Verzweiflung im Irak – Hoffnung in Deutschland

In den vergangen 15 Jahren kamen die meisten Flüchtlinge aus der Türkei, Ex-Jugoslawien, Irak und Afghanistan nach Deutschland. Doch heute gibt es eher irakische, afghanische, iranische und kosovoanische Flüchtlinge. Von den insgesamt 43 Mio. Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, kommen jährlich mehrere 100 minderjährige Flüchtlinge, ohne ihre Eltern, nach Deutschland. Entweder aus wirtschaftlichen, politischen oder humanitären Gründen.
Nachdem die Flüchtlinge die Grenze nach Deutschland überwunden haben, können sie zu jeder öffentlichen Behörde oder Polizei gehen, um  Asyl zu beantragen. Dieses Verfahren dauert mehrere Jahre. Sie kommen von dort in eine Erstaufnahmeeinrichtung, welche einem großen eingezäunten Gelände entspricht und mit Polizei, Arzt, Kantine und Schlafsälen für viele Personen ausgestattet ist. In Deutschland gibt es insgesamt 20 solcher Aufnahmeeinrichtungen, unter anderem in Bremen und Hamburg. Dort werden die Asylsuchenden registriert und über ihre Fluchtgründe befragt. Sie erhalten eine Aufenthaltsgestattung und bleiben so lange in der Erstaufnahme bis der Asylantrag entschieden ist, was bis zu drei Monate dauern kann. Wenn sie bleiben dürfen und eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen, werden sie einer Stadt bzw. einem Landkreis zugewiesen. Doch die Unterbringung ist immer unterschiedlich, mal erhalten sie ein Bett im Lager oder eine Wohnung. Nach 8 Jahren bekommen sie eine Niederlassungserlaubnis, mit der sie nicht mehr abgeschoben werden können. Daraufhin können sie einen Einbürgerungstest machen, um die deutsche Staatsangehörigkeit zu erhalten. Voraussetzung ist ein positiver Test hinsichtlich Politik, deutscher Geschichte und Gesellschaft. Zusätzlich müssen sie einen Test der deutschen Sprache und Grammatik bestehen.
Im März 2010 kam ein irakischer Geschäftsführer, wegen den Aufständen im Irak, den darauf folgenden Angstzuständen um seine Familie und um sein Erspartes, nach Deutschland. Er hat die Auswirkungen der Aufstände frühzeitig erkannt und konnte somit die letzten Flugtickets buchen, um das Land zu verlassen. Sein 16-jähriger Sohn musste in den Krieg einziehen und kam nie wieder zurück. Dadurch konnte er nur noch seine im achten Monat schwangere Frau mitnehmen und seine anderen zwei Söhne. Es war ihnen egal in welches Land sie flüchteten. Sie hofften nur auf ein besseres und sicheres Leben, in einem Land wo sie herzlichst aufgenommen werden würden. Das letzte Flugzeug flog nach Deutschland, so war ihr Ziel klar. Es war Mitte März. Sie hatten kaum Kleider am Leib und jeder von ihnen hatte einen Sack auf dem Rücken, mit dem Notwendigsten. Nach dem langen und anstrengenden Flug vom Irak nach München, wurden sie von vielen Passanten verstört angeguckt, jedoch bot keiner Hilfe an. Nach einer mehrstündigen Suche in eisiger Kälte fanden sie eine Polizeistelle und Unterstützung um einen Asylantrag zu stellen. Dort wurde der Familie ein warmes Getränk angeboten. Für den Vater hieß es nun absolute Konzentration, da er bei dem Polizisten sein gebrochenes Englisch anwenden musste. Nachdem er kurz geschildert hatte, wo er und seine Familie herkamen, wurden sie von einem Beamten in eine Erstaufnahmeeinrichtung geführt und durften erst mal im Bettenlager schlafen. Am nächsten Tag wurden sie nach ihren Fluchtgründen gefragt und mit einem Anmeldebogen registriert.
Am Abend bekamen sie und andere Flüchtlinge eine warme Mahlzeit. Durch die ganze Aufregung setzten bei seiner Frau in der darauffolgenden Nacht die Wehen ein. Es wurde sofort ein Arzt gerufen und nach acht Stunden gebar sie deren erste Tochter.
Nach 3 ½ Monaten wurde ihnen mitgeteilt, dass sie in das Asylantenwohnheim in Frankfurt zugewiesen werden. Sie waren sehr überrascht, dass das so schnell ging. Dort leben sie in einer eigenen Wohnung. Am Anfang gab es viele Probleme, da sie die Menschen sprachlich sehr schwer verstehen konnten. Trotz allem wurden sie gut behandelt und von der Nachbarschaft sehr nett aufgenommen und integriert. In dem Wohnheim wurden verschiedene Sprachkurse angeboten, allerdings nur für junge Menschen. So besuchten seine Söhne einen Sprachkurs, indem sie sehr schnell die Kenntnisse der deutschen Sprache kennen lernten und neue Freunde fanden, was die Eltern sehr erleichterte. Gleichzeitig besuchten die Eltern einen deutschsprachigen Abendkurs. Der Vater konnte sich schon vorher recht gut zu Recht finden, da er einige Englischkenntnisse besaß. Sie leben in dem Wohnheim mit einer türkischen, marokkanischen und iranischen Familie. Alle sind sehr nett und haben ebenfalls Kinder. Die Wohnung ist sehr einfach und schlicht. Es gibt insgesamt 2 Schlafzimmer mit Hochbetten und eine Küche. Wegen den engen Raumverhältnissen ist es sehr schwer für sie, ihre kleine Tochter zu erziehen. Seinen Söhnen geht es sehr gut, sie haben viele Freunde gefunden. Sie sind nun seit über einem Jahr in dieser Wohnung. Die Eltern haben einen Brief von der Ausländerbehörde bekommen, indem steht, dass ihre Anfrage angenommen wurde und sie in Deutschland herzlich begrüßt werden. Das einzige Problem ist jetzt nur noch, dass der Vater arbeitslos ist. Er bezahlt derzeit alles mit seinem ersparten Geld. Er hat schon mehrere Bewerbungen an Unternehmen geschickt – leider keine Antwort. Der verzweifelte Vater wird es immer weiter probieren und lernt immer mehr deutsch. „Ich hätte niemals gedacht, dass es so schwer ist ein ganz „neues Leben“ anzufangen. Meine Frau und ich werden immer weiter kämpfen und siegen. Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass ich nie wieder in mein eigenes Land abgeschoben werde, dass meine Familie glücklich und gesund weiterlebt und dass wir in vielen Jahren zu den „richtigen Deutschen“ gehören.“
Nicht immer kann es so ein schönes Happy End geben. Bei bis zu 84% der Flüchtlinge wird das Asylverfahren abgebrochen und die sogenannten „Geduldeten“ werden zurück in ihr Land abgeschoben.
 

Informationen zum Beitrag

Titel
Verzweiflung im Irak – Hoffnung in Deutschland
Autor
Jelena Schlichtig, Saskia Henniges
Schule
Friedrich-List-Schule Wiesbaden, Wiesbaden
Klasse
11 01 von 2011/2012
Quelle
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Projekt
Die Welt in Bewegung - Migration
Kategorie
Print

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