trotz rechtlicher Korrektheit nicht immer gerechtfertigt.

Ist es zum Beispiel gerecht, einen Menschen des Landes zu verweisen, wenn er in diesem sehr gut integriert ist? Der seit vielen Jahren in diesem Land lebt? Der in diesem Land aufgewachsen ist? Ist es überhaupt logisch, einen Menschen abzuschieben, der für das Land positiv ist? Und jetzt die meiner Meinung nach wichtigste Frage: Ist es überhaupt tragbar, einen Menschen, der sich selbst als Bürger dieses Landes sieht und keinerlei Verbindung zu seinen „Ursprungsland“ hat, aus seiner Heimat zu verweisen?
Ein aktueller Fall aus den Niederlanden spaltet die Meinungen, ob nach Recht oder Gerechtigkeit gehandelt werden soll.

Mauro Manuel ist in Angola geboren worden. Vor etwa 10 Jahren setzte seine leibliche Mutter ihn in ein Flugzeug in die Niederlande. Zu dieser Zeit herrschte in Angola Bürgerkrieg. Heute ist Manuel ein 18-jähriger gut integrierter Bürger der Niederlande. Er hat weder Kontakt zu seinen leiblichen Eltern, noch kann er seine Muttersprache flüssig sprechen. Dafür spricht er fließend Niederländisch. Er macht gerade eine Ausbildung in der IT- Branche. Er selbst sieht sich als Niederländer. Da es nun aber keinen Bürgerkrieg mehr gibt, wird er wieder in sein Vaterland zurückgeschickt. Nach langer Diskussion darf er jetzt jedoch seine Ausbildung in den Niederlande davor noch beenden.
Diese Geschichte ist leider kein Einzelfall. Viele Jugendliche, die als Kinder in die Niederlande gebracht wurden, werden wieder ausgewiesen. Allerdings wird bei solchen Entscheidungen oft nicht geprüft, wie die Jugendlichen in ihrem eigentlichen Heimatland leben werden können. Wie am Beispiel von Manuel bereits genannt, sprechen solche Menschen ihre Muttersprache oft nur noch brüchig oder gar nicht mehr. Auch können sie in ihrem Land auf keine Hilfe hoffen, da sie meist keinen Kontakt zu den Eltern mehr haben und sonst niemanden kennen.

Doch andererseits kann es auch katastrophale Folgen haben, wenn Sonderregelungen in solchen Fällen getroffen werden. Denn was würde denn passieren, wenn der Staat eine Ausnahme machen würde? Eine Ausnahme bleibt bekannterweise nicht nur eine. Immer mehr Menschen würden nun auf eine Ausnahmeregelung in ihrem Fall hoffen, nicht nur das Thema Migration betreffend. Ist es nicht auch ungerecht denjenigen gegenüber, bei denen mit Recht verfahren wurde? Könnte es letztendlich nicht zu einer Willkür des Staates kommen? Gerade das soll ja mit Gesetzen, an die sich jeder, auch der Staat, halten soll, verhindert werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nichts bringt, mit Ausnahmeregelungen zu handeln, da dies sogar schlimme Folgen mit sich bringen kann. Das ändert aber nichts daran, dass die Menschlichkeit immer im Vordergrund des Handelns liegen sollte, und auch Gesetze dahingehend erweitert werden können. In Deutschland können solche Menschen wie Manuel zum Beispiel nicht ausgewiesen werden .Denn seit dem 1. Juli dieses Jahres gibt hier ein neues Gesetz. Laut Niels Espenhorst vom Bundesverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge können gut integrierte Jugendliche, die als alleinstehende minderjährige Asylbewerber nach Deutschland gekommen sind und keine Aufenthaltserlaubnis bekommen haben, seit dem 1. Juli doch in Deutschland bleiben. Dazu müssen sie allerdings ein paar Kriterien erfüllen. Sie müssen zum Beispiel vor ihrem 14. Lebensjahr nach Deutschland gekommen sein ,jetzt zwischen 15 und 20 Jahren alt sein und mindestens sechs Jahre in Deutschland gewohnt haben und zur Schule gegangen sein.

Letztendlich lässt sich nur hoffen , dass auch andere Länder diesen Schritt gehen werden um Recht und Gerechtigkeit, zumindest im Falle des Themas Migration ein bisschen näher zu bringen.

Bushido bekommt den Bambi für Integration – lächerlich oder
gerechtfertigt?


Tiffany Rohnstock, Q11

Integration ist eine politisch-soziologische Bezeichnung für die gesellschaftliche und politische Eingliederung von Personen oder Bevölkerungsgruppen, die sich bspw. durch ihre ethnische Zugehörigkeit, Religion, Sprache etc. unterscheiden.

Es war der Aufreger des Abends: Skandalrapper Bushido wurde bei der 63. Bambiverleihung mit dem Bambi für Integration ausgezeichnet und spaltet damit die gesamte Promiwelt. Zahlreiche Prominente, wie Peter Plate, Bandmitglied von Rosenstolz, äußerten sich kritisch und verärgert über die Entscheidung der Jury, welche aus allen Chefredakteuren des Hauses Hubert Burda Media besteht. Volksmusiksänger Heino gab sogar seinen Bambi, den er 1990 bekommen hatte, zurück, da er nicht mit Bushido auf die gleiche Stufe gestellt werden wollte.

Allerdings gab es nicht nur negative Stimmen zu dem neuen Preisträger. Es wurde auch viel von einer „zweiten Chance“ geredet, da Bushido sich öffentlich von seinen alten Texten distanziert hat.

Ist Bushido nun der verdiente Preisträger des Bambis in der Kategorie „Integration“? In erster Linie ist Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido meiner Meinung nach kein gelungenes Beispiel für eine erfolgreiche Integration. Zwar hat er einen Migrationshintergrund, da sein Vater aus Tunesien stammt. Dieser hat die Familie jedoch verlassen, als er drei Jahre alt war. Seine Mutter ist Deutsche, er selbst ist in Deutschland geboren und auch hier aufgewachsen. Zeichnen diese Fakten eine gelungene Integration aus?

Laut Bushido sollen alle Menschen, die in Deutschland leben, sich wie Deutsche fühlen und auch von sich sagen, sie sind Deutsche. Ich finde, dass ist ziemlich leicht zu sagen, wenn man in diesem Land geboren wird und „nur“ Familienangehörige mit Migrationshintergrund hat. Er hat die Sprache, die Kultur, die Tugenden und die ganzen deutschen Gewohnheiten von klein auf mitbekommen und musste nicht, wie z.B. Einwanderer, mit diesen Problemen klar kommen oder einen Integrationstest bestehen.

Der aus Berlin stammende Rapper wuchs zwar in ärmlichen Verhältnissen auf, hat sich aber mittlerweile bis ganz nach oben geboxt, mit seinen Texten, in denen es früher hauptsächlich um Gewalt, Drogen und Anfeindungen gegenüber Homosexuellen ging. Erfolgreich ist er dabei besonders bei Jugendlichen, die sich mit ihm identifizieren können, vor allem bei Migranten oder bei jenen, die keine berufliche und soziale Perspektive für sich sehen. Aber ist jemand, der solche Texte schreibt, sein Vokabular in Interviews meist aus Unmengen von Schimpfwörtern besteht und der auch gerne und viel durch extreme Gewalttaten auffällt, das passende Idol für unsere Jugend?
Die Argumentation mit den frauenfeindlichen und gewaltverherrlichende Texten ist unter anderem in den Songs „Vendetta“ oder „Entgegner“ zu bestätigen, jedoch gibt es auch Lieder, wie „Reich mir nicht deine Hand“, in dem er die Zeit verarbeitet, als sein Vater die Familie verlassen hat, oder „Janine“, wo er über die Vergewaltigung eines Mädchens durch ihren Stiefvater erzählt. Daran kann man erkennen, dass es auch eine nachdenkliche Seite an dem sonst so hart wirkenden Rapper gibt.

Als Fazit lässt sich nun schließen, dass es sehr schwierig ist, sich ein Urteil über die Gerechtigkeit der Verleihung dieses Preises zu bilden.

Betrachtet man die komplette Zeit, in der Bushido in der Öffentlichkeit stand, dann sind die Kritiken durchaus gerechtfertigt, denn ein Musiker, der in den Medien meist durch seine menschenverachtenden Texte und Gewaltexzesse Schlagzeilen machte, darf kein Vorbild für Jungendliche sein, weder für die mit noch für die ohne Migrationshintergrund.

Betrachtet man jedoch die letzten Monate, in denen Bushido nicht mit kriminellen Vorkommnisse in den Medien zu finden war, sondern z.B. durch seinen Einsatz gegen Gewalt an deutschen Schulen, dann kann man davon ausgehen, dass der Rapper, die ihm gegebene „zweite Chance“ nutzt und somit den Preis als Ansporn sieht und sich auch weiterhin für eine erfolgreiche Integration ausländischer Mitmenschen einsetzt. Außerdem finde ich es unnötig so einen Preis zu vergeben, da es meiner Meinung nach selbstverständlich sein sollte, den Migranten die Eingliederung in die Gesellschaft zu erleichtern.

Integration in Deutschland – ein Misserfolg?

Philipp Geitner, Q11

Ist die deutsche Integrationspolitik zum Scheitern verurteilt? Viel zu viele Leute sehen nicht ein, dass durch die Migration von Ausländern und deren Integration unser Land erst zu dem geworden ist was es heute ist- eine große erfolgreiche Gemeinschaft verschiedenster Kulturen.

Ich, als Befürworter der Migration, bin der Meinung, dass nicht nur die Migranten besser über unser Land, unsere Sprache und unsere Kultur informiert werden müssen, sondern auch die deutschen Staatsbürger mehr über die Migranten und deren Lebensweise in Erfahrung bringen sollen.
Man hört, sieht und liest es oft im Radio, im Fernsehen und in der Zeitung: „Ausländer klauen unsere Jobs!“, „Ausländer gehen nicht arbeiten!“, „Ausländer begehen Gewaltverbrechen!“, „Ausländer verweigern unsere Sprache zu lernen!“.

Es stimmt natürlich, dass es öfter Konflikten der Ausländer mit dem Gesetzt gibt und dass die Kriminalität unter den Ausländern oder den Staatsbürgern mit Migrationshintergrund sehr hoch ist, aber von den Medien wird immer nur die Seite der Migranten betrachtet. Auf die Kriminalität deutschstämmiger Bürger wird nur inakkurat geachtet und erscheint aus Sicht der Medien weniger interessant und folglich auch als weniger rentabel.
Ein weiteres Problem besteht darin, dass manche Migranten sich nicht integrieren lassen und es Verweigern, die deutsche Kultur mit ihrer ganzen Vielfalt kennenzulernen und beispielsweise nicht die deutsche Sprache erlernen wollen.

Diese Punkte weisen für den bornierten Bürger auf dem ersten Blick darauf hin, dass man im Bereich der Integration von Ausländern drastische Änderungen benötigt, um eventuelles Fehlverhalten von Ausländern zu unterbinden. Auf dem zweiten Blick würde man aber erkennen, dass durch wie oben genannte Beiträge der Medien die Abneigung der Bürger gegenüber Ausländern nur verstärkt wird und die Migranten keine Chance haben sich gegen diese Flut an Vorwürfen zu wehren. Es wird der Eindruck vermittelt, als ob Ausländer größtenteils für Probleme in Deutschland verantwortlich sind.
Meiner Meinung nach besteht das Hauptproblem aber darin, dass immer nur die negativen Einflüsse der Ausländer dargestellt werden. Es wird zu wenig über die gelungene Integration und die Erfolge und Errungenschaften von Ausländern und deren Folgegenerationen berichtet.

Als Beispiel kann man hierbei die Migranten aus vielen europäischen Ländern zur Zeit des Wirtschaftswunders nennen. Diese damals wegen Arbeit gekommenen Migranten waren maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands in der Nachkriegszeit beteiligt und sie und ihre Nachkommen sind heute ein großer und fester Bestandteil des deutschen Volkes. Laut einer Statistik im Jahre 2010 sind rund 19,3 Prozent der deutschen Bevölkerung Personen aus dem Ausland oder mit Migrationshintergrund, was mancher Bürger nicht für möglich gehalten hätte.

In Zukunft wird der Anteil an Ausländern und Personen mit Migrationshintergrund vermutlich weiter wachsen, da die Prozentanzahl an der Gesamtbevölkerung seit vielen Jahren kontinuierlich steigt. Es wird hoffentlich als selbstverständlich erachtet werden, dass Migranten einen wichtigen Platz in unserer Gesellschaft einnehmen. Dazu kommt, dass immer mehr Migranten notwendig werden, um dem demographischen Wandel in Deutschland entgegenzuwirken.
Dies kann sich beispielsweise im Bereich der Kranken- und Altenfürsorge widerspiegeln, da es aufgrund der hohen Lebenserwartung in Deutschland in naher Zukunft immer mehr ältere Menschen geben wird, die dringend Pflegehilfe benötigen.

Es spielt also die Einwanderung von Ausländern eine wichtige Rolle in der Erhaltung der Bevölkerungsanzahl, denn ohne Migration würde die Einwohnerzahl Deutschlands in Zukunft enorm sinken.

Um diese oben genannte Punkte erst möglich zu machen, müssen Anreize, wie ruhiges Umfeld, sicheres Einkommen, schöne Unterkunft etc. für ausländische Arbeitnehmer gewährleistet werden, um die Arbeits- und Wohnstätte Deutschland attraktiv zu machen.
Da es auch trotz vieler erfolgreich integrierten Migranten einen Teil schwerintegrierbarer Personen gibt, sollte meiner Meinung nach die Integrationspolitik in mehreren Punkten emendiert werden, um auch hiermit den Migranten die deutsche Kultur näher zu bringen.

Wenn diese Umsetzungen gelingen sollten, würde Deutschland nichts mehr im Weg stehen, eine große einheitliche Gemeinschaft verschiedenster Kulturen zu werden.

Interview mit einem griechischen Einwanderer

Alexander Mehl, Q11

Im Rahmen des Schülerprojekts „Migration“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung habe ich ein Interview mit dem griechisch-stämmigen Einwanderer Fotios Tatsios geführt, der mir Eindrücke und Erlebnisse seines Lebens in Deutschland als Ausländer mitteilte. Im Folgenden werde ich die von mir gestellten Fragen und die Antworten des Befragten auflisten:

Wann kamen Sie nach Deutschland und wie alt waren Sie dabei?

Das erste Mal kam ich im Jahre 1975 im Alter von sieben Jahren nach Deutschland und blieb dort bis 1985. Anschließend lebte ich wieder für drei Monate in Griechenland, bis ich nach Deutschland zurückkehrte.

Warum gingen Sie nach nur drei Monaten Aufenthalt in Griechenland wieder zurück nach Deutschland?

Ich lebte in diesen drei Monaten mit meiner Mutter und meinen zwei kleinen Brüdern zusammen, während mein Vater aufgrund des Geschäftes in Deutschland blieb. Ich hielt es dann aber nach einer Zeit für angebrachter, dass mein Vater anstelle von mir bei meiner Mutter und meinen zwei kleinen Brüdern, mein kleinster Bruder war gerade einmal ein Jahr alt, leben sollte. Deshalb kehrte ich alleine nach Deutschland zurück und übernahm im Alter von 17 Jahren das Geschäft meines Vaters.

Hatten Sie bereits Deutschkenntnisse als Sie das erste Mal 1975 nach Deutschland kamen?

Ich hatte, als ich mit sieben Jahren hierher, kam keine Sprachkenntnisse, noch wusste ich was mich hier erwarten würde.

Fiel es Ihnen oder ihrer Familie schwer in Deutschland Fuß zu fassen?

Für mich war es auf jeden Fall nicht einfach und ich hatte furchtbares Heimweh. Ich bin von einem kleinen Bergdorf mit frei umherlaufenden Ziegen plötzlich in eine Stadt in einem fremden Land gezogen, wo alles neu und anders war. Als ich 1975 nach Deutschland einwanderte, lebten meine Eltern bereits seit drei Jahren hier und hatten es zu diesem Zeitpunkt einfach als ich.

Konnten Sie als Kind Anschluss an die deutschen Kinder schaffen?

Anfangs war es schwer, da ich über keine Deutschkenntnisse verfügte und griechische Schulen besuchte. Doch mit dem Eintritt in den örtlichen Fußballverein klappte es dann doch mit dem Anschluss.

Stießen bzw. stoßen Sie während ihres Aufenthaltes auf Feindseligkeiten?

Ja, ab und zu habe ich schon Feindseligkeiten erlebt. Einmal z.B. bin ich mit meiner Mutter durch die Straßen gelaufen und uns wurde dann „Kanacke“ nach gerufen. Als Jugendlicher waren die Eltern meiner damaligen Freundinnen gegen mich abgeneigt und versuchten ihre Töchter zu überreden, mich zu verlassen.

Welche Schule(n) besuchten Sie und welchen Abschluss besitzen Sie?

Die erste Klasse besuchte ich noch in Griechenland. Von der zweiten bis zur siebten Klasse besuchte ich diverse deutsch -griechische Schulen, und die achte und neunte Klasse war ich auf einer deutschen Hauptschule. Einen Schulabschluss besitze ich nicht.

Hatten Sie es dann anschließend im Berufsleben leicht?

Ich habe bereits vor dem Beenden der Schule gearbeitet. Mit 14 Jahren war ich Eintrittkassierer der Diskothek meiner Vaters. Mit 17 Jahren hab ich dann, wie bereits erwähnt, das Geschäft meines Vaters übernommen, was aber nicht die Diskothek war, die ging nämlich vorher pleite, sondern zehn Spielautomatenaufstellplätze. Mein Vater übergab mir das Geschäft mit 80.000 DM Schulden, und so musste ich mich zusätzlichen Kellnerarbeiten über Wasser halten und so schnell wie möglich in der Geschäfts- und Finanzwelt zurecht finden. Doch heute geht es mir und meiner ganzen Familie finanziell gut, da wir über diverse Unternehmen verfügen.

Glauben Sie, dass das Leben in Deutschland einfacher als in Ihrem Heimatland Griechenland ist?

Nein, das glaube ich nicht. In Deutschland ist das Leben zwar schwieriger, dafür ist es aber auch um einiges sicherer.

Haben Sie trotzdem manchmal Heimweh und möchten zurückkehren?

Auf jeden Fall habe ich Sehnsucht nach Griechenland, aber aus wirtschaftlichen Gründen und natürlich aufgrund meiner Familie, meiner deutschen Frau und meinen zwei Kindern, werde ich mit ziemlicher Sicherheit in Deutschland bleiben.

Sind Sie mit Ihrem Leben in Deutschland zufrieden, Herr Tatsios?

Ja, das bin ich. Ich habe mir eine gute finanzielle Lebensgrundlage aufgebaut und die meisten meiner Freunde leben hier. Ich fühle mich voll und ganz in die Gemeinschaft integriert.

Bereuen Sie an Ihrem Leben in Deutschland bis jetzt etwas?

Ich bereue nichts, zwar hab ich Schwierigkeiten und Rückschläge erlebt, aber ich habe es weit gebracht und bin glücklich darüber.

Fotios Tatsios ist ein geeignetes Beispiel um zu zeigen das Integration in Deutschland sehr wohl funktioniert, wenn sich die Migranten integrieren wollen und die deutsche Bevölkerung mit Toleranz, Akzeptanz und Gleichberechtigung auf die Ausländer reagiert.

Studie von der Konrad-Adenauer-Stiftung „ Irritierendes Verhalten vieler Migrantenkinder“

Ilona Lamp, Q11

Die Konrad-Adenauer-Stiftung beschäftigt sich bereits viele Monate mit dem Verhalten, den Wünschen und den Zielen islamischer Migrantenkinder, da diese viele Probleme in der Schule haben. Warum diese Jugendlichen schlechte Noten bekommen, bestimmte Regeln der Schulordnung nicht einhalten und keine Disziplin zeigen, haben die Erziehungswissenschaftler Ahmet Toprak und Aladin El Mafaalani untersucht und im Folgenden werde diese Gründe erläutert.

„Eine Reihe kultureller wie innerfamiliärer Ursachen“ habe mit den schlechten Leistungen zutun. Die islamischen Familien geben ihren Kindern keine „Vorerziehung“, die auf die Schule vorbereiten soll, was zur Folge hat, dass die Kinder keine grundlegenden Deutschkenntnisse haben, da zu Hause meist Türkisch gesprochen wird. Deutsche Familien hingegen fördern ihre Sprösslinge und vermitteln ihnen Grundlagen für einen Erfolg in der Schule. Außerdem kennen sich Migranteneltern nicht besonders gut oder gar wenig mit dem deutschen Schulsystem aus und kümmern sich daher auch nicht um das Entfalten des Kindes Fähigkeiten, die es für seine spätere Schullaufbahn braucht. Die Aufgabe der Schule wird zu hoch eingeschätzt und daraus folgt, dass der Lernerfolg die Eltern nichts angeht, da die Lehranstalt eine andere Funktion im Herkunftsland übernimmt: „ Dort ist es allein die Sache der Lehrer, was Schüler lernen. Eltern würden sich niemals in die schulische Erziehung einmischen“, sagt Mafaalani.

„ Umgekehrt würde ein Lehrer in der Türkei oder einem arabischen Land sich bei Schwierigkeiten mit einem Schüler niemals an dessen Eltern wenden. Wenn das in Deutschland passiert, halten die Eltern den Lehrer für inkompetent. Dass er sie zu Mithilfe auffordert, legen sie als Zeichen der Schwäche aus“, erklärt Professor Toprak. Außerdem denken Lehrer, dass sich Eltern aufgrund ihrer Zurückhaltung nicht dafür interessieren, wie ihr Kind in der Schule ist.

Ein weiterer Grund für Schwierigkeiten mit Schule und Lehrern ist, dass sich die Erziehung zuhause deutlich von der der deutschen Familien unterscheidet. Die Autoren dieser Studie, Ahmet Toprak und Aladin El Mafaalani dokumentieren dies durch Interviews: „Gehorsam gegenüber älteren Familienmitgliedern, Respekt vor Autoritäten, das Bewahren der Familienehre und das Befolgen der religiösen Regeln. Der Glaube steht an erster Stelle der Erziehung und wird als das Wichtigste und Heiligste beigebracht. Daher bekommen islamische Kinder härtere Strafen. Außerdem werden Migrantenkinder mit der Einstellung großgezogen, dass man Männer zu vergöttern hat und Frauen nur für Haushalt brauche. Die deutsche Geschlechterrollenverteilung sieht anders aus: Mann und Frau sind gleichberechtigte Menschen.“

„Türkische Kinder sind gewohnt, richtigen Ärger zu bekommen, wenn sie zu Hause etwas Verbotenes tun. Wenn bei Blödsinn in der Schule ein Lehrer nur sanft an Einsicht und Verständnis appelliert, nehmen sie ihn nicht ernst“, sagt Mafaalani. „Die Lösung dieses Problems ist, dass man klare und strengere Grenzen setzen, auf Fehlverhalten sofort reagieren, kein Ausflüchte akzeptieren und Konsequenzen folgen lassen soll.“, meint Toprak.

Letztendlich sieht der Lösungsansatz der Studie so aus:
Grundschulen und Ganztagsschulen sollen sich intensiver und noch stärker um Migrantenkinder kümmern, um sie so auf ihre weitere Schullaufbahn vorbereiten zu können.

Die Studie selbst: http://www.kas.de/wf/doc/kas_29445-544-1-30.pdf?111205140302 (11.12.2011)
Quellen: http://www.faz.net/aktuell/politik/studie-irritierendes-verhalten-vieler-migrantenkinder-11481053.html#Drucken (11.12.2011)

Asylhilfen – Zählt wirklich der Einzelfall?

Nina Metzmacher

Asylanten nennt man Personen, die in einem fremden Land Asyl suchen, weil sie in ihrem eigenen politisch verfolgt werden. Man kann also sagen, ihr Leben hängt von Staaten wie Deutschland ab, da sie oft die letzte Chance auf Zuflucht bieten. Insgesamt müssen wir hier, nach Schätzung der UNHCR, von einer Zahl von weltweit 43 Millionen Menschen sprechen. Und doch tun viele EU-Staaten ziemlich viel, um Flüchtlingen diese Zuflucht zu verweigern.
Nicht nur, dass die Flucht nach Europa schon in den Herkunftsgebieten verhindert werden kann (Stichwort Grenzsoldaten), die Erklärung zahlreicher Staaten zu „sicheren Drittstaaten“, ist ein weiterer Faktor, der Asylanten ihren Schutz verwehrt. Das sind nur zwei Beispiele, die dieses Problem aufzeigen.

Doch was passiert mit den wenigen, die trotz aller Widrigkeiten die Europäische Union erreichen? Was wird eigentlich getan, um den Verfolgten zu helfen? Gibt es wirklich genügend Chancen für sie? Diese Fragen will ich im Folgenden klären.

Es geht schon auf der Reise los. Jährlich sterben hunderte Menschen auf der Flucht vor den angeblich erlösenden Toren Europas einen oft grausamen Tod. Um überhaupt eine Chance auf Asylberechtigung zu erhalten, müssen Flüchtlinge einen Asylantrag stellen. Und dorthin muss man es erst mal schaffen.
Gehen wir nun davon aus, der Asylsuchende hat diese Chance und reist nun in Deutschland ein.

Er hat erst einmal keine Arbeitserlaubnis, darf also weder arbeiten noch eine Ausbildung absolvieren. Aufgrund der Existenz sogenannter „bevorrechtigten Arbeitnehmer“, also Deutsche, EU-Ausländer und anerkannte Flüchtlinge, haben sie auch nach Erhalt der Arbeitserlaubnis kaum Chancen auf einen Arbeitsplatz. Wenn wir von dem Fall ausgehen, der Flüchtling ist auch noch minderjährig, wird es noch schwieriger. Für Jugendliche unter 16 Jahren bietet eine Jugendhilfeeinrichtung Zuflucht. Die Kinder bekommen einen Vormund, wenn es nicht Angehörige oder andere Perspektiven in Deutschland gibt. 16 – 17-Jährige haben es schwerer, weil sie ausländerrechtlich als „handlungsfähig“ eingestuft werden und deshalb ihr Asylverfahren hilflos und alleine durchlaufen müssen. Sie werden in Sammellager gesteckt und erhalten keinen Vormund, keine Vertrauensperson.
Doch gibt es tatsächlich einige Organisationen, die sich des Problems angenommen haben.

Pro Asyl ist die wahrscheinlich bekannteste. Sein Förderverein kümmert sich beispielsweise um die Finanzierung von Gerichtsverfahren für Einzelfälle, Öffentlichkeitsarbeit und fördert die Arbeit von Flüchtlingsräten.
Weitere Tätigkeitsbereiche der Organisation sind die gesellschaftliche Aufklärung und Information, die Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit Fluchtbiographie und die Bekämpfung von Fluchtursachen.


Pro Asyl wurde für seine Arbeit schon mit zahlreichen Auszeichnungen, wie der Theodor-Heuss-Medaille, dem Blauen Elefanten und des Osnabrücker Friedenspreises geehrt. Der „Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (United Nations High Commissioner for Refugees)“, oder kurz UNHCR, ist eine weitere Flüchtlingshilfe, die international agiert. Die Organisation setzt sich auf der Grundlage der Genfer Flüchtlingskonvention für die Rechte von Asylanten ein. Auch in Deutschland liegt der Schwerpunkt der Organisation im Rechtsschutz für Asylbewerber und anerkannter Flüchtlinge.
Die UNO-Flüchtlingshilfe, um noch eine weitere Organisation zu nennen, fördert mehrere Projekte, zum Beispiel in der ausländischen Nothilfe und im Bereich der Betreuung und Beratung.

Natürlich gibt es noch weitere Anlaufstellen, auch staatliche wie der Flüchtlingsrat Berlin oder kirchliche, wie der kirchliche Flüchtlingsdienst am Flughafen Frankfurt. Insgesamt kann man sagen, dass in Deutschland dennoch einiges für Flüchtlinge getan wird. Es ist streitwürdig, ob es genug ist. Ich würde mir noch mehr wünschen. Vor allem von staatlicher Seite.

Bei der Recherche für diesen Essay ist mir aufgefallen, dass auch in unserer Region nicht viel kommunale Hilfe geboten wird. Flüchtlinge sind Menschen. Genau wie wir auch. Wir können nichts dafür, wo wir geborenen werden und es ist sicher nicht unsere Schuld, ob wir aufgrund unseres Geschlechts oder Überzeugung verfolgt werden oder nicht. Die Ungerechtigkeit ist es, die dieses Thema emotionalisieren sollte. Es muss uns doch nahe gehen, ob Kinder auf der Flucht versteckt in einem LKW-Container ersticken oder beim Versuch, einen Grenzfluß zu überqueren, grausam erfrieren müssen. Und doch verschließen wir die Augen. Wollen das Elend nicht sehen. Wir haben unseren Schlafplatz, ein warmes Essen, die Möglichkeit uns sicher zu fühlen. Millionen Menschen wird durch unsere Asylpolitik die Chance auf ein Leben in Sicherheit verwehrt. Wir können die Welt vielleicht nicht durch unsere Stimme retten, aber wir können sie ein Stückchen besser machen. Mag dieser Ansatz auch naiv oder zu idealistisch sein, ist es doch der einzige, der uns zu besseren Menschen werden lässt.

Lasst uns unsere Stimme erheben, gegen die Ungerechtigkeit, die zahllosen Menschen in unserer Gegenwart widerfährt.

Interview zum Thema Migration

Katharina Meyer

Paulina studiert zurzeit Medienbetriebswirtschaft und wird im März ihren Abschluss und danach den Master in BWL machen. Momentan lebt sie in Borna, in der Nähe von Leipzig. Alles hört sich nach einem erfolgreichen Plan an. Doch etwas ist anders. Paulina Klebanova ist keine Deutsche, trotzdem studiert sie hier, das ist ungewöhnlich. Sie ist gebürtige Weißrussin, eingewandert nach Deutschland, und erzählt von Deutschland und wie sie hierher gekommen ist.

Persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Migration“ mit Schwerpunkt auf dem Bereich „Integration“

Meyer: “Wie lange lebst du schon in Deutschland?“

Klebanova: „Ich lebe seit ca. 14 Jahren in Deutschland. Also seit meinem elften Lebensjahr.“

Meyer: „Aus welchem Grund sind deine Familie und du nach Deutschland gekommen?“

Klebanova: „Meine Eltern haben in Weißrussland keine Perspektive gesehen. Mein Vater ist Ingenieur und war bei einem großen Werk in Minsk angestellt. Zeitweise wurde er nicht bezahlt oder sein Lohn wurde ihm in Fahrrädern oder Socken ausgezahlt. Meine Mutter war Mathelehrerin an einer Mittelschule. Nachdem sie einige Male von der Schulleitung ermahnt wurde, mehr kommunistische Lehre in den Mathe-Unterricht einzubeziehen, hatte sie den Job aufgegeben. Da mein Vater zu einem Viertel jüdischer Abstammung ist, konnten wir über ein Projekt für jüdische Immigration nach Deutschland auswandern.“

Meyer: „Warum seid ihr nach Deutschland ausgewandert und in kein anderes Land? Was hat Deutschland für so euch attraktiv gemacht?“

Klebanova: „Für meine Eltern standen damals Deutschland oder die USA zur Auswahl, Deutschland war aber näher.“

Meyer: „Auf welchem Weg seid ihr nach Deutschland gekommen? Wie verlief die Einreise und der Einzug in eine Wohnung in Deutschland?“

Klebanova: „Wir sind mit einem Transporter nach Deutschland gekommen, den wir in Minsk angemietet haben. Das erste Jahr wohnten wir in einem Ausländerwohnheim in Glauchau, in der Zeit mussten meine Eltern einen Sprachkurs machen. Das war die Bedingung von dem Einwanderungsprogramm.“

Meyer: „War die Eingewöhnung schwer? Du kannst ziemlich gut Deutsch, hast du die Sprache in Minsk schon gekonnt, wenn nein, wie hast du sie gelernt?"

Klebanova: „Ich konnte kein Deutsch. Nach zwei Wochen in der Sprachklasse, in der Kinder von 6 bis 18 Jahren unterrichtet wurden, haben meine Eltern darauf bestanden, dass ich in eine normale Klasse versetzt werde. Ich habe ein russisch- sprachiges Mädchen als Banknachbarin gekriegt und konnte so dem Unterricht folgen. Allerdings musste ich eine Klasse wiederholen. Aber dadurch habe ich sehr schnell deutsch gelernt und konnte nach 2-3 Jahren akzentfrei Deutsch.“

Meyer: „Welche Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten gibt es zwischen Deutschland und Weißrussland deiner Meinung nach?“

Klebanova: „So viele Unterschiede sehe ich zwischen den beiden Ländern gar nicht. Außer, dass vielleicht in Weißrussland Hochzeit und Familie eine größere Rolle spielt als hier. Sehr viele von meinen Freundinnen aus Minsk haben mit 22-23 geheiratet. Ansonsten sind die zwei Länder kulturell sehr ähnlich.“

Meyer: „Haben du und deine Familie noch Kontakt zu Freunden oder Verwandten aus deinem Herkunftsland?“

Klebanova: „Ja, ich habe noch sehr viel Kontakt zu meiner Familie in Weißrussland. ich fliege auch 4-5-mal im Jahr nach Minsk.“

Meyer: „Habt ihr bestimmte Traditionen beibehalten? Wenn ja, welche?“

Klebanova (lacht): „Eigentlich nicht, wir feiern inzwischen sogar Weihnachten statt Neujahr.“

Meyer: „Hast du persönlich mehr Kontakt zu Deutschen oder zu anderen Migranten?“

Klebanova: „Überwiegend habe ich deutsche Freunde.“

Meyer: „Wie ist deine rechtliche Situation in Deutschland bezüglich Aufenthaltserlaubnis, Wahlrecht und Staatsbürgerschaft?“

Klebanova: „Vor vier Jahren habe ich die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.“

Meyer: „Würdest du von dir selbst behaupten, dass du dich in Deutschland heimisch fühlst?“

Klebanova:“ Ich habe mich in Deutschland sehr gut eingelebt und kann mir auch nicht mehr vorstellen nach Weißrussland zurück zu gehen. Deutschland ist meine Heimat.“

Meyer: „Ich danke Dir für dieses Gespräch.“

Persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema „Migration“ mit Schwerpunkt auf dem Bereich „Integration“

Informationen zum Beitrag

Titel
Thema „Migration“ mit Schwerpunkt auf dem Bereich „Integration“
Autor
Sozialkundekurs (Lukas Schmidt, Pascal Abel, Tatjana Gröger, Tiffany Rohnstock, Philipp Geitner, Alexander Mehl, Ilona Lamp, Nina Metzmacher, Katharina Meyer, Melanie Beyreuther, Johannes Wegener)
Schule
Simon-Marius-Gymnasium, Gunzenhausen
Klasse
Q11 von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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