Die „Landlosen“ in Deutschland daheim - ein Gespräch mit einer Münsteranerin mit kurdische

Die „Landlosen“ in Deutschland daheim - ein Gespräch mit einer Münsteranerin mit kurdische

„Das ist meine neue Heimat“, sagt Leila über Deutschland. Als vor 50 Jahren die erste große Kurden-Migration nach Deutschland erfolgte, wusste wohl noch keiner, dass im Jahre 2011 ungefähr 1 Million Kurden hier leben würden. Als Gastarbeiter aus der Türkei bis 1973 angereist, begann für sie ein neues Leben. Die Kurden, die keinen eigenständigen Staat haben und hauptsächlich in der Türkei, im Iran, im Irak und in Syrien leben, ließen oft die Familie als auch ihren Besitz zurück und nahmen nur wenig Gepäck mit. Ab den 1980ern nahm durch die Verfolgung der Kurden in der Türkei die nächste Migrationswelle ihren Lauf. Weitere politische und ethnische Konflikte zwischen Kurden und der regierenden Politik in den benachbarten Staaten führten dazu, dass ab den 1980ern bis heute mehrere hunderttausende Kurden nach Deutschland eingewandert sind. Dies war für sie ein Aufbruch in eine neue Welt.
Genauso wie für Leila Hadsch-Hussein. Leila lebt seit 21 Jahren in Deutschland. Damals, im Jahre 1990, flüchteten sie und ihre Familie aus Syrien nach Deutschland.  „Es war verboten, öffentlich kurdisch zu sprechen, unsere Kultur konnten wir nicht ausleben. Wir wurden unterdrückt, weil wir Kurden waren.“, berichtet sie heute mit ernster Miene. Man habe Kurden, die für ihre Rechte
eingetreten sind, bekämpft. Am 03.10.1990, genau am Tag der deutschen Wiedervereinigung, kamen sie per Flugzeug in Berlin an. Die heute 36-Jährige erzählt, dass es für sie in Deutschland ein neues Leben gewesen sei. Doch die ersten Jahre, so Leila, seien für sie eine besonders schwere Zeit gewesen. Vor allem wegen der deutschen Sprache. „Ich konnte damals noch kein Deutsch.“
Außerdem hatte sie, genauso wie ihre ganze Familie, fast kein Vorwissen über die Kultur und das Leben der Deutschen. Aber mit der Zeit hätte sich ihre Situation verbessert und sie hätte erste Freundschaften mit deutschen Bürgern geknüpft. In Haltern am See, wo sie die ersten Jahre in Deutschland lebte, hat Leila ihren Hauptschulabschluss erhalten. 1999 zog sie nach Münster. Die gelernte Floristin erzählt mir, dass sie verheiratet ist und drei Kinder von acht bis 14 Jahren hat und mit ihnen zusammenlebt. Heute arbeitet sie als Kinderbetreuerin und Dolmetscherin.
„Ich sehe die Einwanderung nach Deutschland als eine wunderbare Wende in meinem Leben. Dennoch vermisse ich andere Familienmitglieder und Freunde, mit denen ich immer noch Kontakt habe.“ Für die Kurden im nahen Osten wünsche sie sich mehr Rechte. Natürlich wäre aber ein eigener kurdischer Staat, der momentan nur in der Autonomen Region Kurdistan im Irak möglich wäre, ihr größte Wunsch. Sie berichtet außerdem, dass es viele gut integrierte Kurden in Münster gibt, jedoch auch solche, die zum Beispiel weniger gut Deutsch sprechen können. Denn die Sprache ist für ist für eine Integration sehr wichtig. Wirtschaftlich, so Leila, seien die Kurden besser integriert: „Viele Kurden in Münster sind heute selbstständig. Sie betreiben eigene  Internetcafés, Restaurants und kleinere Geschäfte wie orientalische Lebensmittelgeschäfte oder kleine Textil-Discounter.“ Es gibt bereits auch einige Personen mit kurdischem Mitgrationshintergrund in der Öffentlichkeit in den Bereichen Politik, Sport, Kunst und Musik wie Eren Derdiyok, der Fussballer vom Bundesligist Bayer Leverkusen, dessen Eltern aus dem kurdischen Gebiet der Türkei stammen, oder der Rapper Azad, der im kurdischen Teil des Irans geboren ist, die mehr oder weniger als Vorbild für eine gelungene Integration gelten können.
Am Ende des Interviews erzählt mir Leila, dass sowohl von den deutschen Bürgern mit kurdischem Migrationshintergrund als auch von der deutschen Integrationspolitik noch mehr Mittel und Aufwand für eine gelungene Integration gewährleistet werden müsse.

Die „Landlosen“ in Deutschland daheim - ein Gespräch mit einer Münsteranerin mit kurdischen Wurzeln

Informationen zum Beitrag

Titel
Die „Landlosen“ in Deutschland daheim - ein Gespräch mit einer Münsteranerin mit kurdische
Autor
Drst Hussein
Schule
Schillergymnasium, Münster
Klasse
GK Deutsch von 2011/2012
Quelle
Frankurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

Beruf und Chance

  • 54359734

    Zahl ausländischer Wissenschaftler und Studierender gestiegen

    › Zum Artikel

  • 54360031

    Mütter kehren schneller in familienfreundliche Betriebe zurück

    › Zum Artikel

  • 54358221

    Neuseeländisches Unternehmen führt die Vier-Tage-Woche ein

    › Zum Artikel

Zeitungszustellung während des Projekts

Probleme bei der projektbezogenen Zeitungslieferung?
Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Auftragsnummer per E-Mail oder per Fax an:vertrieb@faz.de
069-7591-2180