Ist Das Fair? Berufschancen von Migranten in Deutschland

Ist Das Fair? Berufschancen von Migranten in Deutschland

 „Endlich habe ich einen richtigen Beruf“ erzählt Olga Kornelsen (35) stolz.

Für Einwanderer ist es oft schwerer einen für ihre Qualifikation angemessenen Beruf ausüben zu können. Diese Erfahrung musste auch Olga K. machen. Die gebürtige Russin ist 2000 nach Deutschland eingewandert. Das tat sie auf Grund einer Familienzusammenführung, das heißt, dass sie ihrem Mann aus Russland nachgereist ist. Sie ist Mutter zweier Kinder und hat 11 Jahre  kämpfen müssen, um heute als Sozialversicherungsfachangestellte arbeiten zu können.

Ist Das Fair? Berufschancen von Migranten in Deutschland

„Um nicht auf Hartz IV angewiesen sein zu müssen, hab ich immer wieder in verschiedenen Aushilfsjobs arbeiten müssen, wie zum Beispiel als Reinigungskraft oder Verpackerin in einer Eierfabrik. Insgesamt verdiene ich jetzt während meiner Ausbildungszeit sogar weniger als in den Aushilfsjobs.“

Um ihren Hausbau und sonstige Ausgaben zusammen mit ihrem Mann finanzieren zu können, übte sie zeitweise drei Berufe an einem Tag aus. „Das war eine harte Zeit für mich. Aber jetzt kann ich umso stolzer sein, dass ich jetzt einen Beruf lernen darf, den ich wirklich gerne mache.“ erzählt Olga K. voller Stolz.  
„Das war damals, als ich das erfuhr ein heftiger Schlag für mich. Ich hatte vorher davon gehört dass es für Migranten sehr schwer ist in ihrem alten Beruf zu arbeiten. Ich habe mich für meinen alten Beruf sogar beworben, aber ich hätte noch ein paar Semester studieren müssen, um hier als Lehrerin  arbeiten zu können. Und mit meinen Sprachproblemen hätte ich bestimmt nur schwer einen Arbeitsplatz gefunden.“, erinnert sich Olga K. zurück.
„Deshalb habe ich angefangen als Putzfrau zu arbeiten. Ich war so sauer, da ich mich mit meinen Qualifikationen dort fehl am Platz fühlte. Außerdem wird es schwerer sich zu integrieren wenn man eine einfache Angestellte ist, da die Leute denken man habe keine Ausbildung und wäre nach Deutschland gekommen, um dort ein schönes Leben zu genießen.“
 Besonders schwer war es unmittelbar nach ihrer Einwanderung, Anschluss zu finden.
„Ich kannte niemanden hier außer der Familie meines Mannes, die mit mir ausgewandert ist.
Und wenn man die deutsche Sprache dann noch nicht so beherrscht, dann sehen dich die Leute hier komisch an.“
 Und heute, nach 10 Jahren? Fühlt sie sich in Deutschland akzeptiert? „Ich werde akzeptiert, aber ich muss immer doppelt so gut sein wie Deutsche. Auch jetzt, während meiner Ausbildungszeit kann ich in den Klausuren die Beste sein, doch trotzdem wird wieder nur an meiner Sprache kritisiert.“
Im Sommer hat Olga K. ihre Ausbildung in Münster begonnen. In Russland könnte sie schon seit Jahren als Lehrerin für Geschichte oder als Archivarin arbeiten, doch ihr Studium wird von der Bundesrepublik nur teilweise, beziehungsweise ihr Archiv-Studium nicht akzeptiert. „Ich kann von mir sagen, dass ich zehn Jahre hart gekämpft und gearbeitet habe um jetzt einen genauso guten, qualifizierten Beruf zu haben wie viele andere.“ Sie hat sich, bis sie ihre jetzige Arbeitsstelle gefunden hatte, bei verschiedenen Firmen beworben, doch viele lehnten sie wegen ihren Problemen in der deutschen Sprache ab.
„Das frustrierende daran ist, das diese Firmen andere Auszubildende angenommen hat, die schlechtere Zeugnisse hatten. Nur wegen meiner Sprache wurde ich abgelehnt.“
Auch an ihrer Ausbildungsstelle hat sie Probleme mit der Sprache. „Dabei ist es für die Firma eigentlich ein Gewinn mich da zu haben. Oft kann ich helfen wenn andere Russen bei uns eine Versicherung abschließen, da ich ihre Pässe übersetzen kann wenn es Probleme gibt.
Doch das wird dann wieder als selbstverständlich gewertet. Da wird einem nicht unbedingt für gedankt.“
Am meisten freut sich Olga, wenn sie endlich ihren langersehnten deutschen Berufsabschluss in der Tasche hat. „Dann begegnen die Menschen einem endlich mit mehr Respekt. Und wenn ich in drei Jahren mit meiner Ausbildung fertig bin, können meine beiden Töchter dann  auch endlich sagen dass ihre Mutter Sozialversicherungsfachangestellte ist und nicht Putzfrau.“

Ist Das Fair? Berufschancen von Migranten in Deutschland

Informationen zum Beitrag

Titel
Ist Das Fair? Berufschancen von Migranten in Deutschland
Autor
Marie Sophie Schmauck, Katharina Ernst
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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